Unser täglich Brot

Österreich Deutschland 2003-2005 Dokumentarfilm

Inhalt

Ein scheinbar sachlich-kühler, kommentarloser Blick in die Welt der industriellen Lebensmittelproduktion. Er gewährt Einsichten in europäische Fabriken und hoch technisierte Landwirtschaftsbetriebe: Küken auf Fließbändern, Schweine dicht gedrängt vor der Schlachtung, künstlich zum Verblühen gebrachte Sonnenblumenfelder. Landschaften werden "optimiert", Pflanzen und Tiere wie andere Waren auch behandelt, als Vorstufe zum perfekten Produkt. Das reibungslose Funktionieren dieser Abläufe wird als skandalöses Fundament menschlichen Lebensstandards sichtbar.

 

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Heinz17herne
Heinz17herne
Im Schlachthof. Schweinehälften, glatt zerteilt. Und dazwischen ein vermummter Mann, der reichlich Wasser auf die Fliesen spritzt. Eine kalte, unwirtliche Szene. Der in den folgenden gut neunzig Minuten noch zahlreiche gleichartige folgen werden. In der Obstplantage, in der Legebatterie, in der Rinder-Besamungsstation. Selbst bei der Kaiserschnitt-Geburt eines Kälbchens: Szenen wie aus einem Science-Fiction-Film.

Woher kommt unsere Nahrung? Dieser Frage geht der österreichische Dokumentarfilmer Nikolaus Geyrhalter („Pripyat“, „Elsewhere“) in seinem u.a. auf den Festivals von Amsterdam, Paris, Montreal, Athen und Toronto preisgekrönten Film „Unser täglich Brot“ nach, den er selbst als „ein nicht immer leicht verdauliches Bilder-Mahl in Breitwandformat“ (auf 35-Millimeter-Material gedreht) charakterisiert.

Am Fließband und durch andere effizient konstruierte Maschinen werden Hühner, Schweine und Rinder geboren, gefüttert, getötet und zur täglichen Nahrung für Millionen von Menschen verarbeitet. Wobei die industrielle Produktion unserer pflanzlichen Nahrung, also die Erzeugung etwa von Tomaten, Gurken, Spargel oder Sonnenblumenkernen der der tierischen durchaus entspricht. Samt skurrilem Olivenbaum-Schüttler. Freilich kann uns der Salat nicht so anschauen wie die auf der Ladefläche eines LKW zusammengepferchten Schweine auf ihrer letzten Fahrt.

„Unser täglich Brot“, der Titel zitiert das christliche Vaterunser-Gebet aus dem 6. Kapitel Matthäus, zeigt in langen, kommentarlosen, aber deshalb keineswegs stummen Einstellungen diesen schier unglaublichen fabrikmäßigen Herstellungsprozess, der so gar nichts gemein hat mit den Werbebotschaften von natürlicher Nahrung aus gesunder Umwelt. Von der Gemüse- zur Geflügel-Erntemaschine: Wer diese Bilder von sterilen Räumen, zunächst nur skurril anmutenden Maschinen, von inhumaner funktioneller Architektur und bewusst zerstörter Landschaft, in die nur Aufnahmen von schweigend ihr Pausenbrot verzehrenden Arbeiterinnen aus dieser Lebensmittelindustrie geschnitten sind, gesehen hat, wird ein anderes Verhältnis zu unserer angeblichen Zivilisation entwickeln.

Und, so auch die Hoffnung Nikolaus Geyrhalters, neu über unsere Lebens- und Essgewohnheiten nachdenken. Der Regisseur und Produzent in Personalunion stellt mit „Unser täglich Brot“ die Seinsfrage: Wo steht der Mensch in einer Welt, die er zu beherrschen verlernt hat, die ihn beherrscht und sich in ganz elementaren Dingen verselbständigt hat?

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Dreharbeiten

    • Oktober 2003 - Oktober 2005: Europa
Länge:
95 min
Format:
HD Cam - überspielt auf 35mm, 1:1.85
Bild/Ton:
Farbe, Dolby Digital
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung: 08.02.2006, 18879 VV [DVD];
FSK-Prüfung: 03.11.2006, 108050, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung: 11.11.2005, Amsterdam, IDFA;
Erstaufführung (DE): 02.06.2006, Ludwigshafen, Festival des deutschen Films;
Kinostart (DE): 18.01.2007;
TV-Erstsendung (DE): 04.11.2007, 3sat

Titel

  • Originaltitel (AT DE) Unser täglich Brot

Fassungen

Original

Länge:
95 min
Format:
HD Cam - überspielt auf 35mm, 1:1.85
Bild/Ton:
Farbe, Dolby Digital
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung: 08.02.2006, 18879 VV [DVD];
FSK-Prüfung: 03.11.2006, 108050, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung: 11.11.2005, Amsterdam, IDFA;
Erstaufführung (DE): 02.06.2006, Ludwigshafen, Festival des deutschen Films;
Kinostart (DE): 18.01.2007;
TV-Erstsendung (DE): 04.11.2007, 3sat

Auszeichnungen

2008
  • Adolf-Grimme-Preis
IDFA Amsterdam 2005
  • Spezialpreis der Jury