Die Jury für Entwicklungsförderung hat in ihren letzten Sitzungen des Förderjahres 2025 insgesamt 800.000 Euro für zehn Drehbücher für Spielfilmprojekte, 16 Treatments für Spiel- und Dokumentarfilme und eine Dokumentarfilm-Stoffentwicklung bewilligt; unter den 27 geförderten Projekten sind acht Debüts.
Für die letzte Förderrunde des Jahres waren 156 Förderanträge eingereicht worden. Im ersten Jahr ihres Bestehens wurden mit der jurybasierten kulturellen Entwicklungsförderung des Bundes insgesamt 32 Drehbücher, 29 Treatments und acht Stoffentwicklungen – zusammen also 69 Filmprojekte – mit 2.267.500 Euro gefördert.
Drehbuchförderung erhielten in den beiden jüngsten Sitzungen u.a. die Drehbuch-Lola-Gewinner*innen Ayşe Polat für ihr von einer türkischen Familie im Deutschland der 80er Jahre erzählendes fantastisches Drama "Hinter tausend Stäben" und Jan-Ole Gerster für sein auf historischen Begebenheiten beruhendes Fluchtdrama "Freiheit". In seinem zweiten Langfilm "Sirt El-Hobb" stellt der mit dem Deutschen Drehbuchpreis ausgezeichnete Regisseur Ali Tamim Jugendliche aus Neukölln ins Zentrum der Geschichte, und die in Cannes prämierte Kurzfilmregisseurin Xandra Popescu siedelt ihr Spielfilmdebüt "Alexandra die Mutige" an einem fiktiven Ort einer Welt im Umbruch an, während Michail Lurje in seinem Episodenfilm "Carpe Diem AG" eine Lebensversicherung der besonderen Art entwirft.
Unter den zehn treatmentgeförderten Spielfilmprojekten sind der Thriller "Wild Boys" des zuletzt im Wettbewerb von Cannes vertretenen Karim Aïnouz, der darin von Ideologie und Identität Anfang der 1930er Jahre in Berlin erzählt, das Abenteuer "Drei Nüsse für Edmund" des im letzten Jahr nach Locarno eingeladenen Julian Radlmaier und die Satire "Wie Schuppen von den Augen", das Langfilmdebüt der Grimme-Preisträgerinnen Jana Forkel und Elsa van Damke. Mit kultureller Treatment- bzw. Stoffentwicklungsförderung entstehen u.a. die Dokumentarfilmprojekte "Willkommen" (AT) von Patrick Jasim und Jamshid Hussein, das Porträt dreier Schüler*innen einer Berliner Willkommensklasse, "Moíses und das Erbe der Ahnen" von Thomas Fischermann über indigene Kultur am Amazonas in Zeiten der Zerstörung des Regenwalds und "Kultus" (AT) von Maria Wischnewski, eine Erkundung der Geschichte ihrer eigenen Familie.
Die angegebenen Fördersummen für die Autor*innen enthalten jeweils 40.000 Euro Förderung bei den Drehbüchern und 15.000 Euro bei den Treatments sowie die Möglichkeit, bei Erforderlichkeit Beratungsleistungen zur Steigerung der Stoffqualität in Höhe von jeweils 10.000 Euro bzw. 2.500 Euro heranzuziehen.
Die Förderung im Detail:
Drehbuchförderung
"Alexandra die Mutige"
Autorin: Xandra Popescu
Förderung: 50.000 Euro
Im fantastischen Reich namens Diese Seite, wo auf den Trümmern einer gescheiterten Utopie der Turbokapitalismus Einzug hält, wird die zwölfjährige Alexandra Zeugin, wie die Fabrik ihres Vaters zum Zentrum eines Aufstands der Näherinnen wird. Doch während ihre Welt ins Wanken gerät, fasst Alexandra einen Entschluss: Sie wird die Dinge selbst in die Hand nehmen
"Auf Null"
Autorin: Catharina Junk nach ihrem eigenen Roman
Förderung: 50.000 Euro
Die 22-jährige Nina will nach überstandener Leukämie zurück in eine Welt finden, die sich ohne sie weitergedreht hat. Zwischen Familie, Freundschaft und einer neuen Liebe ringt sie mit Angst, Nähe und Selbstzweifeln.
"Carpe Diem AG"
Autor: Michail Lurje
Förderung: 50.000 Euro
Die Carpe Diem AG bietet ihren Kunden eine einzigartige Dienstleistung: Eine Wiederbelebung nach dem Tod für genau 24 Stunden.
"Freiheit"
Autor: Jan-Ole Gerster
Förderung: 50.000 Euro
Die spektakuläre Geschichte einer Flucht, die sich im Oktober 1964 in Berlin ereignete und bei der über fünfzig Menschen durch einen Tunnel unter der Bernauer Straße von Ost- nach Westberlin in die Freiheit kamen.
