Fräulein Casanova

Österreich 1952 Spielfilm

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Falk Schwarz
Wer betrügt hier wen?
Eines muss man E.W. Emo lassen: wenn er die richtigen Schauspieler hatte, zündeten seine Filme wie Feuerwerk. Hier sind es vor allem Josef Meinrad, Gertrud Kückelmann, Paul Henckels und Loni Heuser, die brillieren. Schon die Anfangssequenz macht Freude. Kückelmann und ihr Freund zeigen als Film-Verlobte auf ihrer eigenen Feier ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter. Kein Wunder, sie sollen sich verbinden, weil die Eltern ihre Firmen zusammenlegen möchten. Filmmutter Loni Heuser: "Liebe kommt schon mit der Ehe". Dann ist da der Meinrad Josef (so zeichnete er seine Autogramme), der zwar im Film Liebesromane schreibt, aber selber zu schüchtern ist, um mit einer Frau anzubändeln. Sein Freund bestärkt ihn: versuch es mal mit einer Zeitungsanzeige. Er tut es und wer erscheint zum Rendezvous? Die Qual-Verlobte dieses Freundes. Jetzt treffen sich alle in einem Ferienhaus mitten im Wald und das Versteck- und Verwechslungsspiel beginnt. Nun ist "die" Kückelmann beim Dreh grade mal 23 Jahre alt, während ihr Film-Galan "Pepi" Meinrad immerhin schon 39 Jahre zählt - aber er spielt diesen Unterschied so treffsicher beiseite, dass man gar nicht darauf kommt, dass die Beiden 16 Jahre trennen. Meinrad, Burgschauspieler, geliebt, mit Applaus verwöhnt wie kein anderer, findet sich in die Rolle des zögerlichen Liebhabers mit Verve. Egal, wie groß oder klein seine Filmrollen waren, er machte immer etwas Besonderes daraus. Es war dieses "Mehr", das er seinen Rollen gab, die deshalb niemals nur seicht wirkten. Paul Henckels, hier als Alt-Casanova, versucht, seine aufdringliche Ehefrau zu betrügen und wird dann doch nur von Angelika Hauff demütigend belächelt. "Du alter Tor, Du!" Wenn Henckels sich das Lachen verkneifen muss, entsteht Komik. Er darf sich als Schwindler und Schuft bezeichnen lassen und lächelt die Attacke mühelos weg. Natürlich wird auch wieder das Thema Korruption angesprochen - Emo liebt es. Der Portier (Ernst Waldbrunn) hat keine Zimmer mehr in dem Hotel, aber wenn man ihm genügend Hundert-Schillingscheine zusteckt, lächelt er ganz ungeniert und findet doch eine Bleibe (hier merkt man natürlich, dass Helmut Qualtinger das Drehbuch mit schrieb). Dass sich zum Schluss alle alten und neuen Paare wieder versöhnen, ist Lustspielgesetz. Wir Zuschauer jedoch verlassen leichten und beschwingten Schrittes den Kinosaal. War nicht zum Schenkelschlagen komisch, aber wir haben uns doch prächtig amüsiert. Emo hätte es gefallen.

Credits

Alle Credits

Länge:
2552 m, 93 min
Format:
35mm, 1:1.33
Bild/Ton:
s/w, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 17.12.1952, ab 16 Jahre

Aufführung:

Uraufführung (DE): 09.01.1953, Stuttgart;
Uraufführung (AT): 13.02.1953, Wien

Titel

  • Originaltitel (AT) Fräulein Casanova

Fassungen

Original

Länge:
2552 m, 93 min
Format:
35mm, 1:1.33
Bild/Ton:
s/w, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 17.12.1952, ab 16 Jahre

Aufführung:

Uraufführung (DE): 09.01.1953, Stuttgart;
Uraufführung (AT): 13.02.1953, Wien