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Alle Fotos (9)Biografie
Sie "ist furchtbar populär, beinahe wie Schiller oder Goethe. In allen Warenhäusern und Schreibstuben mit weiblichem Personal schwärmt man für Wanda Treumann", heißt es am 15. Januar 1919 im Neuen Wiener Journal (Eintrag vom 15.01.1919, zit. nach CineGraph). Mag auch ihre Bekanntheit nicht wirklich an Goethe oder Schiller herangekommen sein, in Bezug auf ihren Starruhm steht sie ihren Zeitgenossinnen Asta Nielsen und Henny Porten in nichts nach und ihre Filme waren vor allem beim weiblichen Kinopublikum äußerst beliebt. Heute ist Wanda Treumann jedoch weitgehend vergessen, ihre Filme zum großen Teil nicht mehr erhalten.
Wanda Treumann wird am 17. November 1883 in Loslau, Schlesien, heute Wodzisław Śląski, Polen, geboren. 1903 heiratet sie den 20 Jahre älteren Karl Treumann und übersiedelt ein Jahr später mit ihm nach Berlin. Zunächst spielt sie Theater, wird aber um 1910 von Jules Greenbaum für die Vitascope GmbH 'entdeck'‹. Dort lernt sie auch den Dänen Viggo Larsen kennen, der als Regisseur für die Vitascope arbeitet. Er wird ihr Film- und Geschäftspartner und sie gründen gemeinsam mit Wandas Ehemann Karl Treumann die Treumann-Larsen-Filmvertriebsgesellschaft.
Diese produziert bis 1922 an die 90 Filme, mit Wanda Treumann als Hauptdarstellerin und ab 1913 auch als Produzentin. Regie führt meist Viggo Larsen, ab 1916 auch – unter dem Pseudonym Dr. R. Portegg – das Ehepaar Rosa Porten und Franz Eckstein. Porten schreibt auch die Drehbücher, ebenso wie das österreichische Ehepaar Rudolf und Luise del Zopp. Gedreht wird im eigenen Treumann-Larsen-Atelier in Berlin Lankwitz.
Als Schauspielerin, und mehr noch als Produzentin und Geschäftsfrau ihrer eigenen Firma – und in Zusammenarbeit mit anderen Frauen wie Rosa Porten – hatte Treumann großen Einfluss auf die Themen, Geschichten und Blickwinkel sowie die Gestaltung ihrer Filme, die große Publikumserfolge waren und bei denen mit Lustspielen, Liebesgeschichten, sogenannten Sozialen Dramen, aber auch mit Abenteuer- und Sensationsfilmen unterschiedlichste Genres vertreten waren. Treumann spielt mondäne Verführerinnen aber auch vom Schicksal gezeichnete Großstadtmädchen, Abenteurerinnen wie Seiltänzerinnen, aber immer wieder auch gewitzte, und lebenspraktische Frauenfiguren wie in "Wandas Trick" (1918), einem der wenigen Filme, die heute noch erhalten sind.
Im Prolog des Films sitzt sie rauchend auf einem Stuhl im Abendkleid und wirft mit einem schelmischen Lächeln Zigarettenpackungen Richtung Kamera, ihr Blick direkt in die Kamera gerichtet, zum Publikum. Diese direkte Ansprache des (weiblichen) Publikums weist auf die weibliche Erzählperspektive des Films und eine Komplizenschaft mit dem Publikum hin, das in ihm auch seine eigenen Lebenswelten und Arbeitsrealitäten – in diesem Fall der Arbeit in einer Zigarettenfabrik – gespiegelt sah.
Dass die Beschäftigung mit den auch weniger glamourösen Seiten weiblicher Lebenserfahrung nicht ohne Kontroversen blieb, zeigt ihr Film "Gezeichnete Mädchen" (1919), für den sich Wanda und Karl Treumann zusammen mit dem Regisseur Eugen Burg 1920 aufgrund einiger Bordellszenen vor dem Berliner Landgericht wegen "Darstellung unzüchtiger Werke und Herstellung zum Zwecke ihrer Verbreitung" verantworten mussten.
1922 beendet Wanda Treumann ihre Arbeit beim Film und geht zur Bühne zurück. 1927 stirbt Karl Treumann. Fünf Jahre später, in denen sie kurzzeitig auch Inhaberin der Elsa-Lichtspiele in Berlin war, heiratet sie den Verlagsinhaber Hans Brenner. Im November 1937 wird sie von ihm wieder geschieden.
Anfang 1938 flüchtet sie, als Jüdin nunmehr staatenlos geworden und unter dem Namen Wanda Brenner, mit ihrem Sohn mit Zwischenstopp in Palästina über Port Said nach Melbourne, Australien. Ihr einstiger Ruhm als einer der großen Filmstars der 1910er Jahre und als Produzentin ihrer eigenen Filme ist fast vergessen. Dort stirbt sie am 29. April 1963 im Alter von 79 Jahren und wird unter dem Namen Wanda Treumann im jüdischen Teil des Fawkner Memorial Park Friedhofs begraben. (anh)
Quelle:
Berten, Daria; Haupts, Annika; Heizmann, Anna; Jaspers, Kristina (Hg.): Weimar, weiblich. Filmpionierinnen des Kinos der Moderne (1918-1933). München: Edition text+kritik 2025 (Film Erbe, Bd. 7).