Die Datsche

Deutschland 2001/2002 Spielfilm

Kommentare

Sie haben diesen Film gesehen? Dann freuen wir uns auf Ihren Beitrag!

Heinz17herne
Heinz17herne
Elke und Arnold verbringen eine triste, neblige Novembernacht in ihrer Datsche irgendwo weit draußen in der Einsamkeit der neuen Bundesländer. Wohl schon hunderte Male ist das kinderlose Paar hier herausgefahren. Doch nun soll damit Schluss sein. Denn in der Beziehung kriselt es und Elke hat Arnold dazu überredet, das Wochenendhaus zu verkaufen.

Während Elke Geschäftsführerin einer Gaststätte geworden ist, hat Arnold, ein ehemaliger Kaderleiter, die „Wende“ nicht heil überstanden: Seit dem Zusammenbruch des ersten Arbeiter- und Bauernstaates auf deutschem Boden ist er arbeitslos – ohne Perspektive auf Änderung dieses trostlosen Zustandes. Was naturgemäß Gift für die Ehe ist.

Gleich früh am anderen Morgen soll der Makler Martin Stein erscheinen, daher verbringen die beiden ihre letzte Nacht in der Hütte. Nach dem Verkauf soll alles anders werden. Hofft zumindest Elke: „Jedes Wochenende, jeden Urlaub hier raus. Andere sind wenigstens nach Ungarn oder nach Bulgarien gefahren.“ Arnold dagegen hängt an diesem für die kleinbürgerliche DDR so typischen Feriendomizil – und damit an seiner eigenen Vergangenheit.

Doch dann fliegt mitten in der Nacht die Tür auf und zwei bewaffnete, vermummte Einbrecher stehen im Zimmer, Asche und Big. Sie fesseln das Paar, schnappen sich das vorhandene Bargeld sowie die Autoschlüssel – und verschwinden so rasch wie sie gekommen sind. „Das ist unsere neue Freiheit. Jeder nimmt sich, was er braucht. Da kann man ja froh sein, dass sie einen nicht umgebracht haben“: Arnold gewinnt rasch seine Sprache wieder und kann sich mit Elkes Hilfe auch bald von den Fesseln befreien. Was war das denn, ein Alptraum?

Nein, bittere Wirklichkeit. Während sie sofort die Polizei informieren will, möchte Arnold lieber bis zum Morgen warten, um dann mit dem Makler Stein in die Stadt zu fahren. Schließlich ist das eigene Auto weg. In dieser emotionalen Extremsituation brechen nun all’ die bisher mühsam unterdrückten Ehekonflikte aus wie die Eruption eines Vulkans: Elke zertrümmert das zu DDR-Zeiten mühsam erworbene Mobiliar. Eine innere Befreiung – offenbar auch für Arnold, denn beide fallen sogleich übereinander her.

Coïtus interruptus: Plötzlich erscheinen die beiden Gangster wieder auf der Bildfläche, so als seien sie auf der Flucht. Offenbar ist durch unvorhersehbare Umstände ein Wachmann erschossen worden, nun suchen die Zuflucht bei ihren Opfern, zumal Asche stark aus einer Bauchwunde blutet. Letzterer wird von Big einmal als „Genosse Oberstleutnant“ angeredet – offenbar ebenfalls ein Wende-Verlierer.

Die neue Situation schweißt das Quartett aus Tätern und Opfern zusammen – zu einer tragikomischen Zweckgemeinschaft mit Männer-Skat und Frauen-Anmache. Kurz lässt sich sogar eine Polizeistreife blicken, schöpft aber keinen Verdacht. Und am anderen Morgen steht wie angekündigt Martin Stein vor der Tür – und sieht sich ganz neuen, abgezockten Verhandlungspartnern gegenüber...

Carsten Fiebeler („Kleinruppin forever“) ist mit „Die Datsche“ eine in einigen Szenen makabre (Handy läutet aus dem Grab), unter die Haut gehende Mischung aus Thriller, Ossi-Befindlichkeits-Drama und Tragikomödie gelungen, die sich vom Genre der flauen Ost-West-Aufarbeitungsgeschichten der Nachwende-Zeit schon durch die aberwitzige Folge blutigster Katastrophen abhebt. Kein Wunder, dass die Produktion des kleinen Leipziger Unternehmens Equinox nach der Uraufführung am 2. September 2002 beim Filmfestival in Montréal nur schwer den Weg in die (Programm-) Kinos fand.

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Dreharbeiten

    • 03.10.2001 - 07.11.2001: Dessau
Länge:
2492 m, 91 min
Format:
HD - überspielt auf 35mm, 1:2,35
Bild/Ton:
Farbe, Dolby SR
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung: 29.11.2002, 92419, ab 16 Jahre, feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (CA): August 2002, Montréal, IFF;
Erstaufführung (DE): 25.10.2002, Hof, Internationale Filmtage, 3sat;
Kinostart (DE): 23.01.2003;
TV-Erstsendung: 26.07.2006, 3sat

Titel

  • Originaltitel (DE) Die Datsche

Fassungen

Original

Länge:
2492 m, 91 min
Format:
HD - überspielt auf 35mm, 1:2,35
Bild/Ton:
Farbe, Dolby SR
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung: 29.11.2002, 92419, ab 16 Jahre, feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (CA): August 2002, Montréal, IFF;
Erstaufführung (DE): 25.10.2002, Hof, Internationale Filmtage, 3sat;
Kinostart (DE): 23.01.2003;
TV-Erstsendung: 26.07.2006, 3sat