Summary
Fat World
Hagen Trinker leads the adventurous, pitiful, tragicomic life of a young city tramp: together with his pals, the occasional thief Tom, the heroin addict Liane, the lovesick alcoholic Edgar, the good-natured Gustl, the ravaged Edda, the jovial Stalin. Like them all, Hagen is more than once at rock bottom. Then he meets Judith, a sixteen-year-old runaway and daughter of the middle classes, who wants at long last to get to know the real life. Although he instinctively fends her off, she begins through her spontaneity to break through his protective shield, and stirs long buried feelings in him. But at the very moment when the two finally come together, they are brutally separated. Hagen learns that there is always a little bit more to lose for the person who believes that they have already lost everything - but, as he gradually begins to realise, there is also something to win. He suddenly has a goal, and, slowly, the search for Judith becomes the search for himself.
Source: German films Service & Marketing GmbH
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Judith sucht die Nähe zu Hagen, er soll ihr „Erster“ sein. Doch der will sein eigenes Leben behalten, und das möglichst ungestört. Er rät ihr mehrfach, zu ihren Eltern zurückzukehren. Hagen („Liebe gibts nur im Kino“) will der Schülerin, die noch ihr ganzes Leben vor sich hat, ein Dasein ersparen, dass er sich selbst auferlegt hat und freiwillig mit den anderen teilt – aber offenbar nicht aus vollem Herzen.
Nur widerwillig gibt er Judiths Drängen nach, in einem Schlafwagenabteil kommt es doch zu einer ersten Liebesszene, die Hagen verwandelt: Aus dem kühl-distanzierten Mann mit dem harten Herzen wird ein sehnsuchtsvoll Liebender, der dem Mädchen an die Spree nachreist, nachdem es von der Polizei aufgegriffen und den Eltern übergeben worden ist. Am Bahnhof Zoo kommt es zu einer letzten, flüchtigen Begegnung der beiden. Ein hastiger Kuss – dann besteigt Hagen den Zug nach Glücksstadt, einfache Fahrt, bezahlt vom letzten Ersparten: Der Name der schleswig-holsteinischen Kleinstadt steht für sein wiedererwachtes Lebensgefühl. Hagen Trinker steht, auch wenn seine Liebe scheitert, bevor sie noch recht begonnen hat, vor einem neuen Anfang...
„Fette Welt“ ist, wie Jan Schüttes „Auf Wiedersehen Amerika“, ein leiser, wehmütiger, großartiger Film, der eine Atmosphäre schafft, in die man eintaucht wie in eine fremde Welt, in der man nach und nach heimisch wird. Heimisch in dem Sinne, dass man ihr zwar nicht angehören möchte, man aber verstehen lernt – und Achtung bekommt. Auch wenn noch so vieles unbegreiflich erscheint. Jan Schütte offeriert weder einfache noch komplizierte Rezepte, er schildert mit großer Zuneigung zu seinen Figuren, deren verquere Lebenswege er andeutet, ohne sich in biographischen Details zu verlieren. Der Autorenfilmer hütet sich vor Klischees und damit sowohl vor der Sozialarbeiter-Erklärungsmentalität als auch vor der romantisierenden Verklärung des „anderen Lebens“ unter den Isarbrücken.
In „Fette Welt“, entstanden nach der 1992 begonnenen und erst im März 1998 mit dem gleichnamigen Roman abgeschlossenen Hagen-Trinker-Trilogie (List-Verlag) von Helmut Krausser, spielt Jürgen Vogel den Stadtstreicher Hagen Trinker, der sich einen Rest von Bürgerlichkeit bewahrt hat. Scheinbar freiwillig hält er sich nach dem Tod seines Vaters, eines Polizisten, im Obdachlosenmilieu auf. Hält sich aber nach Möglichkeit aus den verbalen Streitereien, die häufig in gewalttätige Auseinandersetzungen münden, heraus, um ein etwa auch von Polizei-Einsätzen ungestörtes eigenes Leben führen zu können.
„Fette Welt“, als einer von drei deutschen Beiträgen am 15. August 1998 beim Festival von Locarno uraufgeführt, ist entgegen landläufiger Kritikermeinung nicht nur ein gut gemeinter, sondern ein richtig gut gemachter Film. Weil hier nicht künstlich auf die Tränendrüse gedrückt wird, weil sich der in Berlin lebende Regisseur Jan Schütte der Stadtstreicher-Problematik mit äußerster Behutsamkeit und möglichster Authentizität nähert. So wirken zahlreiche Obdachlose als Kleindarsteller und Statisten mit wie Juliane Filiminov, eine in St. Petersburg geborene 17-jährige Gymnasiastin, die seit 1980 in Berlin lebt.
Neben herausragenden Schauspielern: Sibylle Canonica verkörpert die fragile, bleiche Liane, eine heroinsüchtige Prostituierte, die von sonnigen südlichen Stränden träumt. Lars Rudolph ist Edgar, ein Träumer mit verkrüppeltem Bein, der Liane nachläuft und sich ihr als „Beschützer“ andient. Sein Ziel lautet Acapulco. Schließlich Stefan Dietrich als Tom, der gerne 'mal nach Cambridge reisen würde – zum Koma-Saufen in einem original englischen Pub. Free-TV-Premiere war am 22. Juli 2006 auf Pro Sieben.
Pitt Herrmann