"Hinter tausend Stäben"
Autorin: Ayşe Polat
Förderung: 50.000 Euro
1985. Hinter den Stäben einer Souterrainwohnung lebt eine türkische Gastarbeiterfamilie. Draußen überschattet rassistische Gewalt den Alltag, zuhause verwandelt sich die kranke Mutter in eine Pantherin. Als der Vater schwer verletzt ins Krankenhaus kommt, übernimmt Nesrin die Verantwortung für ihre Geschwister. Zwischen Schule und Fleischsuche hält sie das fragile Gleichgewicht und hofft auf die Rückkehr der Mutter.
"La Maison Jaune"
Autor*innen: Lisa Bierwirth, Hannes Held
Förderung: 50.000 Euro
Der Franzose Paul lebt in Berlin ein exzessives Leben zwischen Mode, Cruising und Drogen, das ihn zunehmend erschöpft. Er flüchtet sich in die zerstörerische Beziehung zu einem jungen Escort, die ihm fast zum Verhängnis wird. Pleite kehrt Paul nach Südfrankreich in das Haus der Familie zurück, wo ihn die Konfrontation mit seiner sterbenden Mutter und der Vergangenheit auch zu einer Auseinandersetzung mit sich selbst zwingt.
"Mártires"
Autor*innen: Agustina Sánchez Gavier, Benedikt Strick
Förderung: 50.000 Euro
Die Geschichte eines Mannes, dessen persönliche Transformation die zersetzende Beziehung zwischen Mensch und Natur spiegelt. In dieser Welt, in der Legenden lebendig sind und der Dschungel ein eigenes Bewusstsein besitzt, muss ein Mann sein Verständnis von Kontrolle, Männlichkeit und Fortschritt neu definieren. Das Projekt wird auch mit BKM-Filmpreismitteln entwickelt.
"Midnight in a perfekt World"
Autor*innen: Dominik Galizia, Carol Geraldes
Förderung: 50.000 Euro
Eine junge Frau plant heimlich ihre Beerdigung, doch als ihr Bruder für einen Auftritt nach Berlin kommt, droht ihr Geheimnis aufzufliegen. Während er sich in Rausch und Ekstase verliert, läuft ihr die Zeit davon.
"Sirt El-Hobb"
Autor: Ali Tamim
Förderung: 50.000 Euro
Ein erstes Date wird zur Reise durch Liebe, Trauer und den Kampf um Gerechtigkeit. Youssef und Sabrin, zwei Jugendliche aus Neukölln, verbringen einen Sommertag voller Leichtigkeit, bis Youssef am Abend erschossen wird. Im Herbst begegnet Sabrin Youssefs Mutter Hoda. Gemeinsam suchen sie Antworten und erkennen: Youssefs Tod ist Teil einer Kette rechter Gewalt. Im Winter führt ihre Spur ins Land, wo Hoda am Ende entscheiden muss: Rache oder Recht.
"Tausend Augen"
Autor: Florian Plumeyer
Förderung: 50.000 Euro
Eine in Berlin lebende Dissidentin wird von einem ausländischen Geheimdienst entführt. Um die deutschen Behörden in Sicherheit zu wiegen, soll ein Double die "Staatsfeindin" spielen, solange das Verhör andauert. Die Täuschung gelingt, nur der kleine Sohn der Dissidentin lehnt die "neue Mutter" vehement ab. Aus Mitleid mit dem Kind – und vielleicht auch, um ihre eigene Seele zu retten –,entscheidet sich das Double, ihren Auftrag zu verraten. Aber wem kann sie vertrauen?
Treatmentförderung
"Anderseits"
Autorin: Agnieszka Piwowarska
Förderung: 17.500 Euro
Oktober 89: Aenne und Achim, Mitte vierzig, Künstlerpaar, zwei Kinder. Ihre Arbeit und Liebe sind ihnen Zuflucht und Heimat, doch Aenne hat schwer mit der DDR zu kämpfen. Ihr Vater Georg nahm sich 1951 das Leben: Als Künstler, der Buchenwald überlebt hatte, wurde er zu einem sozialistischen Helden stilisiert. Während die DDR sich auflöst, trifft Aenne den Schweizer Rainer und flüchtet wider Erwarten nicht in den Westen, sondern in die Vergangenheit vor der Mauer.
"Die Wahrheit hinter den Bildern"
Autor: Sven Zellner
Förderung: 17.500 Euro
Der Dokumentarfilm erzählt von Menschen, die dem Wahrheitsgehalt von Fotos nachspüren: Visual Investigators, die mit digitaler Forensik Beweise für Verbrechen gegen die Menschlichkeit sichern, und Fotograf*innen, die Ereignisse direkt dokumentieren. Ob in Krisengebieten oder hinter Monitoren – ihre Arbeit ist riskant und belastend. Gemeinsam bilden sie eine unsichtbare Frontlinie im Kampf um Wahrheit, Gerechtigkeit und Demokratie.
