Do You Love Me

Frankreich Libanon Deutschland Katar 2025 Dokumentarfilm

Inhalt

Der Dokumentarfilm nähert sich der Geschichte des Libanon ausschließlich über vorhandenes audiovisuelles Material. Aus Film- und Fernsehausschnitten, privaten Heimvideos, Fotografien und Musikaufnahmen formt sich ein vielschichtiges Bild von Beirut und dem Land über einen Zeitraum von rund 70 Jahren. Ohne chronologische Ordnung verknüpft der Film Fragmente aus Alltag, Popkultur, politischem Umbruch und künstlerischer Produktion. Die Montage folgt den Perspektiven von Bürger*innen, Filmschaffenden und Künstler*innen und zeichnet nach, wie persönliche Erinnerungen und kollektive Erfahrungen ineinandergreifen. Wiederkehrende Motive sind Aufbruch und Nähe ebenso wie Krieg, Zerstörung und Verlust. In Ermangelung eines nationalen Archivs erscheint Geschichte hier als fragmentierte Erinnerung. Der Film macht sichtbar, wie kreative Ausdrucksformen dazu beitragen, Identität zu bewahren und Vergangenheit im gegenwärtigen Erleben fortzuschreiben.

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Heinz17herne
Heinz17herne
In ihrem 75-minütigen essayistischen Dokumentarfilm führt die in London ausgebildete Beiruter Filmemacherin Lana Daher, die seit langem in der libanesischen Kunst- und Musikszene aktiv ist und in den Bereichen Ton, Bild und Archivierung arbeitet, durch die Geschichte ihres Heimatlandes. Und das, zumal für einen Debütfilm, mit ungewöhnlichen Mitteln: „Do You Love Me“ besteht ausschließlich aus filmischem und audiovisuellem Archivmaterial, bunt gemixte, mit durchaus auch politischen Kommentaren unterlegten Bildern und Tönen aus über 20.000 offiziellen und privaten Quellen.

Lana Dahers selbstreflexiver Liebesbrief an Beirut ohne jede fiktionale Szene ist eine persönliche und gesellschaftliche Erinnerung, die vor allem auf private Videos von Freunden aus der Filmbranche zurückgreift, um ideologisch, religiös oder (partei-) politisch gefärbtes Material offiziöser (TV-) Medien zu minimieren. Mit Aufnahmen des Fotografen Patrick Baz für die französische Nachrichtenagentur AFP, aber auch mit Ausschnitten aus Filmen wie „Whispers“ von Maroun Bagdadi aus dem Jahr 1980 u.a. mit dem ikonischen Oud-Musiker Marcel Khalife geht die junge Regisseurin der Frage nach, was von einer Generation bleibt, die zwischen Bomben und Pop-Musik erwachsen wurde.

Das beginnt mit einem für Außenstehende eindrucksvollen, aber unverständlichen Gewitter aus Text-Einblendungen, geht über in dokumentarische Bilder aus dem libanesischen Bürgerkrieg zwischen Christen und Muslimen sowie dem Krieg zwischen islamistischen Milizen und dem Nachbarstaat Israel, wie wir sie aus den Nachrichtensendungen kennen, zeigt trauernde und verzweifelte Menschen. Aber zugleich auch den unerschütterlichen Überlebenswillen gerade auch von älteren Beirutern, die das alte „Paris des Nahen Ostens“ noch erlebt haben.

Und von einer jungen, selbstbewussten Generation, die von solchen überkommenen Beschreibungen nichts mehr wissen wollen, die nach vorne schauen, die auf eine Zukunft des friedlichen Zusammenlebens im Land und in der ganzen Region träumen. Vogelschwärme am Himmel, Meereswellen am Strand, Bollywood-Unterhaltungsindustrie – und immer wieder Straßensperren, Militärgewalt und Milizen-Terror. Skurrile, bisweilen witzige Szenen eines lebensgefährlichen Alltags und am Ende ein Song, in den die große Mehrheit der Besucher beim Alfilm-Festival im Berliner Hebbel-Theater einstimmte: Beirut wird nicht untergehen.

Bei der 17. Auflage des Arabischen Filmfestivals Berlin erhielt Lana Daher im Anschluss an die Filmvorstellung am 28. April 2026 den mit 10.000 Euro dotierten Preis für politische Filme der Friedrich-Ebert-Stiftung überreicht, nachdem sie durch die israelischen Angriffe nicht zur Deutschen Erstaufführung auf dem 33. Filmfest Hamburg kommen konnte. Ihre cineastische Ethnographie ist keine lineare oder chronologische Story, sondern ein Mosaik – voller Sehnsucht und Wehmut. Das sich nach fünfjähriger Recherche und anschließender dreijähriger Fertigstellung nicht zuletzt durch die Musik zu einem emotionalen Ganzen formt, geprägt von Nostalgie, individuellem Widerstand und der ewigen Frage nach Heimat und Zugehörigkeit.

„Do You Love Me“ nimmt bewusst die Binnen-Perspektive einer 1983 mitten im libanesischen Bürgerkrieg geborenen Künstlerin, einer in Beirut lebenden Filmemacherin ein – höchst interessantes, wenn auch nicht in jedem Detail verständliches Neuland für ein europäisches Publikum. Lana Daher zeigt, dass sich das Leben in Beirut nicht auf die in der Tagesschau gezeigten (Kriegs-) Gewalt reduziert: Es ist auch von Lebensfreude, großer Kreativität und ungebrochenem Durchhaltevermögen geprägt.

Lana Daher im Rapid Eyes Movies-Presseheft: „‘Do You Love Me‘ ist eine Reflexion über das heutige Beirut. Durch die Neuinterpretation von Fragmenten aus Filmen, Liedern und Fotografien versuche ich, die vielschichtige Realität dieser Stadt – ihre Erinnerung, ihren Widerstand, ihre Freude und Zärtlichkeit – zu verdichten und diesen Bildern neues Leben einzuhauchen. So entsteht ein Raum, in dem man erkunden, erinnern und einfach fühlen kann.“

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Länge:
79 min
Format:
DCP, 1:1,78
Bild/Ton:
Farbe + s/w, 5.1
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 09.03.2026, 278588, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (IT): 03.09.2025, Venedig, IFF - Giornate degli Autori;
Erstaufführung (DE): 30.09.2025, Hamburg, Filmfest - Veto!;
Kinostart (DE): 07.05.2026

Titel

  • Originaltitel (DE) Do You Love Me

Fassungen

Original

Länge:
79 min
Format:
DCP, 1:1,78
Bild/Ton:
Farbe + s/w, 5.1
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 09.03.2026, 278588, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (IT): 03.09.2025, Venedig, IFF - Giornate degli Autori;
Erstaufführung (DE): 30.09.2025, Hamburg, Filmfest - Veto!;
Kinostart (DE): 07.05.2026

Auszeichnungen

Filmfest Hamburg 2025
  • Preis "Der Politische Film der Friedrich-Ebert-Stiftung"
Cinemed - Festival du Cinéma Méditerranéen de Montpellier 2025
  • Lobende Erwähnung
Doclisboa IFF 2025
  • Lobende Erwähnung
DocPoint - Helsinki Documentary Film Festival 2025
  • Bester internationaler Film