Die Heimkehr

Deutschland 2011/2012 TV-Spielfilm

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Heinz17herne
Heinz17herne
Nur vierzig Seiten umfasst Hermann Hesses 1912 bei Fischer erschienene Erzählung „Die Heimkehr“. Es lohnt sich, einen genaueren Blick auf sie zu werfen, ist die Adaption Jo Baiers für den Südwestrundfunk zum 50. Todestag des Dichters doch die erste deutsche Verfilmung eines Hesse-Werks überhaupt. Was bezeichnend ist für den Stellenwert auch anderer Emigranten in ihrem Heimatland.

Bei Hesse kehrt August Schlotterbeck, einziger Sohn des Weißgerbers an der Badwiese, in seinen Heimatort Gerbersau zurück, um sein im Ausland erworbenes kleines Vermögen „daheim“
anzulegen. Einziger noch lebender Verwandter ist der Kaufmann Lukas Pfrommer, der als sein Vetter sogleich Morgenluft wittert für sich und seine Familie. Doch Schlotterbeck entzieht sich nach Möglichkeit dem familiären wie dem gesellschaftlichen Leben der Stadt und bezieht ein kleines Häuschen „oberhalb der Stadt gegen die Wälder hin“.

Ihm fällt seine stille, sehr zurückgezogene lebende Nachbarin auf, die Witwe des Gerichtsvollziehers Entriß, die, obwohl nicht begütert, ihren üppigen Garten pflegt und in stoischer Ruhe die Zumutungen der Gerbersauer erträgt, die keineswegs nur hinter ihrem Rücken die unglaublichsten Geschichten erzählen: Sie sei nicht nur Schuld am Tod ihres Mannes, sondern halte ihre geistig zurückgebliebene Schwägerin wie eine Gefangene. Doch eine Untersuchung des Stadtschultheißes und des Oberamtsarztes erbrachte nichts außer der Verlegenheit der Amtspersonen.

Als die Witwe Entriß seinen Antrag ablehnt, begibt sich Schlotterbeck auf eine Art Erholungsreise, auch mit dem Ziel, außerhalb Gerbersaus eine geeignete Investitionsmöglichkeit zu finden. In Freudenstadt wird er sich mit dem Lederwarenfabrikanten Viktor Trefz einig. Währenddessen hat sich der Gesundheitszustand besagter Schwägerin dermaßen verschlechtert, dass eine Heimeinweisung unumgänglich erscheint. Als Schlotterbeck dies durch einen Brief seines Vetters erfährt, reist er umgehend nach Gerbersau zurück und fragt das „frische und saubere Frauchen“: „Es ist jetzt recht, nicht wahr?“

Aus dieser kleinen, wundervoll unaufgeregten Erzählung über Heimat und Fremde, über den Wunsch, zu Hause anzukommen und das Gefühl des Anders-Seins, hat Jo Baier einen reißerisch inszenierten Heimatfilm gemacht. Andererseits kann, wer von der Erzählung Hesses absieht, Jo Baiers „Die Heimkehr“ als hochkarätig besetzten, thematisch zeitlosen und szenisch berührend umgesetzten Film um die Suche nach seelischer Geborgenheit in heimatlicher Verwurzelung goutieren: August Staudenmeyer kehrt nach dreißig Jahren als wohlhabender Mann in seine Heimatstadt Gerbersau zurück. Zunächst wird der erfolgreiche Geschäftsmann mit offenen Armen aufgenommen, doch als er sich für die im Ort geächtete Witwe Katarina Endriss einsetzt, gerät er ins Abseits.

August Staudenmeyer ist als Heranwachsender von seinem Vater verstoßen und enterbt worden nach einem kleinen Diebstahl im Gasthof: Er hat dem schönsten Mädchen im Ort, Leonore, imponieren wollen, der heutigen Bürgermeistersgattin. Die hat sich, den Eskapaden ihres Gatten überdrüssig, längst dem Suff ergeben und hofft nun verzweifelt, ihren Frust bei August abladen zu können. Der „verlorene Sohn“ kann sich vor Einladungen und Freundschaftsbekundungen kaum retten, allen voran der Honoratioren des Ortes wie dem Bürgermeister, dem Schuldirektor (Siegfried Rank), dem Oberamtmann (Manfred Fähndrich) und dem Oberamtsarzt.

Aber auch Vetter Lukas Pfrommer ist ganz versessen darauf, dass er die Hausmannskost seiner Gattin Amalie probiert: die Geschäfte gehen schlecht und dem Kaufmann schwimmen allmählich die Felle davon, da käme ein reicher Erbonkel für seine beiden Kinder gerade recht. Als Staudenmeyer die Witwe Katarina Endriss kennenlernt, übrigens auf dem Friedhof am Grab ihres verstorbenen Gatten, ist es sogleich um ihn geschehen. Sie lebt mit ihrer geistig behinderten Schwägerin Berta in einem hübschen Fachwerkhaus, das zu einer stillgelegten Spinnerei gehört. Der Bürgermeister möchte die Alleinerbin Berta in ein Heim verfrachten, um frei über das gewinnversprechende Grundstück verfügen zu können, zumal Staudenmeyer nicht abgeneigt scheint, hier zu investieren. Fünfzig neue Arbeitsplätze täten Gerbersau sehr gut.

Katarina dagegen fürchtet um das Schicksal ihrer geliebten Schwägerin, lehnt aber ein zweideutiges Angebot des Bürgermeisters, der ihr für eine „Gegenleistung“ ihrerseits seine Unterstützung anbietet, kategorisch ab. Wie sie sich im übrigen auch der Nachstellungen des Oberamtsarztes zu erwehren weiß: Gerade die Leute, die sich hinter ihrem Rücken das Maul über sie zerreißen aus scheinbar moralischen Gründen, sind die geilsten Böcke im Ort.

Dass sich August augenscheinlich für Katarina interessiert und nicht nur für die aufgelassene Spinnerei, verbreitet sich wie ein Lauffeuer im Ort. Und bleibt auch Staudenmeyers altem Schulkameraden und einzigem wirklichen Freund, dem erfolglosen wie versoffenen Künstler Hermann Mohrle, nicht verborgen. Der schon lange ein heimliches Auge auf Katarina geworfen hat, welche er in vielen Dingen des Alltags unterstützt. Staudenmeyer gibt Hermann sein Ehrenwort, ihm die Witwe nicht „wegzunehmen“. Als der jedoch kurze Zeit später stirbt, wäre der Weg für August, den es nicht länger in Gerbersau hält, und Katarina frei. Während Staudenmeyer mit dem Ulmer Geschäftsmann Trefz (Günther Schmidt) einig ist, auf seinem Grundstück eine Baumwollspinnerei zu errichten, setzt die eifersüchtige Hannelore das Endriss-Haus in Brand. Berta erstickt...

Pitt Herrmann

Credits

Regie

Drehbuch

Schnitt

Darsteller

Alle Credits

Dreharbeiten

    • 02.08.2011 - 05.09.2011: Schwäbisch Gmünd, Wackershofen, Maselheim, Neudenau, Schwäbisch Hall
Länge:
90 min
Bild/Ton:
Farbe, Stereo
Aufführung:

TV-Erstsendung (DE): 02.05.2012, ARD

Titel

  • Originaltitel (DE) Die Heimkehr

Fassungen

Original

Länge:
90 min
Bild/Ton:
Farbe, Stereo
Aufführung:

TV-Erstsendung (DE): 02.05.2012, ARD