Lore Leudesdorff

Regie-Assistenz, Bauten, Sonstiges

Biografie

Lore Leudesdorff wird am 16. August 1902 in Wuppertal-Elberfeld geboren. Zum Wintersemester 1921/22 beginnt sie ihr Studium am Weimarer Bauhaus, absolviert den Vorkurs Johannes Ittens und wird im April 1922 in die Weberei, eine reine Frauenklasse, aufgenommen. Prägend wirken beispielsweise die Einflüsse Georg Muches und Paul Klees, in ihren textilen Arbeiten sind serielle, rhythmisierte Muster, Grundformen und -farben sowie flächige Gestaltungen vorherrschend. 1923 arbeitet Leudesdorff in der Reklameabteilung des Bauhauses mit, in der offenen Druckwerkstatt experimentiert sie mit verschiedenen Drucktechniken.

Sie verlässt das Bauhaus 1925 ohne formalen Abschluss, der den Weberinnen nicht möglich war, und zieht im Herbst 1925 nach Berlin, wo sie Walther Ruttmann kennenlernt. Zusammen arbeiten sie für die Scherenschnittkünstlerin und Animationsfilmproduzentin Lotte Reiniger am Film "Die Abenteuer des Prinzen Achmed" (1926) und schaffen unter anderem die Hintergründe für die Vorstellung der einzelnen Figuren zu Beginn des Films. Leudesdorff und Ruttmann produzieren ab 1924 zusammen die abstrakten Trickfilme "Ruttmann Opus III" und "Opus IV" (1925). Der gestalterische Einfluss von Leudesdorff zeigt sich in der – im Unterschied zu Ruttmanns vorherigen Filmen "Opus I" (1921) und "Opus II" (1922) – abstrakteren, vor allem geometrischen Formensprache; sie transferiert ihren vom Bauhaus geprägten Stil vom Textilen ins Filmische.

Ruttmann und Leudesdorff produzieren für Julius Pinschewer mehrere Werbefilme, mittels aufwändiger Virage- und Handkolorierungstechnik können sie polychrome Filme in einer noch vom Schwarz-Weiß-Film geprägten Zeit her stellen. "Das wiedergefundene Paradies" (1925) und "Der Aufstieg" (1926) lassen eine deutliche Verwandtschaft zu den Opus-Filmen erkennen, basieren sie doch ebenfalls auf geometrischen Formen vor dunklem Grund. In "Spiel der Wellen" (1926), einem Werbefilm für die Große Ausstellung Düsseldorf 1926 für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen (GeSoLei), mischen sich abstrahierte mit organischeren Elementen. Die letzte gemeinsame Produktion Walther Ruttmanns und Lore Leudesdorffs ist der Querschnittfilm "Berlin. Die Sinfonie der Grossstadt" (1927), in dem auf abstrakte Einleitungssequenzen schließlich gegenständliche Darstellungen folgen. Im Stil der Neuen Sachlichkeit wird gesellschaftliche Wirklichkeit möglichst wertfrei gezeigt, großstädtischer Alltag und fortschreitende Technisierung stehen im Mittelpunkt.

Danach trennen sich die Wege der beiden. Leudesdorff richtet sich beruflich wie privat neu aus und bekommt 1928 einen Sohn. 1932 macht sie sich mit einem eigenen Atelier in Berlin selbstständig und konzentriert sich auf Textildruckdesign. Auch nach dem Krieg führt sie ihr Unternehmen fort. Ihre Designs orientieren sich nun eher am verspielten pastelligen Zeitgeschmack des westdeutschen Wirtschaftswunders als am Bauhaus. Zu Beginn der 1950er Jahre ist sie gezwungen, sich neuen Techniken zuzuwenden: Eine Augenkrankheit, die sie schließlich erblinden lässt, verhindert weiteres grafisches Schaffen. Leudesdorff konzentriert sich nun auf haptisch erfahrbare Techniken wie Kaltnadelradierung und Bronzeguss. Im Lauf der 1970er Jahre stellt Leudesdorff ihr künstlerisches Schaffen ein, zum Film kehrt sie nie zurück. Sie stirbt 1986 in Berlin.

Ausgewählte Literaturhinweise 

Jeanpaul Goergen (Hg.): Walter Ruttmann. Eine Dokumentation. Berlin: Freunde der Deutschen Kinemathek 1989.

René Leudesdorff: Biografie Lore Ribbentrop-Leudesdorff 1902–1986. Flensburg 2009. Diese bisher unveröffentlichte Kurzbiografie wurde von Lore Leudesdorffs Sohn René Leudesdorff erstellt.

Quelle:

Berten, Daria; Haupts, Annika; Heizmann, Anna; Jaspers, Kristina (Hg.): Weimar, weiblich. Filmpionierinnen des Kinos der Moderne (1918-1933). München: Edition text+kritik 2025 (Film Erbe, Bd. 7).

FILMOGRAFIE

1926
  • Regie-Assistenz
1926
  • Regie-Assistenz
1923-1926
  • Bauten Sonstiges
1925
  • Regie-Assistenz
1925
  • Regie-Assistenz
1923-1925
  • Regie-Assistenz