Inhalt
Ein scheinbar sachlich-kühler, kommentarloser Blick in die Welt der industriellen Lebensmittelproduktion. Er gewährt Einsichten in europäische Fabriken und hoch technisierte Landwirtschaftsbetriebe: Küken auf Fließbändern, Schweine dicht gedrängt vor der Schlachtung, künstlich zum Verblühen gebrachte Sonnenblumenfelder. Landschaften werden "optimiert", Pflanzen und Tiere wie andere Waren auch behandelt, als Vorstufe zum perfekten Produkt. Das reibungslose Funktionieren dieser Abläufe wird als skandalöses Fundament menschlichen Lebensstandards sichtbar.
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Woher kommt unsere Nahrung? Dieser Frage geht der österreichische Dokumentarfilmer Nikolaus Geyrhalter („Pripyat“, „Elsewhere“) in seinem u.a. auf den Festivals von Amsterdam, Paris, Montreal, Athen und Toronto preisgekrönten Film „Unser täglich Brot“ nach, den er selbst als „ein nicht immer leicht verdauliches Bilder-Mahl in Breitwandformat“ (auf 35-Millimeter-Material gedreht) charakterisiert.
Am Fließband und durch andere effizient konstruierte Maschinen werden Hühner, Schweine und Rinder geboren, gefüttert, getötet und zur täglichen Nahrung für Millionen von Menschen verarbeitet. Wobei die industrielle Produktion unserer pflanzlichen Nahrung, also die Erzeugung etwa von Tomaten, Gurken, Spargel oder Sonnenblumenkernen der der tierischen durchaus entspricht. Samt skurrilem Olivenbaum-Schüttler. Freilich kann uns der Salat nicht so anschauen wie die auf der Ladefläche eines LKW zusammengepferchten Schweine auf ihrer letzten Fahrt.
„Unser täglich Brot“, der Titel zitiert das christliche Vaterunser-Gebet aus dem 6. Kapitel Matthäus, zeigt in langen, kommentarlosen, aber deshalb keineswegs stummen Einstellungen diesen schier unglaublichen fabrikmäßigen Herstellungsprozess, der so gar nichts gemein hat mit den Werbebotschaften von natürlicher Nahrung aus gesunder Umwelt. Von der Gemüse- zur Geflügel-Erntemaschine: Wer diese Bilder von sterilen Räumen, zunächst nur skurril anmutenden Maschinen, von inhumaner funktioneller Architektur und bewusst zerstörter Landschaft, in die nur Aufnahmen von schweigend ihr Pausenbrot verzehrenden Arbeiterinnen aus dieser Lebensmittelindustrie geschnitten sind, gesehen hat, wird ein anderes Verhältnis zu unserer angeblichen Zivilisation entwickeln.
Und, so auch die Hoffnung Nikolaus Geyrhalters, neu über unsere Lebens- und Essgewohnheiten nachdenken. Der Regisseur und Produzent in Personalunion stellt mit „Unser täglich Brot“ die Seinsfrage: Wo steht der Mensch in einer Welt, die er zu beherrschen verlernt hat, die ihn beherrscht und sich in ganz elementaren Dingen verselbständigt hat?
Pitt Herrmann