Weitere Namen
Michael Curtiz (Weiterer Name) Manó Kertész Kaminer (Weiterer Name) Manó Kaminer (Geburtsname) Mihály Kertész Kaminer (Weiterer Name)
Regie, Drehbuch, Produzent
Budapest, Ungarn Los Angeles, Kalifornien, USA

Biografie

Mihály Kertész, besser bekannt unter dem Namen Michael Curtiz, den er in den Vereinigten Staaten annahm, wurde am 24. Dezember 1886 in Budapest (damals noch Österreich-Ungarn) geboren. Über seine frühen Jahre ist wenig bekannt; sporadische Aussagen Curtiz' dazu waren oft widersprüchlich. Wahrscheinlich stammt er aus einer jüdischen Familie der Mittelklasse, die Mutter war wohl Sängerin, der Vater Zimmermann. In der Adoleszenz trat er anscheinend kurzzeitig einem Wanderzirkus bei. Darauf folgte das Studium der Schauspielerei an der Budapester Königlichen Akademie für Theater und Kunst. Nach Beendigung des Studiums im Jahre 1906 trat er dem Ungarischen Nationaltheater in Budapest bei, wo er 1910 sein Bühnendebüt als Schauspieler absolvierte. In den nächsten Jahren spielte er in diversen Theaterproduktionen und führte aller Wahrscheinlichkeit nach auch Regie.

1912 folgte seine erste Filmrolle in der ungarischen Produktion "Ma és holnap", bei der er vermutlich auch den Posten des Regisseurs übernahm. Zahlreiche weitere Regiearbeiten folgten. 1913 verbrachte er sechs Monate in Dänemark, wo er als Darsteller und Regieassistent an August Bloms Gerhart-Hauptmann-Verfilmung "Atlantis" mitwirkte. Curtiz kehrte kurz darauf nach Österreich-Ungarn zurück, wurde als Soldat eingezogen und kämpfte im 1. Weltkrieg. Noch während des Kriegs 1915 kehrte er jedoch nach einer Verwundung zur Filmarbeit zurück. Im selben Jahr heiratete er die ungarische Schauspielerin Lucy Doraine (Auflösung der Ehe: 1923). 1917 wurde er Direktor der ungarischen Produktionsfirma Phoenix-Studios. Curtiz verließ jedoch das nun unabhängig gewordene Ungarn im Jahr 1919, da dessen Filmindustrie von den dort kurzzeitig regierenden Kommunisten verstaatlicht wurde. Nun in Österreich tätig, inszenierte er als Michael Kertesz Filme für die Firma Sascha-Film, unter anderen die auf biblischen Geschichten basierenden Großproduktionen "Sodom und Gomorrha" (1922) und "Die Sklavenkönigin" (1924).

Durch diese Produktionen auf Curtiz aufmerksam geworden, lud der amerikanische Produzent Jack Warner, Direktor der Warner Brothers Filmstudios, ihn in die USA ein, um für seine Firma als Regisseur zu arbeiten. Dies war der Beginn einer 28 Jahre währenden Zusammenarbeit, in deren Verlauf Curtiz zum wichtigsten künstlerischen Aushängeschild des Studios werden sollte. Der erste Film der Partnerschaft war "The Third Degree" ("Sensation im Zirkus", 1926) mit Dolores Costello. Im Jahr 1929 schloss er seine zweite Ehe mit der Amerikanerin Bess Meredyth, mit der er bis 1960 verheiratet blieb. Curtiz' erster Tonfilm wurde die Produktion "Tenderloin" aus dem Jahre 1928. Darauf folgte das berühmte, von D.W. Griffith's "Intolerance" (1916) inspirierte Bibel-Epos "Noah's Ark" ("Die Arche Noah" / "Das Drama der Sintflut", 1928), welches parallel von der Sintflut und einer während des 1. Weltkriegs spielenden Romanze erzählt. 1930 entstand Curtiz' erster Farbfilm: das Musical "Mammy" mit Al Jolson. Es folgten neben vielen weiteren Produktionen die heute als Klassiker des Horrorfilms geltenden "Doctor X" ("Der geheimnisvolle Dr. X", 1932) und der danach mehrfach neu verfilmte "Mystery of the Wax Museum" ("Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts", 1932). 1933 erhielt Curtiz die amerikanische Staatsbürgerschaft.

1935 drehte Curtiz den ersten von zwölf Filmen mit Errol Flynn in der Hauptrolle: das Piratenepos "Captain Blood" ("Unter Piratenflagge"). Flynn, oft an der Seite von Olivia de Havilland, wurde durch die Werke in Curtiz' Regie zum Star. "Captain Blood" ist zudem ein Meilenstein des so genannten "Swashbuckler"-Genres, das im Deutschen meist "Mantel- und Degenfilm" genannt wird. Weitere Beiträge des Duos Curtiz/Flynn in diesem Genre sind "The Adventures of Robin Hood" ("Die Abenteuer des Robin Hood", 1938) und "The Sea Hawk" ("Der Herr der sieben Meere", 1940). Ebenfalls mit Flynn in der Hauptrolle entstanden der historische Abenteuerfilm "The Charge of the Light Brigade" ("Der Verrat des Surat Khan", 1936), sowie die Western "Dodge City" ("Herr des Wilden Westens", 1939), "Virginia City" ("Goldschmuggel in Virginia"", 1940) und "Santa Fe Trail" ("Land der Gottlosen", 1940). 1941 endete die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Flynn, der sich über die autoritäre und herabwürdigende Behandlung durch Curtiz beschwerte, während dieser die Undiszipliniertheit Flynns beklagte.

