Krambambuli

Österreich Deutschland 1997/1998 TV-Spielfilm

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Heinz17herne
Heinz17herne
Ein kleiner Ort im Reich der Habsburger Doppelmonarchie um 1900. Der alte Oberjäger hat die Kinder der Wäscherin Marta (Nina Franzosek) in den Ästen der Apfelbäume entdeckt, wo sie tüchtig für Fallobst sorgen, welches von den Armen aufgelesen und verzehrt werden darf. Als es einmal wieder eine heftige Tracht Prügel mit dem Stock setzt, wird es nicht nur Martha zuviel, sondern auch dem Wilderer Pachler, der mit Martha verbandelt und Vater der ebenfalls verbläuten Annerl ist: Er hetzt seinen prächtigen Jagdhund Krambambuli auf seinen hochbetagten Widersacher und erschießt diesen kurzerhand.

„Diesmal bleiben wir“: Als der neue Oberförster Georg Walch mit seiner schönen Gattin Johanna im Ort unter der gräflichen Burg Einzug hält, dringt die lebensfrohe Wirtshaustochter darauf, endlich Wurzeln zu schlagen. Sie ist das Herumziehen gründlich leid, mehr als ein halbes Dutzend neue Stellen hat ihr Gatte in den letzten Jahren angetreten. Nun scheinen die Zeichen günstiger zu stehen, denn dem alten Oberjäger weint niemand eine Träne nach. Selbst die Herrschaft, der Herr Graf, der nur während des Sommers für sechs Wochen seinen Landsitz bewohnt zusammen mit seiner sich so vornehm gerierenden Gattin, räumt ein, dass Georgs Vorgänger „ein brutaler Mensch“ und „nicht sehr beliebt“ war.

Für zwölf Flaschen Schnaps und zehn Kronen bar auf die Hand gelingt es Georg Walch, der bei seinem verstorbenen Vorgänger einst gelernt und sozusagen auf seine Empfehlung hin hier eingestellt worden ist, zudem, dem betrunkenen Pachler seinen kostbaren Jagdhund Krambambuli abzukaufen. Was er zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Pachler ist als „der Gelbe“ der gefürchtetste Wilderer im gräflichen Revier und damit sein natürlicher Feind. Krambambuli, ein absolut reinrassiger Jagdhund und zudem der schönste, den Georg Walch je gesehen hat, bedeutet für den neuen Oberförster eine Herausforderung: Wie von Pachler vorausgesagt zeigt sich der Vierbeiner seinem bisherigen Herrn treu ergeben, verweigert dem neuen jeden Befehl und generell jede Nahrungsaufnahme. Selbst harte Bestrafungen und das Tragen eines Nagelhalsbandes scheinen nichts zu nutzen.

Doch Georg Walch richtet Krambambuli in etwa so ab, wie man einen edlen Hengst zureitet – mit Zuckerbrot und Peitsche. Und vor allem mit einer Engelsgeduld. Welche seine sich rasch vernachlässigt fühlende Gattin Johanna so eifersüchtig macht, dass sie allein durchs Revier streift, sich im Gasthof sehen lässt – und so leichte Beute für Pachler wird. Dem hier alle Röcke nachsteigen, auch die junge Christine, die als Haushaltshilfe bei den Walchs ein verlässlicher Augen- und Ohrenzeuge für den Wilderer ist.

Der dem neuen Oberförster nicht nur privat Hörner aufsetzt, sondern die besten Stücke Wild quasi vor seiner Nase wegschnappt. Und als kleiner Robin Hood, der von seinem Gewinn nicht nur Martha und ihre Kinder über Wasser hält, sondern auch andere Arme des Sprengels unterstützt, unverwundbar erscheint. Bis es im Forst zum großen Showdown kommt – mit Krambambuli zwischen den Fronten. Für zwei der drei Beteiligten endet der Kampf tödlich...

Der 1999 gleich mit vier Grimme-Preisen ausgezeichnete „neue“ Heimatfilm Xaver Schwarzenbergers überzeugt durch realistische Darstellung und großartige Schauspieler, darunter auch Lola Müthel in der sehr bemerkenswerten Episodenrolle als Pachlers Mutter. Tobias Moretti, der erstmals mit dem Erfolgsregisseur zusammenarbeitete, im ARD-Presseheft: „Die Rolle des Wilderers Pachler ist eine Traumrolle: eine soziale Randfigur, geächtet, aber gradlinig mit großem Engagement für seine Sache, ein sehr direkter Mensch. Felix Mitterer zeichnet die Figuren in ihrem hochdramatischen sozialen Umfeld aufs genaueste und schafft eine Dreier-Konstellation, die durch eine Frau weitere Spannung erhält.“

Während Gabriel Barylli einen Mann verkörpert, der mit gnadenloser Härte gegen sich selbst und andere unter Einschluss der eigenen Familie wie ein Westernheld gegen die Gesetzlosen zu Werke geht im Bewusstsein, mit dieser Aufgabe ganz auf sich allein gestellt zu sein, sie aber auch bewältigen zu können, kämpft Christine Neubauer als Johanna Walch im Bewusstsein ihrer sozialen Herkunft um ihr eigenes Glück. „Mein Mann hat sich mit Leuten ihres Schlages nicht herumzuprügeln“ wirft sie Pachler bei einer Wirtshausschlägerei mit Georg Walch noch an den Kopf, am Ende wird sie alles verloren haben.

„Krambambuli“, 1997 in Bayern, in Tschechien sowie im oberfränkischen Naturpark Steinwald gedreht und am 4. September 1998 in Wien uraufgeführt, ist am 21. Dezember 1998 in der ARD erstausgestrahlt worden. Dafür gabs den österreichischen Filmpreis „Romy“ für Xaver Schwarzenberger und in Marl gleich vier Grimme-Preise Fiktion und Unterhaltung in den Kategorien „Regie/Kamera“ (Xaver Schwarzenberger) und „Beste Darsteller“ (Gabriel Barylli, Tobias Moretti und Christine Neubauer).

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Regie-Assistenz

Script

Drehbuch

Kamera-Assistenz

Licht

Ausstattung

Kostüme

Schnitt-Assistenz

Ton-Assistenz

Mischung

Stunt-Koordination

Sonstiges Sonstiges

Darsteller

Executive Producer

Herstellungsleitung

Produktionsleitung

Aufnahmeleitung

Post-Production

Dreharbeiten

    • 1997: Bayern, Steinwald, Kemnath, Tschechien [Jahresende (?)]
Länge:
92 min
Format:
35mm, 1:1,85
Bild/Ton:
Eastmancolor, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 15.01.1999, 81369, ab 12 Jahre

Aufführung:

Uraufführung (DE): September 1998;
TV-Erstsendung (DE): 21.12.1998, ARD

Titel

  • Originaltitel (AT DE) Krambambuli

Fassungen

Original

Länge:
92 min
Format:
35mm, 1:1,85
Bild/Ton:
Eastmancolor, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 15.01.1999, 81369, ab 12 Jahre

Aufführung:

Uraufführung (DE): September 1998;
TV-Erstsendung (DE): 21.12.1998, ARD