Verrückt ist auch normal

Deutschland 2002/2003 TV-Spielfilm

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Heinz17herne
Heinz17herne
Die einst überaus erfolgreiche Schlagersängerin Bonnie Bergmann, die einen ganzen Raum ihrer Wohnung mit den Trophäen ihrer Karriere ausstaffiert hat, verkraftet es nicht, dass sie auf den großen Bühnen der Republik nicht mehr gefragt ist, sondern, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, durch Einkaufzentren tingeln und auf Kaffeefahrten auftreten muss. Ihre aussichtslose Lage kompensiert die 29-jährige attraktive Blondine durch geradezu krankhaft gute Laune. Der psychische Druck lässt sie jedoch immer häufiger ausrasten, und das regelmäßig vor Publikum in der Öffentlichkeit. Sehr zum Leidwesen ihrer achtjährigen Tochter Lilly, der das Verhalten ihrer Mutter nur noch peinlich ist und die zur Großmutter Elisabeth Bergmann zieht.

Um ihre manischen Schübe in den Griff zu bekommen, wird Bonnie vorübergehend in die psychiatrische Klinik St. Margarete in Bedburg-Hau eingewiesen. „Zur Beobachtung“, wie sie ihre Zimmergenossin Thekla wissen lässt. Die sich später als liebevolle, ständig um den Erfolg der Band bangende Patientin entpuppt. Apropos Band. Bonnie trifft auf eine schillernde Gruppe von Leidensgenossen mit unterschiedlichsten Lebendläufen vom Bankräuber bis zum Landwirt: der hirntumorgeplagte Pluto Kahlweit, der machohafte Brian Jones-Fan Kiesmond, der traumatisierte Plischka und der unter dem hinterhältigen Tourette-Syndrom leidende Epileptiker Rufus Bohm scheinen nur auf sie gewartet zu haben.

Die Vier überreden Bonnie, endlich all’ ihre Starallüren abzulegen und bei ihrer Klinikband „Die Patienten“ mitzumachen. Bonnie willigt ein, nachdem sich das Quartett auf nicht ganz legale Weise bei einem Gastspiel der Gruppe „Cannibal Heat“ mit dem notwendigen Profi-Equipment versorgt hat. Nicht zuletzt aber auch deshalb, weil sie mit dem musikalischen Kopf der Truppe, Plischka, ein Liebesverhältnis begonnen hat. Sie proben für den großen Auftritt am jährlichen „Tag der offenen Tür“ in St. Margarete, doch der muss kurzfristig abgesagt werden: Pluto, der gemütliche Dicke und so etwas wie die „Mutter der Kompanie“, hat einen gesundheitlichen Rückfall erlitten.

Als Bonnie aus der Klinik entlassen wird, beschließt sie, ihre verpatzte Musikkarriere an den Nagel zu hängen und mit Tochter Lilly ein stinknormales „bürgerliches“ Leben zu führen – als Kassiererin in einem Supermarkt. Aber Pluto, der noch nie Besuch von seinen beiden Söhnen erhalten hat und die Band als seine Ersatz-Familie ansieht, lässt nicht locker, schmuggelt ein Tape mit einem Song, den Plischka extra für Bonnie geschrieben hat, in die Musikberieselungsanlage des Supermarktes. Und Bonnie gibt nach. Sie entdeckt ihre Rock’n Roll-Profession und betritt endlich wieder die Bretter, die ihr die Welt bedeuten. Und sie entdeckt im Publikum ihre Tochter Lilly...

Vivian Naefe, eigentlich bekannt durch leichte Unterhaltungsware in freilich perfekter handwerklicher Ausführung, hat frei nach „Einer flog über das Kuckucksnest“ mit „Verrückt ist auch normal“ eine turbulent-abgefahrene Komödie im Psychiatrie-Milieu gedreht, die von grotesken Einfällen, vor allem aber liebevoll gezeichneten Details – und hervorragenden Schauspielern lebt.

Zum Cast gehören u.a. Christoph Wackernagel als verständnisvoller, Hölderlin zitierender Anstaltsarzt Dr. Hunig, Johann Adam Oest als unter Zwangsstörungen leidender Patient Milke, Kati Eyssen als flippige Patientin Roxy sowie Nicholas Bodeux als Bohne, ein als dienstbeflissener Geist eher unscheinbarer Patient. Was Vivian Naefe aus dieser Crew an ganz unspektakulären szenischen Petitessen herausholt, ist mehr als beachtlich – und macht das düstere Finale des Films allemal wett. Sie kann auch anders, wollte die Regisseurin offenbar einmal unter Beweis stellen.

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Dreharbeiten

    • Köln
Länge:
90 min
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Aufführung:

TV-Erstsendung (DE): 19.02.2003, ARD

Titel

  • Originaltitel (DE) Verrückt ist auch normal
  • Arbeitstitel (DE) Die Patienten

Fassungen

Original

Länge:
90 min
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Aufführung:

TV-Erstsendung (DE): 19.02.2003, ARD