Reisebekanntschaft

Deutschland 1943 Spielfilm

Filme der NS-Zeit sind im Kontext der staatlich beeinflussten Produktion und Rezeption zu sehen. Mehr erfahren »

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Falk Schwarz
Moser und die Angst vor dem Scheitern
Hans Moser und E.W. Emo in ihrem Element! Ein Lustspiel um jene 10.000 Mark, die Fridolin Specht (Hans Moser) im Lotto gewonnen hat. Die treuherzige Elli (Elfriede Datzig) soll sie ihm in einem Koffer überbringen. Jetzt ahnt der lustspielerfahrene Zuschauer bereits, worauf das Ganze hinausläuft: Der Koffer mit dem Geld wird vertauscht. Der nette und zudringliche Walter (Wolf Albach-Retty) hat ihn mitgenommen, ohne es zu ahnen. Eine einfache Verwechslung. Aber der Specht will sich als Meisterdetektiv beweisen und die Täter fangen und verfängt sich dabei selber in seinen ausgelegten Stricken. - Moser liefert ein Solostück ab. Alleine, wie er am Stammtisch seine falschen Bärte vorzeigt, um allen zu beweisen, dass er jeden Kriminellen unerkannt verfolgen kann. Dass er nur Gelächter erntet, stört ihn nicht. Spott erreicht ihn nicht. Moser schaut ja nicht genau hin. Er ist so mit sich selbst beschäftigt, dass die Realität an ihm abprallt. Je verletzter er ist, desto schneller spricht er. Er hält nicht inne und merkt garnicht, dass er sich lächerlich macht. Ruhe noch Nachdenklichkeit sind ihm fremd. Sie würden ja verunsichern. Moser ist verbohrt und einseitig und so meistert er seine Angst. Er macht sich zum Michael Kohlhaas des Alltäglichen. Was man zunächst noch mit einem Schmunzeln hinnimmt, wird im Laufe der allzu abstrusen Verwicklungen zum Befremden. Es fehlt jegliches Maß. Moser wird immer weniger komisch und nähert sich der Peinlichkeit. Dabei ist die Handlung so dünn wie die Tür zwischen Walter und Elli - die zu öffnen allerdings den Film vorzeitig beendet hätte. Die ganzen Verwicklungen sind so vordergründig, dass Fragen aufkommen: hat der Regisseur nicht mehr gesehen, was er da anrichten liess? Denn Emo konnte auch anders. Er liess Moser auch sehr ruhig und menschlich anrührend spielen. Vielleicht waren es auch die äußeren Umstände, die aus dem Dreh nicht herauszuhalten waren: der Krieg, die Bombenalarme, die Nervosität aller Beteiligten, das ungewohnte Prager Atelier. Bleibt als Positivum die viel zu früh verstorbene Elfriede Datzig, die mit ihrer betörenden Jugend, ihrem unverbrauchten Charme und einem zu Herzen gehenden Lächeln ihre Nebenrolle meistert. Eine Augenweide!

Credits

Regie

Drehbuch

Darsteller

Produktionsfirma

Alle Credits

Regie

Drehbuch

Vorlage

Kamera-Assistenz

Darsteller

Produktionsfirma

Prüfung/Zensur:

Zensur (DE): 14.04.1943

Aufführung:

Uraufführung (DE): 07.10.1943

Titel

  • Originaltitel (DE) Reisebekanntschaft

Fassungen

Original

Prüfung/Zensur:

Zensur (DE): 14.04.1943

Aufführung:

Uraufführung (DE): 07.10.1943