Credits
Regie
Drehbuch
Kamera
Schnitt
Musik
Darsteller
- Simon Pistorius
- Petra Grust
- Frank
- Volker
- Roland
- Albert
- Valentin S.
- Frau von der Burg
- Schulleiterin
- Altschüler
Produktionsfirma
Produzent
Alle Credits
Regie
Regie-Assistenz
Continuity
Drehbuch
Kamera
Kameraführung
Licht
Szenenbild
Ausstattung
Kostüme
Garderobe
Schnitt
Ton-Design
Ton
Stunt-Koordination
Stunts
Casting
Musik
Darsteller
- Simon Pistorius
- Petra Grust
- Frank
- Volker
- Roland
- Albert
- Valentin S.
- Frau von der Burg
- Schulleiterin
- Altschüler
- Manfred -Manni- Wolf
- Betroffene
- Betroffener
- Büroangesteltter
- Assistentin
- Erik von der Burg (jung)
- Petra Grust (alt)
- Helmut Hoffmann
- Frank Hoffmann
Produktionsfirma
im Auftrag von
Produzent
Redaktion
Herstellungsleitung
Produktionsleitung
Aufnahmeleitung
Geschäftsführung
Dreharbeiten
- 13.08.2013 - 13.09.2013: Odenwald
Länge:
88 min
Format:
16:9
Bild/Ton:
Farbe, Dolby
Aufführung:
Uraufführung (DE): 03.07.2014, München, Filmfest
Titel
- Originaltitel (DE) Die Auserwählten
Fassungen
Original
Länge:
88 min
Format:
16:9
Bild/Ton:
Farbe, Dolby
Aufführung:
Uraufführung (DE): 03.07.2014, München, Filmfest
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Jedes Landerziehungsheim hat seine Spezifika, so setzt gerade der als „Fürstenschule“ verschriene Verbund der Salemer Internate auf soziales Engagement auch außerhalb des Schulgeländes. Und die Internate, die bis heute den Namen des Urvaters der Reformpädagogik, Hermann Lietz, im Namen tragen, versuchen die Gleichwertigkeit von Hand- und Kopfarbeit zu leben mit einem ausgeprägten handwerklichen Gildensystem.
Alle diese zumeist als Stiftungen organisierten Einrichtungen eint, dass die Schüler in Familienverbänden zusammen mit einem Lehrerehepaar leben. Das soll den häufig in der Pubertät steckenden Mädchen und Jungen zum einen die aus verschiedenen Gründen fehlende eigene Familie ersetzen und zum anderen ein zwar generationsübergreifendes, aber durchaus wie in der Realität „draußen“ hierarchisch strukturiertes soziales Leben auch außerhalb des Unterrichts ermöglichen.
Dabei hat sich die „OSO“ immer schon als theoretisch grundierte experimentelle Speerspitze verstanden, die Elemente etwa aus der antiautoritären Kinderladen-Bewegung dieser Zeit aufgegriffen hat: die natürliche Hierarchie von Lehrern und Schülern wird negiert zugunsten der ideologisch untermauerten Behauptung, Kinder wüssten sehr gut selbst, was ihnen gut tut und was nicht. Weshalb die Entscheidung der fiktiven (Film-) Figur Petra Grust, nach Heppenheim zu gehen, schon eine bewusste gewesen sein muss: ihre erste Teilnahme an der „Teekonferenz“ genannten pädagogischen Gesprächsrunde unter der Leitung des so berühmten wie charismatischen Schulleiters Simon Pistorius ist geprägt von großem Respekt, ja Verehrung für ihren neuen Chef wie für das gesamte Kollegium.
Für Petra ist der Internatsalltag dennoch irritierend. Sie hat sich zuvor nicht vorstellen können, dass Schüler und Lehrer beiderlei Geschlechts dieselben Duschen benutzen, dass minderjährige Schüler unter Duldung, ja bisweilen gar in Anwesenheit von Lehrern, also von ihren „Familienvätern“, Alkohol trinken, eine Zigarette oder gar einen Joint rauchen. Als Petra feststellt, dass einer ihrer Kollegen ein gar nicht verheimlichtes Verhältnis mit einer ihm anvertrauten Schülerin unterhält, beginnt sie näher hinzusehen.
