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1932 in Berlin: Die Freunde Paul und Erwin gehören zur Bande der Kinder aus dem Hinterhof des Hauses Nr. 67. Die beiden Fußballfans verdienen sich durch allerlei Arbeiten das Geld, um sich einen richtigen Lederball kaufen zu können. Als Erwin jedoch entdeckt, daß sein Freund Brötchen stehlen muß, wenn er satt werden will, legt er einen Teil des Geldes ohne zu Zögern in Brot und Schmalz an. Die beiden gönnen sich ein Festessen. Pauls Familie gerät durch die Arbeitslosigkeit seines Vaters immer mehr in Not. Deshalb hat Paul auch keinen richtigen Spaß an den Vorbereitungen zu dem großen Fest im Hinterhof, das dieKinder veranstalten wollen. Doch gerade dieses Festhilft Pauls Familie aus der Klemme: Mit dem Erlös der Tombola sollen die Mietschulden bezahlt werden. Schon ein Jahr später gibt es die Bande so nicht mehr. Hitler ist an der Macht und ein Teil der Kinder gehört der HJ an. Neuerdings kriselt es auch zwischen Paul und Erwin. Paul spielt öfter mit den Jungen aus der Hitlerjugend. Erwin, dessen Vater als SPD-Mitglied verhaftet wird, kann die nicht ausstehen. Und als Paul plötzlich in der verhaßten Uniform auftaucht, trennt die Armbinde mit dem Hakenkreuz die beiden Freunde endgültig.
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Doch die Zeiten werden härter: Weltwirtschaftskrise. Besonders für Pauls Eltern, als der Vater arbeitslos ist. Als Erwin mitbekommt, dass Paul lieber im Vorderhaus ein trockenes Brötchen klaut, als sein „Fußballgeld“ anzugreifen, kauft Erwin kurzerhand Brot und Schmalz von seiner Rücklage, damit sie sich am Kanalufer einmal so richtig sattessen können. Dabei verkündet Letzterer seinen Plan, zusammen mit der Bande im Hinterhof ein großes Maskenfest zu veranstalten. Dabei soll Erwins neue Flamme, Miriam vom Maskenverleih im Vorderhaus, helfen.
Während sich die Kinder mit Feuereifer ans Basteln machen, hat Paul ganz andere Sorgen: Weil seine Eltern die Miete nicht mehr bezahlen können, droht der Gerichtsvollzieher. Sogleich wird der Maskenball zum Wohltätigkeitsfest erklärt und mit Hilfe beinahe aller Mieter des Hinterhauses eine Tombola aufgelegt, aus dessen Erlös die Mietrückstände der Richters beglichen werden können. Doch mit der fälschlicherweise als „Machtergreifung“ titulierten Wahl Adolf Hitlers zum Reichskanzler ist es mit der Arbeiter-Solidarität im Hinterhaus schlagartig vorbei.
Ein nicht geringer Teil der Bande ist nun in der Hitlerjugend oder dem Bund Deutscher Mädel organisiert, darunter auch Paul. Miriam, die Erwin bisher beim Zeitungsaustragen geholfen hat, wird mit ihrer Tante das Land, das soeben dabei ist, die Juden für alles Übel der Welt verantwortlich zu machen, verlassen. Während überall Hakenkreuzfahnen die neue Zeit ankündigen, schließen die Brackmanns vorsichtshalber die Fenster. Um Erwin wird es immer einsamer, nachdem sein Vater als Sozialdemokrat verhaftet worden ist und wohl in ein Konzentrationslager überstellt wird. Andererseits besitzt Erwin jetzt einen der heißbegehrten Lederfußbälle…
Der Spielfilm „Die Kinder aus Nr. 67 oder Heil Hitler, ich hätt' gern 'n paar Pferdeäppel“ ist am 25. Februar 1980 beim 10. Int. Forum des Neuen Films im Rahmen der 30. Berlinale uraufgeführt und mit dem OCIC-Award, einem int. katholischen Filmpreis, ausgezeichnet worden. Der erste gemeinsame Spielfilm der Psychotherapeutin, Regisseurin und Malerin Ursula „Usch“ Barthelmeß-Weller und ihres zweiten Gatten Werner Meyer nach des gleichnamigen neunbändigen Romanzyklus von Lisa Tetzner ist am 11. April 1980 in den Kinos gestartet und am 9. März 1982 zum „Tag der Kinder“ im ZDF erstausgestrahlt worden, begleitet u.a. von einem Gespräch zwischen Stuttgarts Oberbürgermeister Manfred Rommel, dem Sohn des „Wüstenfuchses“ Erwin Rommel, und Judith Kerr, Tochter des von den Nazis verfolgten Theaterkritikers Alfred Kerr.
Usch Barthelmeß-Weller und Werner Meyer im Pressematerial zum 10. Int. Forum des Jungen Films auf der 30. Berlinale: „Pauls Entwicklung macht deutlich, wie leicht man in eine Strömung hineingeraten kann. Auch heute nehmen die meisten die gesellschaftlichen Verhältnisse als gegeben hin, statt einzugreifen und zu versuchen, sie zu verändern, wie Erwin und seine Familie. Dieser Film will auch Kindern und Jugendlichen den Zugang und die Beschäftigung mit Fragen und Problemen ermöglichen, die an den Schnittpunkten zwischen gesellschaftlich-politischen Ereignissen und der persönlichen Welt auftreten. An den Folgen, die sie für das Zusammenleben der Menschen hatte, zeigt sich, welcher Art die nationalsozialistische Herrschaft war. Wir haben versucht, den Film so aufzubauen, daß sich immer ein Handlungsstrang ergibt, der die jungen Zuschauer durch den Film führt und sie mit Spaß und Spannung am Leben von Erwin, Paul und der anderen Kinder aus No. 67 teilhaben läßt. Gleichzeitig sind im Film auch all die Informationen enthalten, die durch genaue Rekonstruktion der Zeit sichtbar werden, auch wenn sie von den Jüngeren nicht erfaßt werden können. Kaum einer unter den Jugendlichen heute weiß z.B. wer August Bebel war und was Lotte ausdrücken will, wenn sie den Vater, der nach Beginn der Verhaftungswelle den 'Vorwärts‘ verbrennt, auffordert: „Verbrenn doch lieber deinen doofen Bebel.‘“
Pitt Herrmann