Lügen über meine Mutter

Deutschland 2025/2026 Spielfilm

Inhalt

Westdeutsche Provinz, 1980er Jahre. In der Familie von Cornelia dreht sich alles um ein Thema: ihr Körpergewicht. Ehemann Werner ist überzeugt, dass die vermeintliche Fülle seiner Frau schuld an allem ist, was ihm im Leben versagt bleibt, sei es der soziale Aufstieg oder die Anerkennung in ihrer Dorfgemeinschaft. Cornelia soll abnehmen, muss abnehmen, und wird Tag für Tag von ihm daran erinnert. Tochter Ela beobachtet das Streiten ihrer Eltern aus nächster Nähe und gerät zwischen die Fronten, während der Vater sie zunehmend auf seine Sicht der Dinge einschwört: die Mutter als eigentliches Problem der Familie. Doch je genauer Ela hinschaut, desto brüchiger wird dieses Bild, und es stellt sich immer mehr die Frage, wer hier eigentlich wen täuscht und was an diesem Familienbild wirklich der Wahrheit entspricht. 

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Heinz17herne
Heinz17herne
Bella Italia in den 1980er Jahren. Mit ihrer siebenjährigen Tochter Ela, die kurz vor der Einschulung steht, machen Werner und Cornelia Strandurlaub im sonnigen Süden. Das etwas altklug daherkommende Kind bekommt naturgemäß mit, dass etwas mit ihren Eltern nicht stimmt, etwa dass sich ihre Mutter heimlich eine große Eisportion leisten muss, da Gatte Werner ständig an ihrer Figur herummäkelt und sie daheim in der westdeutschen Provinz täglich auf die Waage zwingt.

„Familie hält immer zusammen, egal was kommt“ steht als Küchenweisheit im Haus ihrer Schwiegermutter Martha, in das sie nach der Hochzeit eingezogen sind. Was Cornelia zusätzlich unter Druck setzt. So fällt ihre persönliche Bilanz verheerend aus: Hat sie doch die Bedürfnisse des Gatten nach einer „vorzeigbaren Frau“ ebenso unterschätzt wie die Eifersucht und den Neid der Schwiegermutter, von der „Schwerkraft des Dorfes“ ganz zu schweigen. Worunter Cornelia die tradierten Ansichten der kleinbürgerlichen Nachbarn versteht. Die freilich auch ihren konservativen Eltern Adam und Ella nicht fremd sind, die von Anfang an gegen die Ehe mit Werner waren.

Weil dieser beruflich nicht vorankommt, will Cornelia wieder arbeiten gehen, was voraussetzt, dass sich Oma Martha um Ela kümmert, wenn sie aus der Schule kommt. Doch die lehnt kategorisch ab: „Ein Kind braucht seine Mutter“. Erich Engel, Geschäftsführer eines Fertigungsbetriebes, würde Cornelia gerne als Chefsekretärin einstellen, aber dann ist sie ungewollt schwanger und entscheidet sich trotz angebotener Hilfe von Tante Lu gegen eine Abtreibung.

„Familie heißt, Teil von etwas Wunderbarem zu sein“ ist eine weitere, diesmal gestickte Küchenweisheit, die Cornelia täglich vor Augen hat. „Oma Martha“, die ihren Sohn einen „Schlappschwanz“ schimpft, verklagt ihre Schwiegertochter auf 10.000 Mark Schadenersatz für Möbel, die in einer Scheune gestanden haben. Martha überließ sie Cornelia zur Entsorgung, die, nun wieder ans Haus gebunden, alle alten Schätze restauriert und gewinnbringend verkauft hat.

Werner schweigt dazu, reist beruflich nach China und lässt seine Gattin mit zwei Kindern und zwei Großmüttern allein: Nachdem Opa Adam gestürzt und wenig später in der Klinik gestorben ist, muss sich Cornelia nun auch um ihre zunehmend demente Mutter Ella kümmern. Dass von der nicht unerheblichen Erbschaft ein Haus mit Pool und, naturgemäß nur für den Gatten, ein neuer Mercedes gekauft werden kann, kittet die Familie nur äußerlich. Zumal der ganze Stress bei Cornelia „Weichteilrheuma“ auslöst, Fibromyalgiesyndrom lautet die ärztliche Diagnose.

