Lina Braake oder Die Interessen der Bank können nicht die Interessen sein, die Lina Braake hat

BR Deutschland 1974/1975 Spielfilm

Inhalt

Als der Besitzer des Hauses, in dem Lina Braake wohnt, stirbt, fällt das Haus der Bank zu. Im Zuge der Totalsanierung des Gebäudes wird die 81-jährige aus ihrer Wohnung geworfen und in einen Altersheim abgeschoben. Dort lernt sie den 84-jährigen Gustaf kennen. Gemeinsam schmiedet das rüstige Rentner-Paar einen Plan, um Rache an der Bank zu nehmen: Mit einem gewitzten Kreditbetrug wollen sie sich ein Landhaus auf Sardinien kaufen und zusammen "aussteigen". Der Coup gelingt – aber es dauert nicht lange, bis die Bank Lina ausfindig macht. Auf Grund ihres hohen Alters kann sie jedoch nicht verurteilt werden.

 

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Falk Schwarz
Zwei gegen die Bank
Wo ist sie hin, die Begeisterung von 1975, als im Nachklang der 68er Revolution plötzlich dieser Film auftauchte, in dem eine Greisin (Lina Carstens) sich nicht damit abfinden will, dass die Bank ihr das Zuhause genommen hat und nun mit Hilfe eines Altenheimbewohners (Fritz Rasp) die Bank wiederum hereinlegt? Gejubelt wurde über diesen Streich zweier Alter, die das große Geld vorführen. Protest gegen die "da oben" nicht nur mit Worten, sondern mit Taten. Es wirkte wie ein Aufbruch. Aber heute? Der Film ist ausgeblichen, vor allem weil Regisseur Bernhard Sinkel die Geschichte dieser beiden Alten eins zu eins erzählt - der Handlungsfaden ist durchgängig, wir sehen die arme alte Lina Carstens da in dem Altenheim auf und ab wandern, unfähig Kontakt aufzunehmen, bis sie schließlich in dem Arbeiter Jawlonski (Benno Hoffmann) einen Mitstreiter findet gegen die repressive Herrschaft des fies selbstgefälligen Altenheimleiters (Herbert Bötticher). Da ist zu wenig Zwischenraum zwischen den Szenen, da wird zu wenig reflektiert. Die Kamera schaut nur zu, entwickelt keine Eigendynamik. Bis auf die Szenen in Sardinien, wo die Kamera die Landschaft und das Treiben mit den Augen der Lina sieht und uns zurück spiegelt, wie fremd dieser Teil der Welt für Lina ist. Man sieht‘s wie aus einer anderen Zeit. Die Welt ist heute eine andere, eine sehr viel brutalere. Heute wissen wir auch, dass fast genau zwei Jahre nach der Premiere dieses Films Mitglieder der RAF den Bankier Jürgen Ponto erschossen. So war der Protest von Lina Braake nicht gemeint und da wurde er von der brutalen Wirklichkeit eingeholt. - Es bleibt die Lebensleistung von Lina Carstens, die in vielen Filmen immer wieder Nebenrollen gestaltete und hier eine wahrhaft verdiente Hauptrolle spielen durfte. Und Fritz Rasp, den alle aus der 1930er Verfilmung von „Emil und die Detektive“ kennen und der sein Leben lang immer wieder Böse spielen sollte, hier nun zu einem liebenswürdig verschlagenen Greis wird. Damals chapeau, heute eher Augenzwinkern.

Credits

Alle Credits

Dreharbeiten

    • 12.09.1974 - 31.10.1974: München - Starnberger See
Länge:
2407 m, 88 min
Format:
35mm
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 17.04.1975, 47319, ab 6 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 30.06.1975, Berlin, IFF - Forum des jungen Films;
Kinostart (DE): 11.07.1975

Titel

  • Originaltitel (DE) Lina Braake oder Die Interessen der Bank können nicht die Interessen sein, die Lina Braake hat
  • sonstiger Titel Lina Braake

Fassungen

Original

Länge:
2407 m, 88 min
Format:
35mm
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 17.04.1975, 47319, ab 6 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 30.06.1975, Berlin, IFF - Forum des jungen Films;
Kinostart (DE): 11.07.1975

Auszeichnungen

Deutscher Filmpreis 1975
  • Filmband in Silber, Bester programmfüllender Spielfilm - Herstellung
  • Filmband in Gold, Darstellerin