Kämpfende Herzen

Deutschland 1920/1921 Spielfilm

Kämpfende Herzen


Film-Kurier, Nr. 30, 4.2.1921


In der Bearbeitung dieses Filmmanuskriptes ist jener Grad von Kultur erkennbar, der, so tief das Sujet auch darunter stehen mag, dessen wertvollere oder zumindest künstlerisch einwandfreie Auffassung einschließt. Das ist etwas sehr Wesentliches für das Niveau unserer Durchschnittsfilme; sie bestimmen, wenn man das hier so sagen kann, ihre Mentalität. Sie ermöglichen im allgemeinen die Fixierung einer Basis, von der aus sich erst Diskutables, eine Kunst entwickeln kann.

Schon das Bestreben danach bringt Greifbares: Dieser Film beweist es; er ist gut und hat Niveau, obwohl kein Sujet, oder besser, die Anlässe zur Handlung noch tief im Unterwasser fließen. Aber auch da hat der Autor, R. E. Vanloo, noch eine Linie konsequent durchgeführt: die logische Linie. Alles, was geschieht, erscheint glaubhaft, fast naheliegend, die merkwürdigen Zusammenhänge werden notwendig dramatisch. Dabei fehlt es in diesem Sardou"schen Szenenmechanismus nicht an einem gewissen Anflug von tragischer Zeichnung. Wie immer man sich zu einer solchen Kopulierung einstellen mag und welche kommerziellen Gründe ein ähnliches Abweichen von der Geradlinigkeit der Idee erklären könnten, es bleibt nicht zweifelhaft, sogar nicht vom Standpunkt zugkräftiger Titel, daß von den beiden "Kämpfende Herzen" und "Die Vier um die Frau", der erste unbedingt der Richtige ist. Doch das nur nebenbei.

Der etwas komplizierte Inhalt ist ungefähr folgender: Vier Männer ringen um den Besitz einer Frau, vergeheimnist durch Doppelgängertum, Schicksal und eigenartige Zufälle.

Der Film darf nichtsdestoweniger, auch seinem Inhalt nach, mit einem Publikumserfolg rechnen. Die Handlung hat reinliche Motive ohne beschwerende Problematik, ist interessant und konzentriert sich besonders im letzten Akt in starke Szenen, in dem sie dann eine gültige, wenn auch "filmhafte" Lösung findet.

Die Regie – Fritz Lang –, von der eigentlich zuerst gesprochen werden sollte, ist kurzweg erstrangig. Sie ist zu den guten, geschmackvollen Seiten ein gleichwertiges Pendant, man spürt die Individualität und Befähigtheit des Regisseurs an allem, an einzelnen Einfällen, an der Einheitlichkeit des Ganzen, an der Herausarbeitung szenischer Effekte ... Sogar der Laie, der nur von der Gesamtleistung Eindruck gewinnt, spürt es: Der Film ist sehr gut gemacht.

Allerdings kam dem Regisseur ein glänzendes Schauspielerensemble zu statten. Da ist Carola Toelle und Ludwig Hartau. Ihr wunderbar abgetöntes Spiel erzeugt eine der Gesamtauffassung adäquate Atmosphäre. Ebenso der ausgezeichnete Edthofer in seiner Doppelrolle. Da ist Forster-Larringa, R. Klein-Rogge, Paul Morgan, Lisa v. Marton, Erika Aurich u.a. Alle sind mit guten Rollen versehen.

Die Photographie zeugt von durchweg exakter Arbeit.