Berlinale Retrospektive 2027: Rage Against the Machine

Zum 100. Jahrestag von Fritz Langs bahnbrechendem Film "Metropolis" widmet sich die Retrospektive der 77. Internationalen Filmfestspiele Berlin filmischen Visionen von Zukunft und Widerstand. Ihre dystopischen Settings sind zwischen Postapokalypse, Cyberpunk und politischer Allegorie angesiedelt und erschaffen alternative Welten, in denen Freiheit, Identität und Selbstbestimmung neu verhandelt werden. Dabei werfen die Filme Fragen auf, die heute aktueller denn je sind: Wie funktionieren Autorität und Kontrolle? Steuern wir die Technologie, oder steuert sie uns? Welche Formen von Opposition und Widerstand sind möglich?

 

Die Retrospektive spannt das Thema über die Schwerpunkte Urbanismus, Künstliche Intelligenz, Feminismus und Kapitalismus auf – wie auch die Ausstellung "The Metropolis Century – Dystopia and Rebellion", die vom 18.03. bis 26.09.2027 in der Deutschen Kinemathek gezeigt wird. Im Berlinale-Programm stehen US-amerikanische Blockbuster wie Paul Verhoevens "RoboCop" (1987) neben Underground-Filmen wie "Decoder" (1984, Regie: Muscha) und Animes wie "Robotic Angel" (2001, Regie: Rintaro). Deutsches Filmerbe ist mit "Die letzten Tage von Gomorrha" (1974) von Helma Sanders-Brahms genauso vertreten wie internationale Filme, die marginalisierte Perspektiven in den Mittelpunkt rücken. So zum Beispiel Ngozi Onwurahs "Welcome II the Terrordome" (1995), der erste abendfüllende britische Spielfilm einer Schwarzen Regisseurin, der in einer aktuellen Restaurierung gezeigt wird.

Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle: "Die Deutsche Kinemathek ist seit langem eine hervorragende Partnerin für die filmhistorischen Programme der Berlinale, und wir freuen uns sehr auf diese zweite Retrospektive unter der künstlerischen Leitung von Heleen Gerritsen. Zu 'Metropolis' von Fritz Lang, der vor 100 Jahren entstanden ist und zu den am intensivsten erforschten Filmen der Stummfilmära zählt, gibt es immer noch Neues zu entdecken: Heleen und ihr Team haben einen erfrischenden Ansatz gewählt, um die bemerkenswerte Weitsicht von Metropolis und sein bis heute nachhallendes Echo in Film und Kultur zu beleuchten. Und das über eine Perspektive, die zugleich dringlich und zeitgenössisch wirkt: punkig, feministisch, jung, provokativ und mitreißend."

Leitmotiv in allen Filmen ist die Rebellion: der Kampf gegen Maschinen, Systeme und künstliche Intelligenz, der feministische Aufstand gegen patriarchale Machtstrukturen sowie die Auflehnung des Individuums und von unterdrückten Gruppen gegen den Staat, Ideologien und soziale Kontrolle.

Heleen Gerritsen, Künstlerische Direktorin der Deutschen Kinemathek sowie Leiterin der Retrospektive und der Berlinale Classics: "100 Jahre nach Metropolis stehen Regisseur*innen im Mittelpunkt, die ihre eigenen Welten und Zukunftsvisionen kreieren. Die ästhetische Bandbreite ist groß – von Big-Budget-Mainstream bis Underground. 'Die letzten Tage von Gomorrha' wurde beispielsweise in Einkaufszentren gedreht und weist eine Punk-Ästhetik auf. Besonders spannend finde ich, dass das Genre gerade auch Minderheiten die Möglichkeit bietet, alternative systemkritische Zukunftsvisionen zu entwickeln."

Die Retrospektive präsentiert rund 20 Filme, das vollständige Programm wird im Dezember 2026 vorgestellt. Begleitend finden in der Deutschen Kinemathek im E-Werk Panel Talks und Netzwerk-Events statt.

Quelle: www.berlinale.de