Stiller

Deutschland Schweiz 2023-2025 Spielfilm

Inhalt

In der Schweiz wird ein Amerikaner namens James White überraschend festgenommen, da die Behörden ihn für den verschwundenen Künstler Anatol Stiller halten. Trotz seiner wiederholten Beteuerungen, er sei tatsächlich James White, bleiben Zweifel an seiner Identität. Im Verlauf der Ermittlungen entsteht eine besondere Beziehung zwischen James und Julika, der Ehefrau von Stiller. Doch mit jedem Moment ihrer Nähe wächst die Unsicherheit: Wer ist James White wirklich, und welche Verbindung hat er zu dem verschwundenen Bildhauer? Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Max Frisch.

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Heinz17herne
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„Ich bin nicht Stiller!“: Bei der Einreise in die Schweiz wird der US-Amerikaner James Larkin White aus dem Zug heraus festgenommen. Der Vorwurf: Er sei der vor sieben Jahren verschwundene Bildhauer Anatol Stiller, der wegen seiner Verwicklung in eine dubiose politische Affäre gesucht wird. Stiller soll mit einem Agenten namens Smyrnow in Zürich eine Kommunistische Spionage-Zelle aufgebaut haben. White bestreitet nicht nur die Vorwürfe, er beharrt auch darauf, nicht der gesuchte Stiller zu sein.

Weshalb der Staatsanwalt Rolf Rehberg Stillers Gattin Julika Stiller-Tschudy, die ehemalige Prima Ballerina betreibt nun eine Ballettschule, bittet, zwecks Identifizierung nach Zürich zu kommen. Wo White sich unangenehmen Fragen des offenbar voreingenommenen Untersuchungsrichters kaum erwehren kann und daher damit beginnt, Tagebuch zu schreiben – auch zur Selbstvergewisserung. Sein einziger Lichtblick ist das schon rührende Interesse seines Gefängniswärters Knobel (Marius Ahrendt), das er sich mit immer phantastischeren Geschichten aus Mexiko und den USA, in denen er sich mehrfach als Mörder outet, erhält.

„Hier in der Schweiz hat sich noch immer alles aufgeklärt“ beruhigt Whites Pflichtverteidiger Dr. Bohnenblust seinen Mandanten, den er mit einem Lokaltermin im noch existenten Künstleratelier zu einem Geständnis überreden will. Dabei kann Julika Stiller, die mehr als zehn Jahre alte Schwarzweiß-Fotos ihres Mannes mitgebracht hat, nach der ersten, starke Emotionen auslösenden Begegnung („Hör auf mit diesem Spiel!“) nicht mehr mit Gewissheit sagen, ob es sich bei dem Gefangenen um ihren Mann handelt. Zumal sie sich immer stärker an alte Zeiten erinnert, an ihren Besuch in seinem Atelier und nicht zuletzt an ihre erste Begegnung mit dem aus dem Spanischen Bürgerkrieg zurückgekehrten Stiller im Lungensanatorium.

„Wie soll man denn beweisen, dass man nicht ist?“ fragt White den Richter, der dem Wunsch Julikas entspricht, sich außerhalb des Justizapparates mit White zu treffen, um diesen näher kennen zu lernen und vielleicht doch noch als ihren Gatten identifizieren zu können. Denn von einer Narbe im Ohr bis hin zu Whites gesunden Zähnen (Stiller hatte nach einem Unfall Stiftzähne) bestehen nach wie vor Zweifel. Die vielleicht der im Hause Rehberg lebende Sturzenegger beseitigen könnte oder sogar die Gattin des Staatsanwalts: Während Julika im Sanatorium um ihr Leben kämpfte, leistete sich das selbstüberhebliche Künstlergenie nach einem Faschingsball eine heftige Affäre mit der frisch verheirateten Sibylle, die sich dann aber gegen das daraus entstandene Kind entschied.

Am Ende ist die Smyrnow-Affäre vom Tisch – und mit der Zahngeschichte, einer simplen Verwechslung der Röntgenbilder, bleibt keine Frage mehr offen: White ist Stiller, und der zerstört analog zum Roman aus Wut über dieses unfreiwillige Outing alle seine Skulpturen. „Wir verzweifeln daran, wir selbst sein zu wollen“, resümiert Rolf Rehberg, „oder wir verzweifeln daran, nicht wir selbst sein zu wollen.“

Der Schweizer Regisseur Stefan Haupt hat den 1954 erschienenen, mehrfach preisgekrönten Roman „Stiller“ seines Landsmannes Max Frisch, der für den Architekten den Durchbruch als Romanschriftsteller bedeutete, „vor dem Hintergrund des heute breit diskutierten Genderthemas“ erzählt als die Geschichte eines Mannes, so Haupt im Studiocanal-Presseheft, „der sein eigenes Bild von Männlichkeit hinterfragen muss und auf radikale Weise nach einem neuen sucht. In unserer filmischen Adaption geht es nicht nur um die Männer, auch die Frauenfiguren werden gestärkt und ihre Geschichten gleichermaßen hervorgehoben.“

Haupts Spielfilm ist vor allem für Kenner der Vorlage inszeniert. Alle anderen werden Probleme mit der permanenten Vermischung der Zeitebenen von Gegenwart, Rückblenden auf die heute wohl toxisch zu nennende Nicht-Ehe eines egozentrischen wie auf seine erfolgreiche Gattin eifersüchtigen Künstlers sowie die hochstaplerisch-abenteuerlichen Geschichten für den Gefängniswärter Knobel haben. Da ist es geradezu ein Segen, dass die für Frisch seinerzeit bedeutsame kritische Auseinandersetzung mit seinem Heimatland ebenso dem Rotstift zum Opfer gefallen ist wie das 50-seitige „Nachwort des Staatsanwalts“.

Pitt Herrmann

Credits

Regie

Musik

Darsteller

Alle Credits

Regie

Standfotos

Art Director

Ausstattung

Geräusche

Musik

Darsteller

in Co-Produktion mit

Produktionsleitung

Produktions-Assistenz

Produktions-Koordination

Dreharbeiten

    • November 2023 - Dezember 2023: Davos, Zürich, München
Länge:
99 min
Format:
DCP
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 15.04.2025, 265778, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 01.07.2025, München, Filmfest - CineCoPro;
Kinostart (DE): 30.10.2025

Titel

  • Weiterer Titel (DE) Ich bin nicht Stiller!
  • Originaltitel (DE) Stiller

Fassungen

Original

Länge:
99 min
Format:
DCP
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 15.04.2025, 265778, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 01.07.2025, München, Filmfest - CineCoPro;
Kinostart (DE): 30.10.2025