Summary
The Third
Margit Fliesser is a woman in her mid-thirties who works as a mathematician in a medium-sized company; she has two children and has been divorced twice. Her colleagues like her, respect her professional skills and accept her peculiar attributes; she is somewhat shy and rather repressed.
The reason for this lies in her past, not least in her childhood. Following her mother′s premature death, Margit becomes a nurse trainee in a Protestant order but at some point she realizes that this vocation is not really fulfilling. She then enters a university preparatory college where she studies with a lecturer, who later becomes her first husband. Bachmann, however, is not only her first great love, but also her first great disappointment. Her second relationship - to a blind man - turns out to be a let-down as well. She now decides to take things into her own hands. She picks her "third man" herself, no longer leaving it up to fate to make decisions for her. Although this involves considerable efforts on her part - and calls for the help of her friend Lucie - Margit achieves her goal: she wins over her colleague, Hrdlitschka, as her third husband.
Source: German films Service & Marketing GmbH
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So mausgrau wie die häusliche Umgebung ohne die Kinder, die gerade im Ferienlager weilen, erscheint eingangs auch Margit. Ihre Kollegen mögen sie durchaus, achten ihre beruflichen Fähigkeiten und respektieren auch ihre charakterlichen Eigenheiten. So charakterisiert eine junge Kollegin (Christine Schorn) Margit wie folgt: „Emanzipiert, aber keinen Mann.“ Als sei das ein Widerspruch! Dabei ist Margit etwas schüchtern, wirkt sogar ein bisschen verklemmt. Die Gründe dafür liegen, wie in Rückblenden offenbar wird, in ihrer Vergangenheit, nicht zuletzt der Kindheit. Nach dem frühen, nie verwundenen Tod der Mutter, der sie in Alpträumen bis heute verfolgt, ja quält, sucht Margit die Geborgenheit der kirchlichen Gemeinschaft. Sie wird eine ernste, gelehrige Diakonissenschülerin, will ihr Leben der Nächstenliebe weihen. Aber es lauern mannigfache Gefahren und ganz weltliche Versuchungen, auch in Gestalt einer jungen Mitschülerin (Ute Lubosch). Und irgendwann erkennt Margit, dass dieser Beruf sie nicht wirklich ausfüllt, weil er keine Berufung für sie bedeutet.
„Genossen“, erklärt der Erzähler aus dem Off, fangen Margit auf, besorgen ihr eine Unterkunft und ein Probehalbjahr in einem Kombinat. Das übersteht sie ohne weiteres und kann anschließend sogar ein Studium an der Arbeiter- und Bauernfakultät aufnehmen. Dort lernt sie ein ganz anderes, jugendbewegtes Leben kennen. Unter den idealistischen FDJ-Blauhemden wird „Avanti Popolo“ gesungen, das italienische Arbeiterlied „Bandiera rossa“, und die feste Überzeugung gehegt: „Begabung gibts nicht, alles ist erlernbar.“
In einem ihrer Dozenten lernt Margit ihren ersten Mann kennen. Doch der Physiklehrer Bachmann ist nicht nur ihre erste große Liebe – und der Vater von Margits erster Tochter Anna, sondern auch die erste große Enttäuschung. Er will von fester Bindung, von Heirat gar, nichts wissen, ist nur auf seine (politische) Karriere bedacht. Margit zieht sich stumm zurück, pocht nicht auf die mit seiner Vaterschaft verbundenen Pflichten. Und die Geschichte wiederholt sich. Auch ihre zweite Beziehung, die zu einem blinden Klavier-Studenten (Armin Mueller-Stahl), gestaltet sich fast wie eine Parallele zur ersten. Wieder erscheint er ihr als die große Liebe, gepaart mit Gefühlen der Hilfsbereitschaft, der Aufopferungswilligkeit. Wieder bringt sie ein Kind zur Welt, ihre zweite Tochter Dagmar, die in ganz jungen Jahren mit erheblichen Sehstörungen zu kämpfen hat, aber wieder endet diese Beziehung für Margit in einer großen Enttäuschung. Denn der Musiker, wie sich bald zeigt ein oberlehrerhafter Egoist, geht seinen eigenen Weg – und der führt ihn nach Unterschlagung von Gewerkschaftsgeldern in den kapitalistischen Westen.
Nun beschließt Margit, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Denn „der Dritte“ soll ihr nicht mehr vom Schicksal bestimmt werden, den will sie sich selbst aussuchen. Nein, den hat sie sich längst ausgesucht, in der Kantine des „Chemiewerks II“, nur weiß das Objekt ihrer Begierde noch nichts davon. Es wird sie eine gehörige Portion Anstrengung kosten und die – entsagende – Unterstützung ihrer besten Freundin Lucie, mit der sie weitaus mehr verbindet als nur freundschaftliche Kollegialität, um zum Ziel zu kommen. Und Margit erreicht dieses Ziel mit regelrecht strategischen Methoden, indem sie sich ihren Kollegen, den geschiedenen und allein lebenden Hrdlitschka, zum dritten Mann nimmt. Doch bevor das geschieht, muss sie dem wanderlustigen Gesellen hinterherreisen...
In „Der Dritte“ spielt Jutta Hoffmann eine alleinstehende, emanzipierte Frau, die vom offiziösen sozialistischen Menschenbild abweicht mit freilich nur sehr kurzen Andeutungen zu den Themen Abtreibung und lesbischer Liebe auch schon in jungen Jahren. Egon Günther arbeitet in der Leinwand-Adaption des1969 im Mitteldeutschen Verlag Halle/Saale erschienenen Romans „Unter den Bäumen regnet es zweimal“ von Eberhard Panitz mit Rückblenden und Zwischentiteln, lässt den Spielfilm wie eine Dokumentation beginnen, den Erich Gusko bewusst in Schwarzweiß und Farbe gedreht hat. Uraufgeführt parallel zum Kinostart ist „Der Dritte“ am 25. März 1973 im Fernsehen der DDR erstausgestrahlt und am 1. Juli 1973 in der ARD gezeigt worden. Auf dem Int. Filmfestival Karlovy Vary (Karlsbad) erhielt er den Hauptpreis.
Während Jutta Hoffmann mit dem DDR-Nationalpreis 2. Klasse „für beispielgebende Menschengestaltung auf der Bühne, im Film und im Fernsehen, besonders in Werken der sozialistischen Gegenwartsdramatik“ sowie 1972 in Venedig mit Preis Venezia Critica ausgezeichnet wurde, erhielt Egon Günther trotz kontroverser Diskussionen über die Rolle der Frau in seinem Film vor dem Hintergrund der im gleichen Jahr in der DDR legalisierten „Schwangerschaftsunterbrechung“ den Nationalpreis 3. Klasse.
Pitt Herrmann