"Drei Nüsse für Edmund"
Autor: Julian Radlmaier
Förderung: 17.500 Euro
Zwei Arbeiterinnen fahren mit dem Teenager-Sohn einer kranken Kollegin in den Urlaub. Zu dritt retten sie ein Kind vor dunklen Mächten.
"Erzähl es noch einmal"
Autor: Arian Vazirdaftari
Förderung: 17.500 Euro
Marie, eine junge Schauspielerin in Berlin, erhält die Chance, die Hauptrolle in einem Stück ihres Mannes Noah zu spielen. Während der Proben entdeckt sie, dass ihre Figur auf Noahs früherer Beziehung zur Migrantin Ghazal basiert. Die Begegnung mit Ghazal offenbart tiefe Widersprüche zwischen Noahs Version und der Realität. Marie erkennt, dass Noah im Text eine nicht wiedergutzumachende Gewalttat verschleiert hat.
"Jena Augen Blicke"
Autor: Dominik Wessely
Förderung: 17.500 Euro
Ein Ort, an dem deutsche Geschichte wie in einem Brennglas verdichtet ist, im Guten wie im Schlechten. In Jena erdachten Goethe, Schiller, Fichte, Hegel und andere die Welt neu im Geist des Idealismus. Hier lehrten aber auch die NS-Rasseforscher, deren Ideen Tod und Verderben brachten. Und hier formierte sich der NSU, bevor er zu seinen Mordtaten loszog. Vieles, was Deutschland seit 1800 entscheidend geprägt hat, hat mit Jena zu tun.
"Kultus"
Autorin: Maria Wischnewski
Förderung: 17.500 Euro
Er war viele: gefeierter Fotograf in Argentinien, Agent des DDR-Auslandsgeheimdienstes, später IM der Stasi und Chefredakteur der wichtigen DDR-Zeitung "Elternhaus und Schule". Der Film rekonstruiert eine ambivalente Lebensgeschichte und widmet sich dabei dem verletzlichen Prozess der Aufarbeitung des Stasi-Wirkens innerhalb einer Familie.
"Maman"
Autor: Behrooz Karamizade
Förderung: 17.500 Euro
Späte 80er: Die iranische Aktivistin Nahid flieht mit ihrem siebenjährigen Sohn Babak und ihrem Ehemann Hossein über die UdSSR nach Deutschland. Zwischen dem dogmatischen und parteitreuen Hossein und Reza, ihrer verbotenen Liebe, gerät sie in ein Netz aus Ideologie, Begehren und Kontrolle. Während Babak unter dem Druck zu zerbrechen droht, muss sie entscheiden, was sie rettet: die Sache – oder ihr Kind.
"Moíses und das Erbe der Ahnen"
Autor: Thomas Fischermann
Förderung: 17.500 Euro
Den heute 45-jährigen Moíses Baniwa hatte man als Kind gezwungen, den Amazonas-Regenwald zu verlassen, aber jetzt will er mit seiner Familie dorthin zurück. Der Dokumentarfilm begleitet seine Suche nach den verschütteten Geheimnissen seiner Kultur, nach bedeutsamen Pflanzen, heiligen Orten und alten Gesängen.
"Nicht allzu ferne Orte"
Autor*innen: Renato Borrayo Serrano, Yulia Vishnevets
Förderung: 17.500 Euro
Aus dem Brustkamera-Blick einer russischen Menschenrechtsaktivistin in Moskauer Gefängnissen führt der Film mitten in die repressive Maschinerie und entlarvt die Mechanismen totalitärer Macht – zwischen Banalität des Bösen, Widerstand und den moralischen Dilemmata des Handelns von innen.
"Soldier Boi"
Autorin: Shari Crosson
Förderung: 17.500 Euro
Nia wächst als Tochter einer Ex-Jugoslawin und eines schwarzen US-Soldaten auf einer Army Base in Karlsruhe auf. Das anfängliche Familienidyll zerbricht bald unter Gewalt und Verlust. Zerrissen zwischen Kulturen, Geschlechterrollen und Identität sucht Nia ihren Platz.
"Wenn die Glocken läuten“
Autor: Paul Raatz
Förderung: 17.500 Euro
Im Sommer ’99 versetzt das Verschwinden eines Kindes eine ostdeutsche Plattenbau-Siedlung in Schockstarre. Ob Bomberjacke, bunte Haare oder Spielzeugrevolver – nichts schützt vor der Grausamkeit der Welt. Wenn sich das Erwachsenwerden in blühenden Landschaften als Sturz auf den Betonasphalt entpuppt, wird das Wiederaufstehen zur Lebensaufgabe.
