Und nächstes Jahr am Balaton

DDR 1979/1980 Spielfilm

Nettes von unterwegs



Günter Agde, Filmspiegel, Berlin/DDR, Nr. 15, 1980




Ein Film so recht für die Sommerfilmtage, ein Film so recht für junge Leute hierzulande. Ein Lob? Durchaus, für "Und nächstes Jahr am Balaton" (Regie Herrmann Zschoche), wenn auch – dies vorweg – die Frische und Mobilität von Zschoches vergleichbarem Vor-Werk "Sieben Sommersprossen" nicht erreicht wurden, jedenfalls: erzählt wird abwechslungsreich und unterhaltsam, wie zwei junge, sich zu lieben beginnende Leute von den Eltern des Mädchens zu einer Urlaubsreise "mitgenommen" werden, wie dieses possierliche Quartett gleich anfangs auseinanderspringt, und wie jeder von ihnen – für sich und seinem Charakter entsprechend – seinen Weg durch einige Länder und Umstände an die bulgarische Schwarzmeerküste sucht, macht und findet. Die Autoren (Inge Wüste-Heym schrieb nach Joachim Walthers Erzählung "Ich bin nun mal kein Yogi" das Drehbuch) arbeiten Haltung und Weg des Jonas, der jungen männlichen Hauptfigur kräftiger aus (hübsch trocken und lakonisch von Rene Rudolph gespielt). Seine Erlebnisse unterwegs werden ausführlicher erzählt. Von den anderen drei erfährt man markante, aufschlußreiche Stationen von unterwegs, aus denen man sich freilich das Nötige und Richtige "dazwischen" zusammenphantasieren kann – ein legitimer, hier auch angebrachter und ausreichender Kunstgriff. Ein anderer, wichtiger Kunstgriff: Jonas findet in der Holländerin Shireen eine gleichaltrige Reisegefährtin aus einer anderen Welt, die auf dem Weg nach Indien, zu einer alles befreienden, alles lösenden, jedenfalls sehr fernen Sekte ist. Das begreifbare Fernweh vieler Jugendlicher auch bei uns wird damit kanalisiert und in diesen beiden Figuren polarisiert: zwei "Arten" von Sehnsucht nach Ferne, nach Erweiterung, nach Kennenlernen von "anderer Welt" treffen aufeinander, reiben sich ein wenig und trennen sich wieder. Vielleicht wäre es besser (auch effektvoller, witziger) gewesen, die Autoren hätten diese beider "Arten" mal aufeinander knallen lassen. Das hätte nicht nur in Debatte zweier sehr verschiedener und zuweilen auch einiger Weltsichten münden müssen, das hätte – bei der Anlage der grundsätzlich intakt-unruhigen, aufmüpfig-widerborstigen Jonas-Figur – durchaus Zündstoff und Handlungsmöglichkeit die Menge geben können. So aber bleibt Jonas zwar der Überlegene, weil er "von uns" ist, weil die Story ihn bis zu Ende führt, weil er "sein" Mädchen wiederfindet. Aber genau besehen ist es Shireen, die etwas tut, und Jonas reagiert nur. Ich halte es für denkbar, daß die Autoren für dieses bedeutsame Fabelstück eine ähnlich wirksame, wortkarge, aussagekräftige Handlungsepisode hätten finden können wie die anrührende Uhrenreparatur-Szene vom Anfang.



Sei"s drum. Auch wenn sonst im Film viele Zufälligkeiten und Nettigkeiten eine übergroße Rolle spielen, auch wenn mehr Zustände von Figuren offeriert werden (und kaum Entwicklungen), auch wenn :die Eltern (schon wieder in einem unserer Filme!) auf Abziehbild-Klischees verkleinert werden, bleibt doch – meine ich – genügend Anlaß und Raum, Angebot und Chance besonders für junge Zuschauer, sich Spaß am Bestätigt-Finden, am Weiter-Fabulieren und Denken aus diesem Sonderfall von Reiseunternehmen zu holen. Dies auch, weil die Beteiligten so spielen (und inclusive Landschaften von Günther Jaeuthe so fotografiert werden), daß sich Spaß, Engagement, Sinnfälligkeit mitteilen. Nett, oft treffend, griffig, sommerlich unterhaltend.