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Alle Fotos (6)Biografie
Ruth Ellen Weyher wurde am 28. Mai 1901 in Neumark, damals Westpreußen (heute Polen), geboren und wuchs zunächst in Danzig auf. 1914 zog die Familie nach Halle, wo Weyher die Kunstgewerbeschule besuchte. Da sie Opernsängerin werden wollte, wechselte sie bald ans Konservatorium Georg Friedrich Händel. Als sie diesen Karriereweg aufgrund einer schweren Erkrankung, die den Verlust ihrer Gesangsstimme nach sich zog, aufgeben musste, wechselte sie zur Schauspielerei.
Mit 16 Jahren ging Weyher nach Berlin, wo sie von April 1919 bis Juli 1920 die Schauspielschule des Deutschen Theaters besuchte. Während dieser Zeit gab sie ihr Filmdebüt mit einer tragenden Rolle in Richard Eichbergs "Die Tragödie der Manja Orsan" (1919). Ihr erstes Bühnenengagement hatte sie 1920 in München, doch Weyhers Hauptbetätigungsfeld war der Film.
Sie wirkte in zahlreichen Stummfilmen mit, wobei sie sehr schnell in Hauptrollen besetzt wurde. Sie war die Frau eines krankhaft eifersüchtigen Mannes (Fritz Kortner) in Artur Robisons (manchmal auch Arthur Robison) expressionistischem Klassiker "Schatten" (1923), gab in "Das alte Gesetz" (1923) die Hofdame von Erzherzogin Elisabeth Theresia (Henny Porten) und in "Komödie des Herzens" (1924) die Tochter eines Grafen. Sie spielte die Tänzerin und Schauspielerin Gaby Deslys in der Filmbiografie "Königsliebchen" (1924) und die Hippolyta in der Shakespeare-Adaption "Ein Sommernachtstraum" (1925).
In der Liebeskomödie "Heiratsannoncen" (1925) war Weyher eine frisch getrennte Ehefrau, in G.W. Pabsts psychoanalytischen Drama "Geheimnisse einer Seele" (1926) die Ehefrau des von Albträumen geplagten Protagonisten.
Vor allem wegen Rollen wie in letzteren beiden Filmen fühlte Weyher sich festgelegt: 1925 sagte sie dem Film-Kurier, dass sie "nicht immer das arme, bemitleidenswerte Geschöpf des Mannes, das in rührender Liebe und Demut das Haupt senkt" verkörpern wolle. Kurz darauf konnte sie in "Die keusche Susanne" (1926) als resolute Landarzt-Tochter ihr komödiantisches Talent unter Beweise stellen.
Bis Ende der 1920er Jahre sah man Weyher in einigen sehr unterschiedlichen Filmen. So etwa als Fabrikantentochter in "Das grobe Hemd" (1927), als falsche Baronin in "Die Hochstaplerin" (1927) und als verliebte Witwe in "Dr. Monnier und die Frauen" (DE/SE 1928). Mit ihrer eigenen Produktionsfirma Ruth Weyher-Film GmbH produzierte sie (als ersten und einzigen Film) die Komödie "Was ist los mit Nanette?" (1928), in der sie eine Doppelrolle spielte.
Gegen Ende ihrer rund 50 Filme umfassenden Laufbahn wirkte Weyher in zwei Tonfilmen mit: "Sei gegrüßt, Du mein schönes Sorrent" (1929) und "Im Kampf mit der Unterwelt" (1930), der ihr letzter Film blieb. 1932 heiratete sie den Münchner Druckereibesitzer und Verleger Hans Geiselberger und zog sich von der Schauspielerei zurück. Über Jahre hinweg ein Publikumsliebling, geriet sie bald in Vergessenheit.
Am 27. Januar 1983 starb Ruth Weyher in München-Bogenhausen.