Dennoch setzt sie beim Dorffest, auf dem Werner ganz offen mit Manuela flirtet, ein Statement, indem sie dort im Strand-Outfit auftaucht und ihrem Arschloch von Gatten zeigt, dass sie sich nicht länger zum Affen machen lassen will. Nicht nur aus Sicht von Tante Lu eine längst überfällige Aktion, die im Auswechseln der Schlösser im Haus gipfelt: Soll der Hanswurst doch mit seiner erheblich jüngeren Tennispartnerin glücklich werden. Das Schlussbild zeigt vier Frauen allein am italienischen Adriastrand…

Daniela Dröscher hat 2022 bei Kiepenheuer & Witsch den autofiktionalen Roman „Lügen über meine Mutter“ über ihre Kindheit im Hunsrück in den 1980er Jahren herausgebracht, der sogleich zum Bestseller geworden ist. Rosalie Thomass und Aron Lehmann haben die 448 Seiten zu einem gut einhundertminütigen Spielfilm kondensiert, der einerseits erheblich an die Nieren geht und man(n) sich ständig fragt, wie eine solch fürchterliche Geschichte überhaupt möglich sein kann. Die sich ja heute mit dem Selbstoptimierungswahn selbst ganz junger Mädchen und Frauen fortsetzt.

Andererseits gelingt Aron Lehmann die Brechung schier unerträglicher Situationen, indem er sie aus der Sicht des Kindes betrachtet und von Ela auch kommentieren lässt. Zudem sprechen alle Protagonisten immer wieder auch direkt in die Kamera des gebürtigen Bukarester Cristian Pirjol, was die Wucht des Dargestellten mindert. So ist „Lügen über meine Mutter“ zwar noch keine (Tragi-) Komödie, aber auch kein dröger Befindlichkeitsstreifen. Was vor allem an der Drehbuchautorin und Hauptdarstellerin Rosalie Thomass liegt: Ist diese schöne, so eigenwillige wie einnehmende Frau zu dick? Muss sie dringend abnehmen?

Aron Lehmann im Tobis-Presseheft: „Meine Aufgabe war, sicherzustellen, dass unsere Geschichte nie hoffnungslos wird. Dass auch das Leuchten da ist. Die Kraft. Die Perspektive. Auch wenn diese immer wieder vom Mann und dem patriarchalen System dahinter verbaut, verboten und verhindert wird. Und damit kam die Scham zurück. Bei der Arbeit an ‚Lügen über meine Mutter‘ bin ich auf etwas gestoßen, das ich erst nicht wahrhaben wollte: auch ich bin Teil dieses Systems.“

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Regie

Drehbuch

Kamera-Assistenz

Steadicam

Farbkorrektur

Standfotos

Szenenbild

Schnitt-Assistenz

Ton-Design

Mischung

Darsteller

Executive Producer

Producer

Herstellungsleitung

Produktionsleitung

Aufnahmeleitung

Produktions-Koordination

Dreharbeiten

    • 17.03.2025 - 01.04.2025: München
    • 03.04.2025 - 29.04.2025: Nordrhein Westfalen, Rheinland-Pfalz, Adria (nähe Pisa)
Länge:
106 min
Format:
DCP, 1:2,39 (CinemaScope)
Bild/Ton:
Farbe, 7.1 Digital
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 27.01.2026, 275342, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 26.09.2026, Hamburg, Filmfest - Große Freiheit;
Kinostart (DE): 08.10.2026

Titel

  • Originaltitel (DE) Lügen über meine Mutter

Fassungen

Original

Länge:
106 min
Format:
DCP, 1:2,39 (CinemaScope)
Bild/Ton:
Farbe, 7.1 Digital
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 27.01.2026, 275342, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 26.09.2026, Hamburg, Filmfest - Große Freiheit;
Kinostart (DE): 08.10.2026