Vom 30. Oktober bis zum 20. Dezember 2026 zeigt das Zeughauskino des Deutschen Historischen Museums die Retrospektive "Heim Weh - Der neue westdeutsche Heimatfilm der 1970er und 1980er Jahre".
Totgesagte leben länger. Kaum scheint der Heimatfilm, das Erfolgsgenre der westdeutschen Nachkriegszeit, im Zuge gesellschaftlicher Umbrüche und schwindender Publikumsresonanz der Vergangenheit anzugehören, kehren Anfang der 1970er Jahre vermehrt Motive der Heimat auf die Kinoleinwände zurück. Doch die Wiederkehr des Heimatfilms ist kein bloßer Aufguss früherer Erfolgsrezepte. Im Gegenteil: der neue Heimatfilm hinterfragt – mal augenscheinlich, mal implizit – die Setzungen und Mythen seiner auf Happy Ends und farbenfrohe Folklore bedachten Vorgänger, darin dem New Hollywood und dessen Revisionen des klassischen Western verwandt.
Die von Tilman Schumacher kuratierte Reihe Heim Weh stellt den westdeutschen Heimatfilm der 1970er und 1980er Jahre in all seinen Facetten vor. Ging es den Autorenfilmern des Neuen Deutschen Films vor allem um die Offenlegung der Gewalt, die Tradition, Familie und Glaube für Außenseiter bedeuten können, so versucht der Mainstream althergebrachte Heimatfilmmotive mit neuen Inszenierungsweisen zu koppeln. Und lassen sich nicht sogar die sogenannten Lederhosenfilme der westdeutschen Erotikfilmwelle der 1970er Jahre als Heimatfilme verstehen? Als derbe Verhöhnung eines sonst familientauglichen Genres?
Die Retrospektive Heim Weh trägt die meisten der 33 präsentierten Filme, darunter auch Genrevertreter aus den 1950er Jahren, auf analogen, staatlichen und privaten Sammlungen entstammenden Filmkopien zusammen. Die Reihe lädt dazu ein, Klassiker wie Werner Herzogs "Herz aus Glas" (1976) oder Georg Tresslers "Sukkubus" (1988) im Kontext des postklassischen Heimatfilms zu sehen. Und sie entdeckt weitgehend vergessene – wenngleich zu ihrer Zeit viel diskutierte – Werke, darunter Josef Rödls "Albert – Warum?" (1978) und Tankred Dorsts "Eisenhans" (1983).
15 der insgesamt 30 Programme werden von Einführungen des Kurators und anderen Expert*innen begleitet. So setzt sich zum Beispiel der deutsch-amerikanische Filmwissenschaftler Johannes von Moltke mit der dunkelromantischen Tradition von Niklaus Schillings "Nachtschatten" (1972) auseinander, während die Literaturwissenschaftlerin Susanne Scharnowski anhand von "Die Martinsklause" (1951) und "Das Schweigen im Walde" (1976) der Bedeutung des Heimatromanciers Ludwig Ganghofer für das deutsche Kino nachgeht.
Ausführliche Angaben zur Retrospektive finden Sie hier.
Quelle: www.zeughauskino.de