Oskar Fischinger

Oskar Fischinger

Regie, Kamera, Bauten, Ton, Sonstiges, Produzent
*22.06.1900 Gelnhausen; †31.01.1967 Hollywood, Kalifornien, USA

Biografie

Oskar Fischinger wird am 22. Juni 1900 in Gelnhausen bei Frankfurt/Main geboren, wo seine Familie eine Drogerie und eine Gastwirtschaft besitzt. Als Schüler erlernt er das Geigenspiel und beginnt eine Lehre bei einem Orgelbauer, der jedoch zum 1. Weltkrieg eingezogen wird. Fischinger beginnt eine neue Lehre als Zeichner beim Stadtbaumeister von Gelnhausen. Im Februar 1916 zieht er nach Frankfurt, um dort in der Turbinenfabrik Pokorny & Wittekind seine Lehre fortzusetzen, die er als Maschinenbau-Techniker abschließt. Im August 1922 erhält er ein Zeugnis als Ingenieur.

Im April 1921 – bei der Weltpremiere von Walther Ruttmanns "Lichtspiel Opus I." in Frankfurt – macht Dr. Bernhard Diebold Fischinger mit Ruttmann bekannt. Fischinger berichtet von seiner Idee zu einer arbeitssparenden Animations-Maschine: Von einem präparierten Wachsblock werden dünne Scheiben abgeschnitten und dies mit Einzelbildschaltung aufgenommen, sodaß sich im Film ein "lebendiger" Querschnitt durch den Wachsblock ergibt. Obwohl Ruttmann mit seinem Studio nach München zieht, bleibt Fischinger mit ihm in brieflichem Kontakt und schließt im November 1922 mit Ruttmann einen Lizenzvertrag für eine dieser Wachs-Maschinen.

In der Zwischenzeit beginnt Fischinger Animations-Versuche mit dreidimensionalen abstrakten Wachsfiguren und mit verwirbelten Farbflüssigkeiten. Dr. Diebold regt Fischinger an, einen Film aus abstrakten Diagrammen zu machen, die er im Dezember 1921 für einen Vortrag über die Dynamik in Shakespeares "Was ihr wollt" entworfen hat.

Nach Erhalt seines Ingenieurs-Zeugnisses zieht Fischinger nach München, um sich ganz dem Filmmachen zu widmen. Neben seinen eigenen abstrakten Filmen, die er mit der Wachs-Maschine und anderen Animationstechniken herstellt, produziert Fischinger gemeinsam mit Louis Seel ein halbes Dutzend gegenständlicher Cartoon-Filme in der Rotoscope-Technik. Mit dem Komponisten Alexander Lászlo entwickelt er "Farblichtmusik", eine Lightshow mit Mehrfachprojektionen, die in Kinos und Ausstellungen gezeigt wird.

Im Juni 1927 zwingen finanzielle Schwierigkeiten der Firma Louis Seel & Co Fischinger, München zu verlassen. Er wandert nach Berlin, wo er nur schwer Arbeit findet. Im Juli 1928 dreht er bei der Ufa Spezial-Effekte für Fritz Langs Science fiction-Film "Die Frau im Mond". Ein Jahr später bricht er sich auf dem Ufa-Gelände ein Bein und nimmt dies als ein Zeichen, sich ganz seinen abstrakten Filmen zu widmen.


In den nächsten drei Jahren produziert er eine Serie präzise zu Musikstücken synchronisierter, schwarz-weißer "Studien". Diese Filme werden mit so großem Erfolg in Europa, Japan und Amerika gezeigt, daß Fischinger im Jahre 1932 seinen Bruder Hans, seine Ehefrau Elfriede und drei Mädchen in seinem Fischinger-Studio beschäftigen kann.

Der Erfolg erlaubt es ihm auch, seinen Experimenten mit gezeichnetem, synthetischen Ton nachzugehen und in Zusammenarbeit mit Bela Gaspar an der Entwicklung eines subtraktiven 3-Farben-Film-Verfahrens – "Gasparcolor" – zu arbeiten, das es ihm ermöglicht, im Dezember 1933 seinen ersten Farbfilm "Kreise" zu vollenden.

Fischingers folgende Farbfilme "Muratti greift ein" und "Komposition in Blau" sind bei Kritik und Publikum ein so großer Erfolg, daß Paramount ihm einen Vertrag anbietet. Im Februar 1936 fährt er nach Hollywood, um niemals mehr nach Deutschland zurückzukehren.

