Inhalt
Nach vielen Jahren in Amerika wollen die Polen Isaak, Mosche und dessen Frau Genoveva mit dem Schiff von New York aus nach Polen reisen. Während Isaak vorhat, seiner Wahlheimat Amerika endgültig den Rücken zu kehren, wollen Mosche und Genoveva der Alten Welt nur einen Besuch abstatten.
Nach einem unfreiwilligen Zwischenstopp in Berlin kommt das Trio schließlich in Polen an. Dort kommt alles anders als geplant. Isaak findet in der Schlesierin Zofia eine neue Lebensgefährtin mit der er, entgegen seiner Vorsätze, in die USA zurückkehrt. Genoveva und Mosche, die Polen nur besuchen wollten, kaufen sich in Danzig ein eigenes Haus, um ihren Lebensabend im Land ihrer Vorfahren zu verbringen.
Kommentare
Sie haben diesen Film gesehen? Dann freuen wir uns auf Ihren Beitrag!
Jetzt anmelden oder registrieren und Kommentar schreiben.
Das Trio macht sich auf den Weg über den Großen Teich, um möglichst unter Umgehung des verhassten deutschen Bodens die alte polnische Heimat wiederzusehen. Doch die beiden polnischen Juden und die Alt-Österreicherin haben sich auf einem zweifelhaften polnischen Ozeanliner eingeschifft, der es nur bis Hamburg schafft – Motorschaden. Ausgerechnet Hamburg! Und so beginnt eine Odyssee im wahren Wortsinn: Thomas Strittmatter und Jan Schütte erzählen sie mit dem traurig-melancholischen, gleichzeitig aber auch irrwitzig-komischen jüdischen Humor, der vor allem George Tabori eigen ist.
Und so spielt Tabori auch hier eine kleine, eindringliche Rolle: Ziffer, ein wohl auch polnischer Jude, hat sich im Berlin der unmittelbaren Nach-Wende-Zeit in einer alten Villa eingerichtet, um regen Handel mit Polen zu treiben. „Luxusgüter“ wie Waschmaschinen werden im Tausch mit Antiquitäten geliefert – als persönliches Gut deklariert über die Frankfurter Oder-Grenze geschafft. Ziffer hilft den inzwischen an der Spree Gestrandeten weiter, die ihr Ziel auf verschiedenen Wegen erreichen.
Der großartige Otto Tausig, der den Wiener Juden Isaak Aufrichtig spielt, ist mitgereist, um nach windigen Geschäften einer befürchteten Verhaftung durch das FBI zu entkommen. Er lernt in Danzig die Schlesierin Zofia Steinmann kennen – und lieben. Zusammen mit ihr wagt er einen Neuanfang in der Neuen Welt. Während Moshe Lustgarten und seine Gattin Genovefa, Zofia Merle gibt eine herrliche polnische Matka reinsten Wassers, die Wohnung Zofia Steinmanns übernehmen. Ob das gut geht? Die beiden Freunde bleiben, sozusagen von Landungssteg zu Landungssteg, in telefonischem Kontakt...
„Auf Wiedersehen Amerika“, einziger deutscher Beitrag beim Filmfest in Cannes im Mai 1994 und mehrfach national und international ausgezeichnet, ist erst der dritte Spielfilm des in Hamburg lebenden 37-jährigen Regisseurs Jan Schütte nach „Drachenfutter“ (1987) und „Winckelmanns Reisen“ (1990). Er schildert die enttäuschende Heimkehr der „Millionärin“ Genovefa in ihr Heimatdorf mit ungeschminkter Härte: niemand von den Daheimgebliebenen will etwas von der „Amerikanerin“ wissen, selbst der Pfarrer Ladislaus nicht, der es sich wie all' die anderen eingerichtet hat in den sehr bescheidenen, Verhältnissen. Dass es im jüdischen Viertel New Yorks nicht so üppig zugeht wie in der Phantasie der Polen, weiß dagegen nur die stolze Genovefa.
„Auf Wiedersehen Amerika“ ist aber auch eine Hommage an die multikulturelle New Yorker Gesellschaft, an die schrulligen Typen im jüdischen Viertel Brooklyn, ein trauriger Abgesang an eine wohl dem Untergang geweihte Welt, die ihre Wurzeln einst in Mittel- und Osteuropa hatte. Besetzt mit dem Israeli Jakov Bodo, der polnischen Komikerin Zofia Merle und dem Wiener „Burg“-Schauspieler Otto Tausig.
„Da alles ziemlich schlecht begonnen hat, ging es mir nie zuvor besser als heute“: Nicht zuletzt ist der Film eine Wiederbegegnung mit dem großartigen Wiener Schauspieler Otto Tausig, der mit 16 Jahren vor den Nazis floh und nach London emigrierte und der nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches erneut in seiner Heimatstadt arbeiten wollte – und konnte. Auf der Bühne, vor allem aber im expandierenden Medium Fernsehen. Ein typischer Darsteller kleinerer episodischer Nebenrollen, der diesen stets ein eigenes Gewicht, ein individuelles Gesicht zu geben vermochte und der hier vor Thomas Mauchs zurückhaltender Kamera einmal, und zwar auf unvergleichlich poetische, leise, ruhige Weise, ganz groß herauskommt. Otto Tausig verkörpert in der Rolle des Isaak Aufrichtig das untergegangene Alt-Österreich, dem Stefan Zweig in seiner Autobiographie „Die Welt von gestern“ auf gleichermaßen singuläre Weise ein literarisches Denkmal gesetzt hat.
Jan Schütte im Pandora-Presseheft: „Heimat findet man nur in den Menschen, mit denen man zusammen ist. Im Film gibt es eine äußerliche Reise über drei Kontinente – Amerika, Deutschland, ehemaliger Ostblock. Diese führt nicht zum Ziel. Eine Veränderung erfahren die drei durch ihre innere Reise.“
Pitt Herrmann