Unsterblicher Walzer

Deutschland 1939 Spielfilm

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Falk Schwarz
Der schöne Schein trügt
Warum macht dieser Film schlechte Laune? Ist es der Blick auf die Stabliste? Ein Nazi-Nahesteher (Emo), ein glühender Austro-Faschist als Drehbuchverfasser (Schreyvogel), die erste Produktion der Wien-Film, dem "Ostmark"-Ableger der NS-beherrschten UFA, in die Emo zwangsweise seine gerade gegründete eigene Firma einbringen musste? Oder ist es der Schauspieler Paul Hörbiger, der in seiner Rolle als Johann Strauss (Vater) ein Ekel ist. Er schreit, er tobt, er fährt auf seine drei Söhne Johann, Josef und Eduard herab mit einer Donnerstimme. Sie sollen keine Musiker werden, sondern einen "anständigen" Beruf erlernen. Der Wüterich verlässt die Familie und zieht zu seiner Modistin. Und komponiert den Radetzky Marsch. - Von der schockierenden Wirkung dieser ersten drastischen Szenen erholt sich der Zuschauer nur schwer. Nach Hörbiger schaut man nur noch in freundliche, aber leere Gesichter. Der "Schani", Johann Strauss (Sohn), wird zum Walzerkönig, betreibt Big Business mit seinem Orchester und streitet sich mit seinen Brüdern. Ebenfalls unerfreulich. Sein Bruder Josef steht in seinem Schatten, sie buhlen um dieselbe Frau. Und alle wollen teilhaben am Erfolg, am Geld. Die Konkurrenz zwischen den drei Brüdern eskaliert. Die Dreivierteltakt-Einlagen werden zur Nebensache, Walzerglück kommt nicht auf. Die Strauss Familie konnte zwar die Herzen mit ihrer Musik erweichen, aber besonders galant und menschlich traten sie nicht auf. Nun ist dieses Werk kein Dokumentarfilm, sondern Unterhaltung. Doch wo bleibt bei einer solchen Story das Heitere, Komische, ja auch das Berührende? Der Regisseur muss es selber gemerkt haben, dass ihm der Film entglitt. So liess er seinen Kameramann Hans Schneeberger ausgeklügelte Einstellungen finden, die mit spärlicher, aber im Fokus konzentrierter Lichtsetzung dem Film einen ehrgeizigen Rahmen geben. Die zum Schluß übereinander kopierten Tanzeinlagen erstaunen. Handwerkliche Finesse ändert nichts am Ergebnis: der Film räumt gründlich mit dem schönen Schein auf, dass die Straussens so gelebt haben wie ihre Musik es uns suggeriert hat: fröhlich, beschwingt, seelig gedreht im Walzerrausch. Es ist ein zorniger Film. Er war Emos zweiter Versuch, sich der Strauss Familie zu nähern. In "Petersburger Nächte" reist Johann in die zaristische Hauptstadt, feiert Triumphe und lässt eine Liebe zurück. Damals spielte Paul Hörbiger den Johann, hier ist er der tyrannische Vater. Eine kühne Wahl!

Credits

Regie

Darsteller

Produktionsfirma

Produzent

Alle Credits

Regie

Regie-Assistenz

Musikalische Leitung

Darsteller

Produktionsfirma

Produzent

Dreharbeiten

    • Maria am Gestade, Wien
Länge:
96 min
Prüfung/Zensur:

Prüfung: 22.08.1939

Aufführung:

Uraufführung: 24.08.1939

Titel

  • Originaltitel (DE) Unsterblicher Walzer

Fassungen

Original

Länge:
96 min
Prüfung/Zensur:

Prüfung: 22.08.1939

Aufführung:

Uraufführung: 24.08.1939