Transsiberian

Spanien Deutschland Großbritannien Litauen 2006-2008 Spielfilm

Inhalt

Ein "Thriller auf Rädern": Nach einem Aufenthalt in Peking beschließt ein amerikanisches Ehepaar, die Reise nach Moskau mit dem Zug – der berühmten Transsibirischen Eisenbahn – fortzusetzen. Rasch stellt sich auf der Fahrt durch die verschneite asiatische Ödnis allerdings heraus, dass auch die "Transsib" nicht mehr ist, was sie einmal war. Ihr einstiger Glanz ist verblasst, die Passagiere sind wortkarg, gewiss befinden sich Drogenkuriere darunter.

In der Ehe von Roy und Jessie kriselt es, die beiden sind deshalb ganz froh, als unterwegs zwei sympathische Reisebegleiter zusteigen. Carlos und Abby reisen durch die Welt und geben Sprachunterricht. Zu Hause verkaufen sie dann mitgebrachtes Kunsthandwerk, zum Beispiel russische "Matruschkas", von denen sie mehrere bei sich haben.

Die Reise nimmt eine unangenehme Wendung, als Roy bei einem Zwischenaufenthalt den Zug verpasst. Jessie will am nächsten Bahnhof auf ihn warten, und ihre neuen Bekannten schließen sich ihr an. Doch dort wird Carlos zudringlich – als Jessie sich wehrt, kommt Carlos dabei zu Tode. Panisch verscharrt Jessie seine Leiche im Schnee. Kurz darauf trifft Roy am Bahnhof ein, und gemeinsam setzen sie die Zugfahrt fort. Doch der Albtraum dieser Reise ist damit noch lange nicht zu Ende. Als Roy und Jessie Bekanntschaft mit Inspektor Grinko schließen, einem Fahnder, der die Mörder eines Drogenhändlers jagt, stellt sich heraus, das Carlos ein Dealer war. Korrupte Polizisten waren ihm schon auf den Fersen. Nun sind sie hinter Jessie her …

Quelle: 58. Internationale Filmfestspiele Berlin (Katalog)

 

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Heinz17herne
Heinz17herne
Mehrere Monate haben Roy, ein eher biederer Haushaltswarenhändler mit Modelleisenbahnanlage im Keller, und Jessie, ein einstmals wildes Mädchen, das nun ihr (Seelen-) Heil unter dem Kreuz sucht, im Auftrag einer christlichen Bibelgruppe in Peking notleidenden Kindern geholfen und Letztere, eine begabte Amateurfotografin, hat die für sie aufregende, aber auch beglückende Zeit ihrer ersten Auslandsreise überhaupt mit der Kamera festgehalten. Zum krönenden Abschluss gönnt sich das idealistische Ehepaar aus den USA eine siebentägige Fahrt mit der mehr legendären als luxuriösen Transsib, der Transsibirischen Eisenbahn, nach Moskau – neuntausend Kilometer an einem Stück. Dieses Abenteuer soll allerdings auch dazu dienen, die beiden wieder enger aneinander zu binden, bevor sie in die Heimat zurückkehren. Denn in jüngster Zeit hat ihre Beziehung so frostige Temperaturen angenommen, wie sie in der Gegend herrschen, durch die der Zug nach dem Spurwechsel an der russischen Grenze gerade fährt.

Dort stößt ein zweites Paar hinzu, das die anderen Plätze in ihrem Abteil gebucht hat: der quirlige, bisweilen gar aufdringliche Spanier Carlos und seine sehr zurückhaltende, vergleichsweise stille und geheimnisvoll wirkende amerikanische Freundin Abby befinden sich auf Weltreise, die sie mit Sprachkursen und dem Weiterverkauf billig erstandener Souvenirs wie der Matrjoschka-Puppen, die sie gerade mit sich führen, finanzieren. Zwischen den beiden ungleichen Paaren auf engstem Raum bildet sich rasch ein kameradschaftliches Verhältnis. Bei einem Zwischenstopp in Irkutsk beschließen sie, sich auf dem Bahnsteig die Beine zu vertreten. Wobei die beiden Männer sich vom Zug zu weit entfernen – und es Roy durch seinen Faible für alte Dampflokomotiven nicht mehr schafft, rechtzeitig zurückzukehren. Sodass Jessie beim nächsten Halt in Ilinskaya aussteigt, um auf ihren Gatten zu warten. Carlos und Abby bestehen darauf, sie nicht allein zu lassen – bei minus 23 Grad Celsius. Sie übernachten in einem Hotel.

