Im Schatten des Orangenbaums

Deutschland Palästina Jordanien Zypern Griechenland Katar Saudi-Arabien Vereinigte Arabische Emirate USA Kuweit Ägypten 2023-2025 Spielfilm

Inhalt

Als der junge Noor 1988 bei einer Demonstration im Westjordanland schwer verletzt wird, beginnt seine Mutter Hanan, die Geschichte ihrer Familie zu erzählen. Sie führt zurück ins Jahr 1948, als Noors Großvater Sharif sich weigert, Jaffa zu verlassen, um sein Haus und den Orangenhain zu bewahren. Doch Krieg und Vertreibung reißen die Familie auseinander. Sharifs Sohn Salim wächst fern der Heimat auf, geprägt von einer Vergangenheit, die er nicht selbst erlebt hat. Jahrzehnte später wiederholt sich die Geschichte: Noor protestiert gegen israelische Soldaten, und erneut steht die Familie vor einer Zerreißprobe. Inmitten von Schmerz und Verlust treffen Hanan und Salim eine Entscheidung, die über ihre persönliche Geschichte hinausweist und ein Zeichen der Menschlichkeit setzt.

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Heinz17herne
Heinz17herne
1988 im von Israel besetzten Westjordanland: Die beiden Jungen Malik und Noor sind Freunde, die gerne herumtollen. Als sie mehr aus Neugier als aus Überzeugung in eine Demonstration geraten und Noor schwer verletzt wird, spricht seine Mutter Hanan direkt in die Kamera Christopher Aouns, um die die bewegende Geschichte ihrer Familie zu erzählen. Sie beginnt im Jahr 1948 in Jaffa, heute ein Vorort der ehemaligen israelischen Hauptstadt Tel Aviv.

Damals stand Palästina unter britischer Militärherrschaft. Noors Großvater Sharif sollte mit seiner Familie sein Haus und damit seinen Orangenhain verlassen, in dem er gerade seinen kleinen Sohn Salim herumgeführt hat, der einmal in seine Fußstapfen treten soll. In der Nacht gibt es Bombenalarm, einige Einschläge treffen auch die Plantage: Die „Europäer“, wie die Einwohner die zionistischen Usurpatoren nennen, wollen sich Palästina mit Gewalt einverleiben. Ihre Armee ist den Palästinensern, die zunehmend aus ihrem Land flüchten, überlegen.

Auch Hanan, die auf regelmäßige Insulin-Spritzen angewiesen ist, schließt sich mit Salim einem langen Flüchtlingstreck an, während ihr Gatte Sharif und die wenigen Zurückgebliebenen mit den Briten verhandeln. Doch als die ihr Palästina-Mandat zugunsten der Neugründung des Staates Israel zurückgeben, machen die neuen Herrscher kurzen Prozess: Sharif kommt in ein Arbeitslager, sein Orangenhain wird vom Staat einkassiert und jüdische Siedler ziehen in die mit Gewalt leergezogenen Häuser und Wohnungen. Erst nach Jahren kommt Sharif frei – ein körperliches und seelisches Wrack.

1978 in einem palästinensischen Flüchtlingslager im Westjordanland. Tante Layla heiratet einen Mann, der im Ausland arbeitet und sie daher aus ihrer menschenunwürdigen Situation befreit. Beide leben nun im kanadischen Toronto. Noor ist derweil im „Exil“ beim Großvater Sharif und seinen Eltern aufgewachsen. Als er mit seinem Vater Salim zu spät von einem Einkauf in der Apotheke zurückkehrt, sodass die Ausgangssperre bereits greift, geraten beide in eine Militärkontrolle und Noor muss mitansehen, wie sein Vater von jungen israelischen Soldaten gedemütigt wird.

Zehn Jahre später. Noor, der auf besagter Demonstration angeschossen wird, muss in eine Klinik nach Haifa verlegt werden. Doch die israelische Bürokratie, die sich Zivilverwaltung nennt, zögert den genehmigungspflichtigen Transport so lange hinaus, bis der Gehirntod eintritt. Noor wird künstlich beatmet, weil er sich als Organspender eignet. Werden sich seine Eltern, die sich Rat in der Moschee holen, dafür entscheiden? Vater Salim, ein friedliebender Schullehrer, stimmt letztlich seiner Frau zu: „Menschlichkeit ist eine Form des Widerstands.“ Sechs Menschen überleben aufgrund der Organspenden, darunter auch Ari, Sohn einer jüdischen Familie, in dem nun das Herz eines Palästinensers schlägt.

Tel Aviv/Jaffa 2022. Hanan spricht mit dem inzwischen erwachsenen Ari, das Unverständnis und damit die Unversöhnlichkeit zwischen Israelis und Palästinensern bleiben bestehen. Die beiden Alten können wenigstens noch einmal einen melancholischen Blick auf „ihren“ Orangenhain werfen…

Inspiriert von der Geschichte ihrer eigenen Familie ist der 1976 in Omaha/Nebraska geborenen palästinensisch-amerikanischen Autorin und Regisseurin Cherien Dabis, die selbst in die Rolle der Erzählerin Hanan schlüpft, mit „Im Schatten des Orangenbaums“ ein melodramatischer, laut Vorspann „auf historischen Ereignissen“ basierender Spielfilm gelungen, der berührt, ja, den man stellenweise geradezu ertragen muss. Und das unbedingt sollte – als naturgemäß einseitige Gegendarstellung zu der hierzulande dominierenden israelischen Sichtweise.

Cherien Dabis im X Verleih-Presseheft: „Gleich bei meiner ersten Reise nach Palästina, als ich acht Jahre alt war, wurden wir 12 Stunden lang an der Grenze festgehalten. Selbst meine kleinen Schwestern, die ein und drei Jahre alt waren, wurden Leibesvisitationen unterzogen. Die Soldaten schrien ihn an und hielten ihn zurück. Ich hatte große Angst, dass sie meinen Vater töten würden. Nicht jede Geschichte im Film ist eine aus meiner Familie, aber alle sind doch fest im kollektiven Gedächtnis der palästinensischen Community verankert. Dieser Community und ihren Erfahrungen wollte ich meinen Respekt erweisen; mir war es wichtig, dass diese Menschen sich und ihre Geschichten in meinem Film wiedererkennen.“

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Drehbuch

Kameraführung

Kamera-Assistenz

Steadicam

Farbkorrektur

Titelgrafik

Kamera-Bühne

Szenenbild

Bau-Ausführung

Schnitt

Mischung

Produktionsleitung

Erstverleih

Länge:
145 min
Format:
DCP, 1:2,39 (CinemaScope)
Bild/Ton:
Farbe, 5.1
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 25.08.2025, 272413, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (US): 25.01.2025, Salt Lake City / Park City, Sundance Film Festival;
Erstaufführung (DE): 30.09.2025, Hamburg, Filmfest - Kaleidoscope;
Kinostart (DE): 20.11.2025

Titel

  • Originaltitel (DE) Im Schatten des Orangenbaums
  • Weiterer Titel اللي باقي منك
  • Weiterer Titel (eng) All That's Left of You
  • Untertitel (DE) Das Porträt einer Familie

Fassungen

Original

Länge:
145 min
Format:
DCP, 1:2,39 (CinemaScope)
Bild/Ton:
Farbe, 5.1
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 25.08.2025, 272413, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (US): 25.01.2025, Salt Lake City / Park City, Sundance Film Festival;
Erstaufführung (DE): 30.09.2025, Hamburg, Filmfest - Kaleidoscope;
Kinostart (DE): 20.11.2025