Weitere Namen
Heidi Bertha Auguste Kabel (Geburtsname)
Darstellerin
Hamburg Hamburg

Biografie

Heidi Kabel wurde am 27. August 1914 in Hamburg geboren und wuchs in einer gutbürgerlichen, alt-hanseatischen Kaufmannsfamilie auf. Der Vater betrieb eine Buchdruckerei in der Innenstadt und war ein Anhänger der Nieder- bzw. Plattdeutschen Sprache. Ihre ursprüngliche Absicht, Pianistin zu werden, änderte die 17jährige, als sie eine Freundin zu einem Vorsprechtermin im – 1902 von Richard Ohnsorg gegründeten – Ohnsorg-Theater begleitete. Heidi Kabel erhielt ein Engagement an der niederdeutschen Bühne und hatte ihren ersten Auftritt in dem Stück "Ralves Carstens". Sie sollte dem Haus über die gesamte Dauer ihrer jahrzehntelangen Karriere treu bleiben.

1937 heiratete Heidi Kabel den ebenfalls am Ohnsorg-Theater beschäftigten Regisseur und Schauspieler Hans Mahler (1900-1970). Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor, darunter die Schauspielerin Heidi Mahler, die später oft an der Seite ihrer Mutter in Inszenierungen auftreten sollte. Nachdem Hans Mahler 1949 die Leistung des Theaters übernahm, erweiterten sich auch das Repertoire der Bühne und das Rollenspektrum Heidi Kabels.

Ab 1954 wurden die Aufführungen regelmäßig für das Fernsehen aufgezeichnet und zu prominenter Sendezeit ausgestrahlt, was eine immense, überregionale Popularität des Hauses und seiner Stars zur Folge hatte. Heidi Kabel war dabei – neben anderen Publikumslieblingen wie Henry Vahl – das Aushängeschild der Ohnsorg-Bühne, deren Stücke für die Fernsehübertragungen im dem Standarddeutschen angepassten "Missingsch" vorgetragen wurden.

 

Insgesamt spielte Heidi Kabel in über 250 Theaterstücken mit, darunter in Publikumserfolgen wie "Seine Majestät Gustav Krause", "Der Trauschein", "Manda Voss ward 106", "Die Kartenlegerin", "De Börgermeisterstuh", "Mudder Mews", "Tratsch im Treppenhaus", "Mein Mann, der fährt zur See" und "Kein Auskommen mit dem Einkommen".

Sporadisch trat die beliebte Volksschauspielerin auch in Kinoproduktionen auf, so etwa in dem Heimatfilm "Wenn die Heide blüht" (1960), an der Seite von Heinz Erhardt in dem Leinwandklamauk "Klein Erna auf dem Jungfernstieg" (1969) und – in einer charmanten Altersrolle – in Detlev Bucks Kinderfilm "Hände weg von Mississippi" (2006/2007). Auch im Fernsehen war sie neben den Ohnsorg-Aufzeichnungen präsent: Sie wirkte unter anderem in den Fernsehserien "Hafenpolizei" und "Kleinstadtbahnhof" mit, und war Star der Krimiserie "Tante Tilly" sowie – zusammen mit der bayerischen Schauspielerin Erni Singerl – des erfolgreichen Formats "Heidi und Erni".

Neben ihrer schauspielerischen Tätigkeit engagierte sich Heidi Kabel Zeit ihres Lebens für soziale und gemeinnützige Einrichtungen und beteiligte sich aktiv und kritisch an tagespolitischen Debatten. Sie setzte sich für Alten- und Behindertenheime ein, stritt für die Rechte von Asylbewerbern und sprach sich für eine Entkriminalisierung des Hamburger Rotlichtmilieus und den rechtlichen Schutz von Prostituierten aus. Eigentlich stets erklärte Anhängerin der SPD, warb sie im Wahlkampf 1997 für die Grünen.

Für ihre künstlerische Arbeit und ihr vielfältiges soziales Engagement erhielt Heidi Kabel über die Jahre hinweg zahlreiche Auszeichnungen, darunter die Goldene Europa (1975), die Bürgermeister-Stolten-Medaille für Kunst und Wissenschaft (1981), die Biermann-Ratjen-Medaille (1985), die Goldene Kamera (1985) und den Bambi (1990 und 2004). Sie wurde zudem zur Ehren-Schleusenwärterin und zur Ehrenkommissarin der Hamburger Polizei ernannt. Entsprechend der hanseatischen Tradition lehnte sie allerdings die ihr angetragenen Bundesverdienstorden ab.

Auch als Sängerin profilierte sich Heidi Kabel, wobei sie insbesondere mit ihren Interpretationen von traditionellen Hamburger Liedern wie "An de Eck steiht’n Jung mit’n Tüdelband" Erfolge feiern konnte. Mit einer letzten, ausgedehnten Deutschland-Tournee leitete Heidi Kabel 1997 ihren Abschied von der Bühne ein. Ihre Lebenserinnerungen veröffentlichte sie in dem Buch "Manchmal war es nicht zum Lachen" und dem zehn Jahre später erschienenen "Wo sind nur die Jahre geblieben?".

Als sich ihr Gesundheitszustand verschlechterte, zog sich Heidi Kabel weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Ab 2003 lebte sie in einem Senioren-Wohnheim im Hamburger Stadtteil Othmarschen. Dort verstarb Heidi Kabel am 15. Juni 2010 im Alter von 95 Jahren.