Anton der Zauberer

DDR 1977/1978 Spielfilm

Ein Mann wie Anton


Rosemarie Rehahn, Wochenpost, Berlin/DDR, 13.10.1978

Wie es aussieht, läßt sich das Publikum von dem etwas kindlichen Titel "Anton der Zauberer" nicht zurückhalten, dieses erfreulich ausgewachsene Filmvergnügen zu sich zu nehmen. Seit "Karbid und Sauerampfer" ist der DEFA kein Lustspielfilm der Art mehr passiert. Ich meine, keiner, der sich mit soviel souveränem Witz und Charme, mit soviel Originalität an die soziale und historische Bewertung unserer allerjüngsten Vergangenheit macht. Keiner, der sich so fröhlich frech der Komödie nähert.

Das sei laut und lobpreisend gesagt. Und wenn mich jemand so kurz vorm letzten Film-Drittel aus irgendeinem Grund, und sei"s aus purer Freundlichkeit, aus dem Kino geholt hätte, könnte ich jetzt ans frohe Werk gehen, der pauschalen Lobpreisung die entsprechenden Details hinzuzufügen. So aber ist doch etliches kritisch anzumerken, zu eben jenem Schluß, den der Film nicht verdient hat.

Es ist ein Jammer, wie es das hübsche, liebenswürdig forsche Komödiending im letzten Drittel aus der Kurve trägt – hinein in den Schwank, in den krausen Ulk. Die Autoren, die bisher die Logik ihres komischen Helden aufs prächtigste und dialektischste in bezug zu setzen wußten zur Logik des Zeitgeschehens, verlieren am Ende, wo ein paar einschlägig bekannte Gegenwartskonflikte anstehen, plötzlich das Vertrauen in die Geschichte (in die Leinwandgeschichte, natürlich). Da werden dann, nicht ohne spürbare dramaturgische Anstrengung, die Realitäten außer Kraft gesetzt – und damit die Gesetze der Komödie. Es herrscht der Ausnahmezustand des Schwanks, wo alles erlaubt ist, Hauptsache, es wird gelacht. Und auch etwas von schwankeigner naiver Belehrung schleicht sich ein – genau das, was dem Film ansonsten auf eine sehr sympathische Weise fehlt. Diesen Schluß haben wir nicht verdient.


Das vorweggenommen, möchte ich freilich, an die Eingangssätze der Rezension anknüpfend, mein Hütchen lüften. Ein Leinwandspaß dieser Art passiert nicht alle Tage, das letztemal war"s also vor 14 Jahren. Und einen Mann wie Anton haben wir meines Wissens überhaupt noch nicht bei der DEFA gehabt. Sehr unterschiedliche moralische Werturteile, seine Person betreffend, weisen bereits darauf hin, daß sich ausstudierten Filmästhetikern ein weites Feld öffnet. Wenn ich vorgreifen darf: Anton Grubske, ein negapositiver oder ein posinegativer Held, das ist hier die Frage. Und angesichts vieler unbestreitbarer Antworten, die uns von Seiten der schönen Künste täglich erteilt werden, sollte der Zuschauer den netten kleinen Entscheidungsfreiraum in Sachen Grubske nutzen. (…)

Es gehört nun zu den durchaus glaubhaften komödiantischen Behauptungen der Geschichte, daß ein Mann von Antons Art selbst diese ungastliche Stätte als Bestarbeiter verläßt. Wieviel weniger noch kann seine Natur den Verlockungen widerstehen, die das ihm staatlicherseits verordnete Traktorenwerk mit seinem erbärmlichen Ersatzteillager für einen Organisierer und Tüftler und Durchzieher bereithält. Anton, nunmehr in unmittelbarem Dienst am Sozialismus mit der Ersatzteilfrage befaßt, wächst über sich selbst hinaus – ins RGW-Programm hinein. Mit ihm wächst der Ruhm der ihm vorgesetzten volkseignen Leiterpersönlichkeit. Ich sehe keinen Grund – und komme da zu meiner Kritik, den Schluß des Films betreffend – sehe partout keinen Grund für die gewaltsame unwiderrufliche Entfernung unseres vom Sozialismus dringender denn je benötigten Helden.

Gewiß, da ist die Angelegenheit mit Antons Westpiepen zu regeln, die als Nachlaß der nicht in Undankbarkeit dahingeschiedenen Sabine, zwar reduziert, aber immer noch erheblich, aus der Schweiz über ihn kommen, zusammen mit einem ziemlich schmucken Wägelchen. (…)