Fischingers unabhängiges Temperament und Sprachschwierigkeiten machen für ihn die Arbeit in einer Studio-Situation extrem schwer, obwohl er sie mehrmals auf sich nimmt: bei Paramount (1936), M-G-M (1937) und Disney (1938-39), sowie etwas später (1941-42) bei Orson Welles für ein nicht realisiertes Projekt.

Frustriert, nicht wie in Berlin unabhängig Filme produzieren zu können, beginnt er Ölbilder zu malen und kommt durch den Erfolg seiner Gemälde unter die Patronage von Hilla Rebay, der Kuratorin der Solomon Guggenheim-Stiftung, die ihm mit mehreren Stipendien über die schweren Kriegsjahre hilft. Rebay und Fischinger geraten über den künstlerischen Wert seines Films "Motion Painting No. 1." (1947) in Streit und er erhält nie wieder – von Rebay oder aus anderen Quellen – genügend finanzielle Unterstützung, um einen Film zu vollenden.

Die letzten zwanzig Jahre seines Lebens ist Fischinger gezwungen, seine Aktivitäten auf zahllose unrealisierte Projekte, seine Ölgemälde (die in Dutzenden von Ausstellungen gezeigt werden) und den Lumigraph zu beschränken, ein Lightshow-Gerät für den Hausgebrauch, das er in den frühen 50er Jahren erfindet, ohne es jedoch kommerziell auswerten zu können.

Er stirbt nach einigen Jahren Krankheit am 31. Januar 1967 in Hollywood.

CineGraph Lexikon zum deutschsprachigen Film
© 1984ff edition text+kritik im Richard Boorberg Verlag, München

Filmografie

1953 Muntz TV
Regie
 
1947 Motion Painting No. 1
Regie, Produzent
 
1943 Radio Dynamics
Regie, Produzent
 
1941 American March
Regie, Produzent
 
1937 An Optical Poem
Regie
 
1936 Allegretto
Regie
 
1935 Lichtkonzert Nr. 2
Regie, Produzent
 
1934/1935 Komposition in Blau
Regie, Produzent
 
1934/1935 Muratti Privat
Regie, Produzent
 
1934 Muratti greift ein
Regie
 
1934 Quadrate
Regie, Produzent
 
1934 Euthymol
Regie
 
1934 Muratti
Regie, Produzent
 
1933/1934 Studie 11a
Regie, Produzent
 
1933/1934 Studie 13
Regie, Produzent
 
1933 Alle Kreise erfaßt Tolirag
Regie, Produzent
 
1933 Studie 14
Regie, Produzent
 
1932 Studie 12
Regie
 
1932 Experimente mit synthetischem Ton
Regie, Animation, Ton, Produzent
 
1931/1932 Studie 11
Regie, Produzent
 
1931 Studie 8
Regie, Produzent
 
1931 Studie 9
Regie, Produzent
 
1931 Liebesspiel
Regie, Produzent
 
1930/1931 Studie 7
Regie, Produzent
 
1930-1932 Studie 10
Regie, Produzent
 
1930 Studie 6
Regie, Produzent
 
1930 Studie 5 (R. 5. Ein Spiel in Linien)
Regie, Produzent
 
1930 Studie 3
Regie, Produzent
 
1930 Studie 4
Regie, Produzent
 
1930 Das Hohelied der Kraft
Spezialeffekte
 
1929/1930 Studie 2 (Tanzende Linien)
Regie, Produzent
 
1929 Studie 1
Regie, Produzent
 
1928/1929 Frau im Mond
Optische Spezialeffekte
 
1928 Der Unüberwindliche
Optische Spezialeffekte
 
1927/1928 Dein Schicksal!
Bauten
 
1927 R-1. Ein Formspiel
Regie
 
1927 München-Berlin Wanderung
Regie
 
1926/1927 Der Weltkrieg. 2. Des Volkes Not
Optische Spezialeffekte
 
1926/1927 Sintflut
Optische Spezialeffekte
 
1926-1930 Seelische Konstruktionen
Regie, Produzent
 
1926 (ca.) Spiralen
Regie, Produzent
 
1924/1925 Münchener Bilderbogen: Amor und Almanach Nr. 1
Regie
 
1924 Münchener Bilderbogen: Amor und Almanach Nr. 2
Regie
 
1924 Münchener Bilderbogen: Pierette Nr. 1
Regie
 
1924 Münchener Bilderbogen: Pierette Nr. 2
Regie
 
1923-1927 Wachsexperimente
Regie, Produzent
 
1921-1922 Stromlinien
Regie, Produzent