Summary
Tender Parasites
Jakob and Manu have developed their own specific survival strategies. Without a permanent home or steady job, they live in a makeshift camp in the woods and use the municipal swimming pool when they need to shower. Always short on cash, they make a living as providers of human services. They notice what is missing in other people′s lives and make a living by satisfying others′ desires and giving them what they need or what they lack.
Manu takes care of old Mrs. Katz, who is grateful and pays for this service. Jakob is looking for a new "client". At an airfield for glider planes, Jakob provokes an accident, which catches the pilot′s attention and awakens his sympathy. Martin, the pilot and a former manager, takes Jakob home and introduces him to his wife Claudia, who is initially not thrilled with the "visitor". Little by little, Jakob succeeds in winning acceptance within the family. Jakob reminds Martin of his son Benjamin, who died a few years ago in an accident. Jakob makes himself available – in place of Benjamin. An open-ended offer, immediately terminable.
When Mrs. Katz suddenly dies, Manu is ready to move on, but Jakob decides to stay with Martin as he feels that the job is not yet finished for him. He increasingly feels at home and secure within the family. As Jakob takes on the role of the deceased son more and more and becomes estranged from Manu, she decides to pay Jakob and his new family a visit and win him back.
Source: German Films Service & Marketing GmbH
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Die, das ist die Vereinbarung, vom parasitären Leben der ohne festes Ziel herumvagabundierenden jungen Leute ohne festen Wohnsitz und ebensolches Einkommen mindestens ebenso profitieren wie diese selbst. Etwa Frau Katz, eine freundliche, geradezu liebenswerte, aber schwer kranke Seniorin ohne familiären Anhang. Manu wird zwar von der noch allein in ihrer Wohnung lebenden Dame dafür entlohnt, dass sie sich täglich um sie kümmert, vom Einkauf bis hin zur Körperreinigung. Es wird jedoch nicht nach Stundenlohn abgerechnet: Manu gehört bald wie eine Enkelin zur Familie, darf auch Jakob mitbringen und Frau Katz, deren Lieblingsplatten dann aufgelegt werden, guckt ihnen beim Sex vor ihrem Bett zu. Auf ihrem Nachttisch steht ein gerahmtes Foto mit drei Personen – Oma mit Enkeln.
Jakob hat sich ein anderes Wirts-Objekt ausgeguckt und stellt sich, um sich ihm zu nähern, frech auf die Landebahn eines kleinen Flughafens: Martin ist begeisterter Segelflugsportler und kann seinem Hobby nun ausgiebig frönen, seit er seinen stressigen Job als Manager aufgegeben hat. Freilich nicht aufgrund höherer Einsicht die eigene Gesundheit betreffend, sondern weil er mit Benjamin das einzige Kind verloren hat. Was weder er noch seine Gattin Claudia, die aus ihren Lehrerberuf ebenfalls sofort ausgestiegen ist, verkraftet haben: die gut betuchten Eheleute flüchten sich nun in caritative Aktionen. Jakob bietet sich als nachgerade idealer Benjamin-Ersatz an: zugänglich, pflegeleicht, hilfsbereit und für jede Kleinigkeit dankbar. Denn im Grunde sehnt sich dieser so cool gebende, aber noch so kindlich wirkende Nomade nach einem familiären Zuhause. Was Manu ganz ähnlich geht, die sofort eifersüchtig reagiert, als es ihrem Freund bei den „Gasteltern“ zu gut gefällt.
„Diesmal ist es anders – alles“: Obwohl Jakob immer wieder zu weit gegangen ist, seine Gastgeber mit allzu großer Offenheit brüskiert hat, ist es bei Martin und Claudia alles andere als ein Job wie jeder andere. Was bei Manu die Alarmglocken schrillen lässt: frisch blondiert stellt sie sich als Jakobs Schwester vor. Die Lage spitzt sich zu, als der rachedurstige Constantin das Zeltlager der beiden Parasiten zerstört und Frau Katz eines natürlichen, friedlichen Todes stirbt: Schafft Jakob den Absprung, bevor Manu ihr letztes Geld für Übernachtungen in einer Pension ausgegeben hat? Und dann werden die beiden auch noch von der Polizei gesucht, die das Foto auf dem Nachttisch der Toten gefunden hat...
Wie viel Freiheit und Ziellosigkeit verträgt eine Zweierbeziehung unter ja nicht mehr ganz so jungen Leuten, die sich beide nicht nur nach familiärer Geborgenheit bei ihren „Wirtsleuten“ sehnen, sondern selbst einmal eine Familie mit Kindern gründen wollen, jedenfalls wenn es nach Manu geht? Wie berechnend darf Nächstenliebe sein, wenn diese nicht nur Lebensinhalt, sondern vor allem auch Lebensunterhalt bedeutet?
Das sind spannende Fragen, die ein in vieler Hinsicht ungewöhnlicher Streifen stellt, der am 7. September 2009 beim 66. Filmfestival Venedig in der Sektion für unkonventionelle Beiträge, „Orizonti“, uraufgeführt und am 1. August 2011 in der ARD erstausgestrahlt wurde. Die Rheinfilm-Produktion ist nach „Egoshooter“ aus dem Jahr 2004 erst der zweite Spielfilm des Hannoveraners Oliver Schwabe (Jg. 1966) und des Düsseldorfers Christian Becker (Jg. 1971), beides Absolventen der Kölner Kunsthochschule für Medien. Und zugleich der Mittelteil einer Trilogie über Menschen, die sich entschieden haben, einen anderen Weg einzuschlagen. Wie Jakob und Manu, die zwar nicht gleich selbstlose Samariter genannt werden können, aber doch emotionale Lücken füllen im Leben anderer Menschen, welche ihnen bald sehr nahestehen.
Pitt Herrmann