"Wie Schuppen von den Augen"
Autorinnen: Jana Forkel, Elsa van Damke
Förderung: 17.500 Euro
Die deutsche Schauspielerin Lou wird vom mysteriösen französischen Yacht-Girl Celeste in die Schickeria der Côte d’Azur eingeschleust, wo sie neben Luxus und Party-Exzessen auf ein dunkles Geheimnis stößt. Zwischen Unmengen Geld, grabschenden Milliardären und einer Gruppe männerfressender Meerjungfrauen muss Lou sich entscheiden, wo sie hingehört: in eine Welt, die längst brennt, oder in die Tiefen des Meeres?
"Wild Boys"
Autor: Karim Aïnouz
Förderung: 17.500 Euro
Sommer 1932. Berlin steht vor dem Zusammenbruch, der Faschismus wächst, Jugendliche irren orientierungslos durch die Straßen. In verborgenen Wäldern lebt die Bande der "Wilden Jungen" nach eigenen Gesetzen aus Sex und Gewalt. Ihr Anführer Winnetou zieht den Bahnarbeiter Daniel in ihre anarchische Welt. Zwischen Begierde und Machtspiel müssen die Jungen entscheiden: Kämpfen sie für ihre Utopie – oder unterwerfen sie sich dem System?
"Willkommen" (AT)
Autoren: Patrick Jasim, Jamshid Hussein
Förderung: 17.500 Euro
Ein Jahr im Leben dreier junger Geflüchteter, die in einer Berliner Willkommensklasse nicht nur Deutsch lernen, sondern sich ihren Platz in einer für sie neuen Gesellschaft erkämpfen – zwischen Bürokratie und Chancen, zwischen Warteschleifen und kleinen Triumphen. Im Klassenzimmer und im privaten Leben schließen sie Freundschaften, verfolgen Träume und nehmen trotz aller Hürden ihr Leben selbst in die Hand.
"Wurzelbehandlung"
Autor*in: Gitti Grüter
Förderung: 17.500 Euro
Eine knapp 40-jährige Bernerin verliebt sich in einen viel zu jungen Kurden. Als sie seine Abfuhr begreift, ist sie längst angefressen von einer Kultur, die ihr Zugehörigkeit verspricht, und reist in die Metropole Diyarbakir, um ihr Glück in der Aura der kurdischen Freiheitsbewegung zu versuchen. Aber ihre Orientierungslosigkeit holt sie bald wieder ein.
"Zivug"
Autor*innen: Tatjana Moutchnik, Geoffroy Grison
Förderung: 17.500 Euro
Maja und Eli teilen alles: ihre Liebe, einen Buchverlag und ihre jüdische Identität. Als die beiden ihre Trennung bekannt geben, weil Eli Kinder möchte und Maja nicht, stoßen sie auf Schock und Gegenwind in ihrem Umfeld. Im Laufe eines jüdischen Kalenderjahres versuchen sie, ohneeinander zu leben und sich auf ihre Karrieren und Familienplanungen zu konzentrieren. Aber es ist nicht so einfach, sich von seinem Seelenverwandten zu trennen.
Stoffentwicklungsförderung Dokumentarfilm (Förderung im Widerspruch)
"Superconducting Super Collider"
Autor: Hendrik Löbbert
Förderung: 20.000 Euro
Das Scheitern des Superconducting Super Collider Anfang der 90er Jahre führte zum Ausbruch der Science Wars – einem erbitterten Kampf um Geld, Macht und die Frage: was ist Realität? Heute, über 30 Jahre später, ist der Bruch vollendet und aus dem "Science War" ein "War on Science" geworden. Der Dokumentarfilm geht mit den "Kriegern" auf das Schlachtfeld der Wahrheit zurück und zeigt ihr eigenes Hadern mit der Wirklichkeit.
Genderübersicht – Jurybasierte kulturelle Treatment- und Drehbuchförderung (4. und 5. Sitzung):
156 Anträge, davon
85 von/mit Beteiligung weiblicher oder non-binärer Autor*innen
27 geförderte Projekte, davon
12 von/mit Beteiligung weiblicher oder non-binärer Autor*innen
An der vierten Sitzung nahmen Melissa De Raaf, Martin Hagemann, Leila Hamid, Gabriele C. Sindler, und Nico Woche teil, die fünfte war mit den Jurymitgliedern Martin Hagemann, Behrooz Karamizade, Heide Schwochow, Saralisa Volm und Nico Woche besetzt.
Die nächste Fördersitzung der Jury für Entwicklungsförderung findet am 26. und 27. März 2026 statt, Einreichfrist ist der 22. Januar. Zur Übersicht der kommenden Einreich- und Sitzungstermine
Die Förderergebnisse des gesamten Jahres finden Sie hier.
Quelle: www.ffa.de