Mensch Mutti!

Deutschland 2024/2025 TV-Spielfilm

Inhalt

Die eine ist nach Paris gegangen, um sich den Traum von der Primaballerina zu erfüllen, die andere der Schwestern blieb hier in der Provinz in Sachsen-Anhalt, um das Familienunternehmen, ein Fitness-Studio zu erhalten. Jetzt sind sie pleite und ein smarter Aufkäufer einer Fitnesskette ist schon da. Aber Mutter Christa, dereinst Profiturnerin zu DDR-Zeiten, mit vielen Medaillen geehrt, kämpft um den Betrieb und für ihre kleine gegen die große Welt – und auch ein bisschen um die Ehre. Aber schafft sie das, wenn niemand von den Jungen mitmacht und hier eine Zukunft sieht und nachdem ihr Sohn das Geld für die überfällige Renovierung verspielt hat und dann auch gleich verstarb? In diesem gut gelaunten Film vom Stolz der Provinz geht es ums Ganze. (MK)

Quelle: 21. Festival des deutschen Films Ludwigshafen am Rhein

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Heinz17herne
Heinz17herne
„Man muss sich die Chance auch leisten können“ muss sich Serafina Hopp von ihrer älteren Schwester Daniela anhören, als sie zur Beerdigung ihres Vaters Rolf erstmals seit vielen Jahren wieder in ihren sachsen-anhaltinischen Heimatort Gerlau zurückgekehrt ist. Durch einen hinter einem Bilderrahmen versteckten Dankesbrief ist herausgekommen, dass die 32-jährige Primaballerina an der Pariser Oper für ihre Ausbildung und den Berufsstart 30.000 Euro vom Verstorbenen erhalten hat – ohne Absprache mit seiner Gattin Christa.

Was schwerer wiegt: Das Geld für Papas Augenstern „Finchen“ stammte nicht vom Konto, sondern von der Bank. Weshalb Rolf, der bis zu seinem Tod geschwiegen hat, unter Verdacht stand, die Kohle verzockt zu haben – und von der Ehefrau die letzten sechs Jahre aus dem gemeinsamen Schlafzimmer in den Keller verbannt worden ist. Nun muss die Familie mit diesem „Erbe“, das zur einen Hälfte der Mutter und zur anderen den beiden Töchtern zufällt, auskommen.

Mit dem Studio „Fit in Gerlau“, dem Lebenswerk Christas, einer ehemaligen DDR-Kaderturnerin, die mehrere Meisterschaften errang, es aber zu ihrer andauernden Enttäuschung nicht zu den Olympischen Spielen geschafft hat, ist aus akutem Geldmangel kein Staat mehr zu machen. Nur 52 Kunden mühen sich an den veralteten Geräten ab und Muttis Turnkurse für die Kinder werfen nicht genug ab. Weshalb Daniela und Serafina Kontakt mit Holger (Benedikt Kalcher) von der Kette „Alpha Fit“ aufgenommen haben: Er bietet 100.000 Euro für den Laden, wenn er, auf Vordermann gebracht, mit 250 Abo-Kunden in der Kartei aufwarten kann.

„Finchen“, die sich schuldig fühlt, will helfen. Acht Wochen sind es bis zur nächsten Premiere in Paris, zwei Wochen bis Probenbeginn. Zusammen mit Katleen, der einzigen Angestellten des Studios, und der allerdings berufstätigen Schwester Daniela startet sie eine Flyer-Aktion und gibt neue, attraktive Kurse von Yoga über Poledance bis Hip Hop. Daniela, die mit dem nur „Totti“ genannten Versicherungsmakler Torsten (Max Woelky), Vater der gemeinsamen 12-jährigen Tochter Emma, liiert ist, arbeitet in der Kfz-Werkstatt von Gerald (Horst Kotterba), der als Leiter der Showturngruppe „Gerlauer Spatzen“ stark eingebunden ist beim Sportverein Gerlau.

Die Sache lässt sich gut an, ein mit dem Handy gedrehter Werbespot mit Emma geht viral, was allerdings ihre vorab nicht gefragte Mutter auf die Palme bringt. Nach und nach scheint sich der ganze Ort ein Stelldichein zu geben in der Sporthalle und dem benachbarten Studio. Die große Chance, auf einen Schlag zahlreiche Neuzugänge akquirieren zu können, bietet das 20. Turnfest der Nachbargemeinde Böhnau, das aufgrund eines nicht ganz zufälligen Wasserschadens in Gerlau stattfinden soll.

Einige Hindernisse müssen freilich noch aus dem Weg geräumt werden wie der vom Bürgermeister Olli (Michael Berndt-Cananá) geforderte Bau einer Rampe zum barrierefreien Zugang der Halle, welche der zunächst von Serafina als „Grabstein-Kratzer“ abgewatschte Steinmetz Mike zur vollsten Zufriedenheit Ollis in seiner Zusatzfunktion als Brandschutzbeauftragter erledigt.

Ein größeres Problem stellt Dr. Heiner Brauer (Lutz Blochberger) da, der „Pate“ von Böhnau. Mit dem Hinweis, sie wisse um seine Doping-Vergangenheit zu DDR-Zeiten, räumt Mutti auch diesen Felsbrocken aus dem Weg: Christa Hopp hat sich als junge Nationalkader-Turnerin der Einnahme seiner als „Vitamine“ deklarierten Hormonpillen verweigert, weil sie immer eine Familie gründen wollte: Kinder statt Olympia.

Und so kann das Sportfest über die Bühne gehen mit dem Ergebnis, dass die Zahl von 250 festen Kunden im letzten Augenblick erreicht wird und Holger den „Alpha Fit“-Kaufvertrag vorlegt. Fehlt nur noch die Unterschrift Serafinas, die sich eingesteht, als bald Mittdreißigerin nicht mehr lange auf so hohem Niveau tanzen zu können. Und die längst gemerkt hat, dass die Provinz auch gegenüber einer Weltstadt wie der Seine-Metropole einiges zu bieten hat…

Ganz und gar nicht provinzielle tragikomische Dorf- und Kleinstadt-Geschichten, die auf dem Gebiet der ehemaligen DDR angesiedelt sind, haben gerade mächtig Konjunktur von Lars Jessens „Micha denkt groß“ bis hin zu Eva Trobischs „Etwas ganz Besonderes“. Die unerträgliche Larmoyanz der ersten Nach-Wende-Jahre ist glücklicherweise einem feinen Humor gewichen, mit dem hier das Frauen-Trio aus Constanze Behrends, Lena Gouverneur und Christine Rogoll bestens unterhält. Und eine sehr lebensnahe Geschichte dreier höchst unterschiedlicher starker Frauen erzählt, die eigentlich keine Aufstiegschance haben – und sie dennoch nutzen. „Mensch Mutti!“ ist am 29. Mai 2026 in der ARD erstausgestrahlt worden.

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Dreharbeiten

    • 08.10.2024 - 07.11.2024: Region Mansfeld-Südharz
Länge:
90 min
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Aufführung:

Uraufführung (DE): 22.08.2025, Ludwigshafen, Festival des deutschen Films

Titel

  • Arbeitstitel Gerlau Girls
  • Originaltitel (DE) Mensch Mutti!

Fassungen

Original

Länge:
90 min
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Aufführung:

Uraufführung (DE): 22.08.2025, Ludwigshafen, Festival des deutschen Films