Die Verdammten

Italien BR Deutschland 1968/1969 Spielfilm

Inhalt

Deutschland 1933: Kurz nach dem Reichstagsbrand wird der Großindustrielle Joachim von Essenbeck ermordet. Die Hinterbliebenen versuchen schon bald, die Situation für sich zu nutzen – teils aus ideologischer Überzeugung, teils aus reinem Opportunismus. "Die Verdammten" ist ein äußerst kontrovers diskutierter Film Viscontis. Er erzählt die Geschichte des Niedergangs einer Industriellenfamilie und deren Handlungen in der Nazizeit melodramatisch-opernhaft und zieht dabei deutliche Parallelen zur Familie Krupp.

Quelle: Deutsches Filmmuseum

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Heinz17herne
Heinz17herne
Februar 1933. Zur opulenten Geburtstagsfeier des Stahlmagnaten Baron Joachim von Essenbeck hat sich die ganze Familie um ihn versammelt, die aber nur auf den ersten Blick ein einträchtiges Bild vermittelt mit seinem Sohn Konstantin von Essenbeck, seiner verwitweten Schwiegertochter Sophie von Essenbeck, ihrem ehrgeizigen Geliebten Friedrich Bruckmann und ihrem neurotischen Sohn Martin von Essenbeck, mit Elisabeth und Herbert Thallmann – und mit dem fanatischen Nazi Aschenbach.

Mitten hinein in die Feier platzt die Nachricht vom Brand des Berliner Reichstagsgebäudes und sogleich prallen die unterschiedlichen politischen Meinungen aufeinander, am signifikantesten sind die konträren Auffassungen zwischen Baron Konstantin, dem Vizepräsidenten des Unternehmens, der einen hohen Rang bei der SA bekleidet, dem liberalen Herbert Thallmann und dem SS-Offizier Aschenbach.

Als der greise Seniorchef der Industriellenfamilie in der folgenden Nacht ermordet wird, lenkt Sophie den Verdacht auf Thallmann, der gerade noch rechtzeitig fliehen kann. Der wirkliche Täter, Friedrich Bruckmann, steigt dagegen zum Generalbevollmächtigten des nun vom Erben Konstantin von Essenbeck geleiteten Konzerns auf. Aschenbach hält sich weiter im Hintergrund, wartet geduldig ab und sieht ein Jahr später seine Zeit gekommen, als Adolf Hitler seine Hausmacht zugunsten der SS „ordnet“: Alle Gefolgsleute des SA-Führers Röhm werden, wie dieser selbst, von den bisherigen Rivalen ermordet.

Auch der „braune“ Baron Konstantin von Essenbeck gehört zu den Opfern, bei ihm hat sich jedoch kein „Schwarzer“ die Hände schmutzig machen müssen, diese Arbeit erledigte einmal mehr das Paar Bruckmann/Sophie von Essenbeck in der Hoffnung, sich dadurch die Macht im Unternehmen zu sichern. Doch die beiden haben die Rechnung ohne den Wirt Aschenbach gemacht.

Der SS-Offizier will seinen willigen Helfer Bruckmann loswerden, um einerseits einen gefährlichen Zeugen zum Schweigen zu bringen und andererseits sich selbst den langgehegten Traum von Macht und Reichtum zu erfüllen. Er nutzt die pädophile Veranlagung Martin von Essenbecks aus, um ihn für seine Zwecke einzuspannen. Am Ende haben Bruckmann und Sophie Selbstmord begangen: Martin leitet nun die Essenbeck-Stahlwerke allein – und mit ihm die Nationalsozialisten.

Luchino Viscontis in jeder Hinsicht opulenter, mit 156 Minuten geradezu epischer Historienfilm über eine Familiendynastie, für die unverhohlen die Kruppschen Ruhrbarone aus Essen Pate gestanden haben, ist nach dem „Dritten Tag“ von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“, der „Götterdämmerung“ („La caduta degli dei“), betitelt. Den der deutsche Verleih leider in „Die Verdammten“ umbenannt hat, obwohl Viscontis Originaltitel genau die Zeitenwende Mitte der 1930er Jahre umreißt, in der Hitler gerade auch in den eigenen Reihen über Leichen gegangen ist, um seine Macht und die seiner getreuen Vasallen zu festigen. Die „Röhm-Aktion“ von 1934 hätte auch wirklich dem letzten Demokraten die Augen öffnen müssen.

Uraufgeführt am 2. Oktober 1969 in Brüssel, hat man Visconti in Deutschland sowohl zum Kinostart am 27. Januar 1970 als auch Jahre später zur Fernsehausstrahlung vorgeworfen, aus dem ernsten Stoff ein zu opernhaftes Melodram gemacht zu haben, welches die historische Brisanz durch dekorative Weitschweifigkeit und artifizielle Stilisierung des Films schwächt. Dem hat 1970 etwa die „Neue Zürcher Zeitung“ geantwortet: „Keineswegs sind ‚Die Verdammten’, wie man oberflächlich meinen könnte, eine Konzession an die im Film gemeinhin feststellbare Sexualisierung. Die Auflösung der sexuellen Moral ist hier vielmehr ein Aspekt des Tragischen.“

Politische Fragen der damaligen Zeit an den ersten Teil der von Visconti geplanten „Deutschen Trilogie“ sind heute obsolet geworden. Wie die nach der Wirkung auf die junge Nachkriegsgeneration in Deutschland und weit darüber hinaus, aber auch auf die der Mitschuld-Debatte überdrüssigen (Groß-) Elterngeneration. Todessehnsucht, narzisstische Selbstbezogenheit, Dekadenz: Nicht zuletzt durch Streifen mit Charlotte Rampling sind wir heute ganz andere Filme zur NS-Zeit gewohnt. Dagegen ist Viscontis „Götterdämmerung“ der reinste Ausstattungsfilm.

Pitt Herrmann

Credits

Darsteller

Alle Credits

Regie-Assistenz

Kamera-Assistenz

Standfotos

Ausstattung

Frisuren

Schnitt-Assistenz

Mischung

Spezialeffekte

Musikalische Leitung

Darsteller

Herstellungsleitung

Produktionsleitung

Dreharbeiten

    • Juli 1968 - September 1968: Studio: Cinecittà, Rom; Außen: Unterach, Österreich; Oberhausen, Stahlwerk in Terni
Länge:
4296 m, 157 min
Format:
35mm
Bild/Ton:
Technicolor

Titel

  • Originaltitel (IT) La caduta degli dei
  • Originaltitel (DE) Die Verdammten

Fassungen

Original

Länge:
4296 m, 157 min
Format:
35mm
Bild/Ton:
Technicolor

Verleihfassung

Länge:
3300 m, 121 min
Prüfung/Zensur:

Prüfung (IT): 11.10.1969, v.c. 54737

Aufführung:

Uraufführung (IT): 16.10.1969, Rom

Länge:
4227 m, 154 min
Aufführung:

Erstaufführung (DE): 17.01.1970