Carlos, der schon geraume Zeit ein Auge auf Jessie geworfen hat, schlägt ihr vor, sich die Wartezeit durch einen Ausflug zu einer alten Kirche in einem einsamen Waldstück zu verkürzen – ohne Abby einzuweihen. In dem verlassenen Gemäuer inmitten einer Schneewüste kommt es zu einer ersten zarten Annäherung, doch als Carlos mehr will und Jessie sich sträubt, kommt es zu einem Vergewaltigungsversuch – der für den heißblütigen Spanier tödlich endet. Panisch eilt Jessie zurück zum Bahnhof, in den gerade der Zug mit ihrem Gatten einrollt. Jessie atmet auf, als sie wieder mit Roy zusammen ist – und noch mehr, als sie mitbekommt, dass Abby auf dem Bahnsteig zurückgeblieben ist. Doch nun beginnt der Horror erst: Roy stellt ihr mit Grinko einen sehr dubiosen russischen Polizisten vor, der keinen Zweifel daran lässt, hinter den mit Drogen gefüllten Matrjoschka-Puppen von Carlos und Abby her zu sein. Und diese befinden sich nun in Jessies Tasche: In der durch die Enge des Zuges zusätzlich isolierten, ja klaustrophobischen Atmosphäre gibt es für Jessie keine Möglichkeit des Entkommens...

Der Mensch ist des Menschen Wolf: Diese nicht wirklich neue Erkenntnis ist die Essenz dieses hochspannenden Action-Thrillers, der während zunehmend nervenaufreibender 115 Minuten mit immer neuen Volten aufwartet, zu denen auch ein geheimnisvoller, Deutsch sprechender Reisender gehört, der dem amerikanischen Ehepaar gleich zu Beginn der Fahrt mit seinen Horrorgeschichten über die Foltermethoden der russischen Polizei bereits einen gehörigen Schreck eingejagt hat. Und eine übelgelaunte Zugbegleiterin, die wie zu alten sowjetischen Zeiten die Passagiere nicht als zahlende Gäste betrachtet, sondern als hilflose Objekte ihrer geradezu terroristischen Willkür. Nicht zuletzt ein zweiter russischer Fahnder namens Kolzak, dessen zwielichtige Figur sich bis zum völlig unerwarteten und, soviel darf verraten werden, halbwegs guten Ende wie ein Roter Faden durch die immer wieder auch mit brutalen (Folter-) Szenen angereicherte Story zieht.

Genre-Spezialist Brad Anderson, der nach dem Russisch-Studium am College zwanzig Jahre zuvor als Rucksacktourist selbst eine Fahrt auf der Transsib erlebte, hat mit „Transsiberian – Reise in den Tod“ einen sehr düster-dramatischen Thriller geschrieben und im Winter 2006/2007 binnen 53 Tagen gedreht, in dem die individuelle Schuld-Problematik in den Mittelpunkt rückt. In der Tradition von Alfred Hitchcock und Patricia Highsmith, aber auch des Paranoia-Spezialisten Roman Polanski, geraten zwei Unschuldige, die schon genug mit eigenen Problemen zu kämpfen haben, unwissentlich in einen Strudel von Ereignissen, die sich ihrer Kontrolle entziehen. Free-TV-Premiere war am 6. Februar 2012 im ZDF.

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Dreharbeiten

    • 13.12.2006 - 07.02.2007: Spanien, Vilnius und Umgebung, Russland, Peking
Länge:
3052 m, 111 min
Format:
35mm, 1:2,35
Bild/Ton:
Farbe, Dolby SRD
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 26.02.2008, 113274, ab 16 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (US): 18.01.2008, Park City, Sundance Film Festival;
Erstaufführung (DE): 09.02.2008, Berlin, IFF - Panorama Special;
Kinostart (DE): 11.12.2008

Titel

  • Originaltitel (GB DE ES) Transsiberian

Fassungen

Original

Länge:
3052 m, 111 min
Format:
35mm, 1:2,35
Bild/Ton:
Farbe, Dolby SRD
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 26.02.2008, 113274, ab 16 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (US): 18.01.2008, Park City, Sundance Film Festival;
Erstaufführung (DE): 09.02.2008, Berlin, IFF - Panorama Special;
Kinostart (DE): 11.12.2008