Und wird auf den 13-jährigen Frank Hoffmann aufmerksam, der verstört wirkt und offensichtlich Probleme hat, die nicht im Zusammenhang mit seiner Familie daheim stehen, sondern hier an der „OSO“ ihren Ursprung haben. Doch Petra bemüht sich vergeblich um Franks Vertrauen und das seiner Budennachbarn, die noch am ehesten mitbekommen müssten, was ihn umtreibt. Als Petra zufällig Zeuge wird, wie der Schulleiter Pistorius aus einem Duschraum kommt, in dem ein völlig verzweifelter Frank kauert, fragt sie gezielt nach. Bei Franks bestem Freund Erik von der Burg und im Lehrerkollegium. Doch niemand will etwas bemerkt haben.
Was sie nicht wissen kann: auch Erik gehört zu den Missbrauchsopfern des Schulleiters. Als er seiner Mutter davon erzählt, sorgt Pistorius dafür, dass Erik die Schule verlassen muss - wegen Drogenbesitzes. Frank ist verzweifelt, weiß er doch nur zu gut, dass auch sein Vater Helmut ihm keinen Glauben schenken wird: als Vorsitzender des OSO-Trägervereins glaubt dieser lieber dem berühmten und daher naturgemäß untadeligen Schulleiter als dem eigenen Sohn. Und hält die Beobachtungen der noch jungen, unerfahrenen Lehrerin für Hirngespinste. Als Frank erfährt, dass er mit Pistorius sogar die Ferien verbringen soll, lässt er sich volllaufen, um danach aus dem Fenster in den Tod zu springen. Doch er kann im letzten Moment noch vom Fenstersims gerettet werden – ein Ende seines Martyriums ist nicht in Sicht. Auch weil Petra vergeblich um journalistische Hilfe bittet: gegen Pistorius' Netzwerk aus Beziehungen bis in die höchsten Kreise ist offenbar kein Kraut gewachsen.
30 Jahre später begegnen sich Frank und Petra, die als Lehrerin nie wieder gearbeitet hat, erneut. Weil die traumatisierten Missbrauchsopfer so lange nicht über die Verbrechen reden konnten, sind inzwischen alle Taten verjährt. Doch Frank will das jahrzehntelange Schweigen der Lehrer, Eltern, Politiker und Institutionen nicht länger hinnehmen. Nach dem Selbstmord des ehemaligen Mitschülers Volker Blank plant er zusammen mit anderen Leidensgenossen eine Protestaktion während einer Jubiläumsveranstaltung zum hundertjährigen Bestehen der Odenwaldschule. Petra soll bezeugen, was sie seinerzeit gesehen hat. Sie versucht, bei Volkers Mutter Edith (Gertrud Drassl) Unterstützung zu bekommen. Doch die will, dass endlich Gras über die Sache wächst, das Andenken an ihren Sohn soll in der Öffentlichkeit nicht beschmutzt werden. Simon Pistorius ist anwesend und seiner Sache offenbar sehr sicher...
132 Schüler, die Dunkelziffer mag weitaus höher liegen, sind am einstmaligen Vorzeigeinternat der Deutschen Landerziehungsheime von mindestens sechs „Pädagogen“ missbraucht worden. Der von Jürgen Dehmers im Rowohlt-Verlag erschienenen Buch „Wie laut soll ich denn noch schreien?“ inspirierte TV-Film von Christoph Röhl, selbst von 1989 bis 1991 Englisch-Tutor an der OSO, macht sprachlos - und wütend. An Originalschauplätzen gedreht deckt er das perfide System von Verleugnung und Verdrängung auf, das offenbar im gesamten OSO-Lehrerkollegium bestens funktioniert hat. Und weit darüberhinaus: Hartmut von Hentigs Beitrag zum OSO-Skandal seines Lebensgefährten Gerold Ummo Becker, Leiter der Odenwaldschule von 1972 bis 1985, sollte wissenschaftlich aufgearbeitet werden. Die am 1. Oktober 2014 in der ARD erstausgestrahlte TV-Produktion gewann die Gold World Medal beim New York Festival 2014 und die Auszeichnung „Bester Film“ auf dem Zoom-Festival 2014 im spanischen Igualada.
Pitt Herrmann