Credits
Director
Screenplay
Director of photography
Editing
Cast
- Werther
- Lotte
- Albert
- Amtmann
- Gesandter
- von Steinfeld
- Wilhelm
- Frau Heilmann
- Cousine
- Sängerin
All Credits
Director
Assistant director
Screenplay
Scenario
based on
Script editor
Director of photography
Assistant camera
Still photography
Lighting design
Production design
Set construction
Prop master
Make-up artist
Costume design
Editing
Sound
Audio mixing
Music performer
Cast
- Werther
- Lotte
- Albert
- Amtmann
- Gesandter
- von Steinfeld
- Wilhelm
- Frau Heilmann
- Cousine
- Sängerin
- Fräulein von B.
- Herr Schmidt
- Herausgeber
- Reinhard
- Graf
- Pfarrer
- Magd
Production company
Unit production manager
Location manager
Original distributor
Uraufführung (DD): 26.08.1976, Berlin, International
Titles
- Originaltitel (DD) Die Leiden des jungen Werthers
Versions
Original
Uraufführung (DD): 26.08.1976, Berlin, International
Restaurierte und digitalisierte Fassung
Erstaufführung (DE): 26.03.2026, Berlin, Kommunikations- und Informationszentrum der Universität
Die Digitalisierung dieses Films wurde 2025 im Rahmen des Förderprogramm Filmerbe gefördert.
Das Förderprogramm Filmerbe (FFE) von BKM, den Ländern und FFA stellt seit dem 1. Januar 2019 für den Zeitraum von zehn Jahren jährlich bis zu 10 Millionen Euro für die Digitalisierung von Kinofilmen zur Verfügung.
Für die abendfüllenden Spiel- und Dokumentarfilme in diesem Förderprogramm stellt filmportal.de die jeweiligen Filmanfänge bereit. Eine Übersicht über alle geförderten Filme auf filmportal.de finden Sie hier.
Weitere Informationen unter www.ffa.de
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„Goethes 'Werther', man las ihn irgendwann, machte mich beim Wiederlesen nach 20 Jahren betroffen“, so Egon Günther 1977 in einem Interview mit dem Hessischen Rundfunk, der sich damals darauf spezialisiert hatte, Defa-Produktionen ins westdeutsche Fernsehen zu bringen: „Die Sprache, die deutschen Zustände. Und was einen jungen Mann dieses Kalibers zur Strecke bringt, wollte ich wissen. Was einen umbringen kann. Bekäme man es heraus, man könnte besser auf Abhilfe sinnen. Die Bitte um Nachsicht ist in den Film mit eingebracht und die Bitte, es für sich selber zu bedenken.“
Aus mehreren Gründen also hat Egon Günther seiner „Lotte in Weimar“ von 1975 am 26. August 1976 im Ost-Berliner „International“ seine Adaption des Goethe-Briefromans „Die Leiden des jungen Werthers“ folgen lassen mit einem erstaunlich zurückgenommenen Hans-Jürgen Wolf in der Titelrolle und einer sehr verführerisch-lebenslustigen, aber auch sehr beherrschten Katharina Thalbach als Lotte. Dieser hochkarätig besetzten Co-Produktion mit dem Fernsehen der DDR war nur eine kurze Zeit in den Lichtspielhäusern der Bezirksfilmdirektionen beschieden, denn am 10. Dezember 1976 verließ die 22-jährige Katharina Thalbach den Arbeiter- und Bauernstaat an der Seite ihres Lebensgefährten Thomas Brasch. Den Pankower Machthabern war der Schriftsteller, Dramatiker und Übersetzer, der sich mit dem ausgebürgerten Wolf Biermann solidarisiert hatte, zu unbequem geworden. So konnte Günthers bemerkenswerte Romanadaption im Fernsehen der DDR nicht mehr wie vorgesehen zu Weihnachten 1976 gezeigt werden – und flimmerte erstmals am 26. Juli 1977 als Beitrag des Hessischen Rundfunks in der ARD über den Bildschirm.
Egon Günther hat weder in die Handlung noch in die Figuren eingegriffen, sondern das Ganze in unsere Gegenwart versetzt – zu der auch die Musik von Siegfried Matthus gerechnet werden muss (neben Mozarts Violinkonzert G-Dur). Katharina Thalbach, Hilmar Baumann und Hans-Jürgen Wolf sind keine Figuren aus Goethes Briefroman, sondern selbstreflektierende, beobachtende Menschen des 20. Jahrhunderts, die, man könnte es einen Brechtschen Verfremdungs-Effekt nennen, beiseite stehen, eine Distanz zum Geschehen haben. Was nicht heißt, dass etwa das Binnenverhältnis zwischen Lotte und Werther in kühler Konvention auf die Leinwand kommt, im Gegenteil: die gefühlsaufwallenden Szenen zwischen den lange unerklärt Liebenden sind ganz im heutigen Sinne handfest-direkt zu nennen.
Katharina Thalbach ist ein Geschöpf unserer Zeit, wenn sie als Lotte wie eine moderne junge Frau mit ihren Geschwistern umgeht, mit ihrem Verlobten spricht – und nicht zuletzt ihrem Vater, dem Amtmann. Auch das Pastorenpaar mit Gerhard Bienert als Pfarrer spricht heutige Dialoge, was auch für Wilhelm und Reinhard gilt, die gleich zu Beginn Werthers Briefe durchgehen und prophetisch den Wandel der Klassengesellschaft vorausahnen. Auch die sehr drastisch ausgemalte Geschichte des Knechts Richard, der aus enttäuschter Liebe zu seiner verwitweten Herrin zum Mörder wird, sowie die Schilderung der Knechtschaft, der stupiden Unterdrückungsmechanismen in der gräflichen Kanzlei und die herabwürdigende Art des Adels, die Werther als Bürgerlichen von ihrer Tischgesellschaft ausschließen, weisen in diese Richtung.
So ist Egon Günthers „Werther“ in Wahrheit gar keine Literaturverfilmung, sondern eine Neubearbeitung des Goethe-Stoffes, transponiert in unsere Zeit. Damit unterstreicht der Regisseur allerdings implizit die Aktualität der zweihundert Jahre alten Geschichte. „Der Mensch“, schrieb Goethe 1827, „abgesehen von der Herrschaft, in welcher die Passion ihn fesselt, ist noch von manchen notwendigen Verhältnissen gebunden. Wer diese nicht kennt oder in Liebe umwandeln will, der muß unglücklich werden.“
Im „Film für Sie“-Programmheft (21/1976) des Progress-Filmverleihs schrieb k.w.: „Nicht, wer Werthers Empfindungen, Gedanken und Schmerzen nie kannte, ist im wahrsten Sinn menschlich und glücklich zu nennen, sondern wer sie meistert und aufhebt in einer Umwelt, die dem Menschen und seiner Schöpferkraft freundlich ist. Hier liegen Sinn und Berechtigung einer heutigen Verfilmung in unserem Land, in unserer Gesellschaft.“
Als der Film erstmals im westdeutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde, trat Egon Günther unter Protest aus dem Verband der Film- und Fernsehschaffenden der DDR aus, weil eine allgegenwärtige Kultur-Bürokratie ihn daran hindere, bei der Defa bedeutende Gegenwartsstoffe zu realisieren. Dabei hatte der Präsident Konrad Wolf im Juliheft 1977 der Verbandszeitschrift „Film und Fernsehen“ den Defa-Regisseuren noch „Zaghaftigkeit“ bei Gegenwartsstoffen vorgeworfen. Was man als Zynismus interpretieren kann oder als verklausulierten Hinweis „zwischen den Zeilen“.
Pitt Herrmann