Der Bootgott vom Seesportclub - Die 100 ME - Teil 1

Deutschland 2005 Dokumentarfilm

Enkis Comeback

Der "Bootgott vom Seesportclub" im Münchner Filmmuseum

Fritz Göttler, Süddeutsche Zeitung, 14.9.2006

Nie wird man wie früher neu anfangen können ... Das ist eine traurige Bilanz, zu Beginn eines Films. Es geht dabei um die ganz große Geschichte, um Menschheitsgeschichte, weit in die Zeit vor der Sintflut hinein. Als die Götter sich ungeniert unter die Menschen mengten, in den Tempeln in ihren Städten wohnten, Und den Menschen praktische Anregungen gaben, wie sie so richtig menschlich werden können. Das war einmal - nun gibt es Tendenzen, die alten Schriften zu unterdrücken und zu zerstören. Plünderer wüten in den alten Bibliotheken.

Einer der Götter taucht wieder auf zu Beginn dieses Films und tritt zurück ans Land - das ist Enki, der Herr des Wassers, und er bewegt sich nun in der Gestalt von Steffen Enkert unter den Menschen, im neuen Zweistromland, zwischen Oder und Spree, am Ufer des kleinen Scharmützelsees, südlich von Berlin, der ideal ist für das 5000m-Kutter-Rudern. Und Enki sorgt erst mal dafür, dass der Film, der sich ihm widmet, einen Titel bekommt: "Der Bootgott vom Seesportclub - 100 ME, Teil 1". Am Donnerstag um 19 Uhr läuft er im Münchner Filmmuseum, vorgestellt vom Filmemacher Robert Bramkamp, der zuletzt in "Prüfstand 7" eine weibliche V2-Rakete ihr Schicksal reflektieren ließ.

Der neue Enki fängt ganz unten an, als ABMler, mit den einfachsten Arbeiten und Angelegenheiten im Seesportclub Wendisch Rietz. Und es ist schön, den Menschen dort zuzuschauen, beim Rudern und beim Träumen und über ihre Maschinen gebeugt die Boote und die Werkbänke (und wenn sie Mühsal und Worte aufwenden, wird ein Rhythmus, ein Sinn, eine Ruhe geboren). Was Robert Bramkamp hier macht, hat mit dem zu tun, was Straub/Huillet oder James Benning machen, was Jean Renoir oder John Ford machten oder der alte Robert Flaherty. Seine wichtigste Aufgabe, sagt Enki, sei es, an möglichst viele andere zu delegieren, ein Netz der Kommunikation zu spannen, der community, der Gemeinschaft. Die Mischungen, die Monstren erzeugen - wir wissen es -, "sind im Kino nicht nur erlaubt, sie sind, wenn man es recht bedenkt, sein Gesetz. . . Vor allem seitdem die Leinwand redet, wimmelt es von Chimären und Kentauren und Werwölfen. Sogar Götter wandeln zuweilen wieder unter den Menschen." (Frieda Grafe) Dies ist ein Film, bei dem nicht über seine Konzeption, seine Entstehung erzählt werden muss, sondern vor allem über seine Zukunft. Er ist Teil eines Internet-Projekts, das Robert Bramkamp am Donnerstag vorstellen wird (Informationen auf www.enki100.net).