1941 konnte Curtiz einen weiteren Erfolg verbuchen mit der Verfilmung von Jack Londons "The Sea Wolf" ("Der Seewolf") mit Edward G. Robinson in der Rolle des brutalen Wolf Larsen. Mit James Cagney hatte Curtiz bereits 1938 den zum Klassiker des Gangsterfilms avancierenden "Angels with Dirty Faces" ("Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern") gedreht, 1942 folgte das patriotische Filmmusical "Yankee Doodle Dandy" (1942), eine Film-Biographie über den Komponisten, Schauspieler und Broadway-Produzenten George M. Cohan, für dessen Darstellung Cagney den Oscar® erhielt. 1942 folgte Curtiz' berühmtestes und zeitlosestes Werk: die tragische Kriegsromanze "Casablanca" mit Humphrey Bogart und Ingrid Bergman in den Hauptrollen sowie Exilanten wie Peter Lorre, Conrad Veidt und Curt Bois in prägnanten Nebenrollen. Für diesen Film erhielt er 1942 den Oscar® für die beste Regie. "Casablanca" gilt als eines der großen Werke des klassischen Hollywood-Studiosystems und wurde zum Kultfilm.

1945 folgte das vom Film Noir inspirierte Melodrama "Mildred Pierce" ("Solange ein Herz schlägt") mit Joan Crawford in der oscar®-prämierten Hauptrolle. Danach drehte Curtiz den ersten Film mit Sängerin Doris Day als Schauspielerin: "Romance on the High Seas" ("Zaubernächte in Rio", 1948). 1954 endete (trotz einer kurzen Rückkehr für den Dreh von "The Helen Morgan Story" - "Ein Leben im Rausch", 1957) Curtiz' erfolgreiche Karriere bei Warner Brothers aufgrund von Streitigkeiten über die Entlohnung: Curtiz sollte eine 50-prozentige Gehaltskürzung hinnehmen, was er verweigerte. Curtiz drehte nun abwechselnd für verschiedene Studios, so auch für Paramount Pictures, für die er das Weihnachtsmusical "White Christmas" ("Weiße Weihnachten", 1954) mit Bing Crosby und Danny Kaye (Curtiz' kommerziell erfolgreichstes Werk), die Komödie "We're No Angels" ("Wir sind keine Engel", 1955) mit Humphrey Bogart und Peter Ustinov sowie den Musikfilm "King Creole" ("Mein Leben ist der Rhythmus", 1958) mit Elvis Presley realisierte.

Michael Curtiz starb am 11. April 1962 in Hollywood an Krebs, nur sechs Monate nach der Veröffentlichung seines letzten Filmes, des Westerns "The Comancheros" ("Die Comancheros") mit John Wayne.

Michael Curtiz wurde oft als reiner Filmhandwerker abgewertet, erfolgreich in unterschiedlichsten Genres, doch ohne persönlichen Stil oder eigene Themen. Neuere Perspektiven auf sein Werk zeigen jedoch Grundzüge eines distinkten visuellen Stils mit oft fließenden Kamerabewegungen und komplexer Bildgestaltung – Sydney Rosenzweig untersucht dies beispielsweise in seinem Buch "Casablanca and Other Major Films of Michael Curtiz" (1982) -, sowie die thematische Beschäftigung mit dem Archetyp des idealistischen (oft auch zum Zyniker gewordenen) Helden, welcher im Konflikt mit der Gesellschaft bzw. tyrannischen Mächten steht und ein großes persönliches Opfer bringen muss, um im Einklang mit seinen Idealen zu bleiben – so beschreibt es etwa die Zeitschrift "Focus on Film" (No.23, 1975/76).

Autor: Sebastian Uttenreuther

Dieser Text wurde im Rahmen des Masterstudiengangs "Filmkultur - Archivierung, Programmierung, Präsentation" erstellt, der von der Goethe-Universität Frankfurt am Main und dem Deutschen Filminstitut gemeinsam angeboten wird.

 

FILMOGRAFIE

1949
  • Regie
  • Executive Producer
1948
  • Regie
  • Produzent
1942
  • Regie
1933
  • Regie
1925/1926
  • Regie
1924/1932
  • Regie
1923/1924
  • Regie
1923
  • Regie
1923
  • Regie
1922
  • Regie
  • Drehbuch
1922
  • Regie
  • Drehbuch
1920/1921
  • Regie
1920
  • Regie
  • Drehbuch
1920
  • Regie
  • Drehbuch