Inhalt
Waldemars große Geburtstagsparty steht an, und ganz Mullewapp ist in heller Aufregung, denn das ungehobelte Wildschwein Horst von Borst und seine Gang haben ein Auge auf die Geburtstags-Naschereien geworfen. Das lassen die drei Freunde Waldemar, Franz von Hahn und Johnny Mauser natürlich nicht zu und setzen alles daran, die Störenfriede wieder loszuwerden. Liebevolles Kinoabenteuer, basierend auf Helme Heines beliebten Kinderbüchern über die Abenteuer der drei Freunde aus Mullewapp.
Quelle: 12. Festival des deutschen Films 2016
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Wie schon 2009, wo es in „Das große Kinoabenteuer der Freunde“ vor allem darum ging, wie alles begann auf dem von den Tieren selbst verwalteten Bauernhof Mullewapp und wie die drei so unterschiedlichen Protagonisten zueinander fanden, hat der Däne Jesper Møller die Zeichnungen von Helme Heine zwar als Ausgangspunkt genommen, aber eine eigene Geschichte erfunden, die es damals noch nicht in Buchform gegeben hat.
Für den morgigen Geburtstag Waldemars wird die Scheune als Partyraum hergerichtet. Und die riesige Geburtstagstorte aufbewahrt, deren Duft dem verfressenen Vierbeiner bereits in den Rüssel gekrochen ist. Waldemar ist kaum zu halten, weshalb Johnny und Franz beschließen, mit ihm einen längeren Ausflug auf dem Fahrrad zu unternehmen.
Durch seine quirlige Spionin, die Fledermaus, hat das stets hungrige Wildschwein Horst von Borst (Stefan Kaminski) von der Geburtstagstorte erfahren. Der trickreiche Betrüger, der schon so manchen biederen Mann wie den Müller aufs Kreuz gelegt hat, weiß sich durch einen fingierten Unfall als kranker Leidender in Mullewapp einzuquartieren – sogleich liebevoll umsorgt von der schönen, aber halt auch reichlich naiven Marilyn, der First Lady des Hühnerstalls.
In dem nun der sich so weltmännisch-generös gebende Horst nächtigen darf, während die drei Freunde mit dem Heuhaufen draußen auf dem Hof vorlieb nehmen müssen. Zwar werden sie Zeugen, wie sich der angeblich schwer verwundete Gast als Wildsau benimmt und nachts ein großes Stück Geburtstagskuchen verdrückt, kapitulieren aber einmal mehr vor der Übermacht der dummen Hennen.
Um am anderen Morgen ungewollt ganz groß herauszukommen: Horst befestigt mit Helium gefüllte Luftballons an Waldemars Drahtesel und ehe sie sich versehen, schweben die drei in unerhörter Höhe davon. Wovon der Rest des Hofes freilich nichts mitbekommen hat: Waldemar, Johnny und Franz scheinen wie so häufig mit dem Rad unterwegs zu sein, wenns 'was zu futtern gibt, werden sie schon eintrudeln.
Trudeln ist ein gutes Stichwort: eine Windhose lässt unsere drei über den Wolken schwebenden Helden auf den Boden der Tatsachen zurückkehren. Es ist ein nasser Boden, genauer: ein Bergsee, in dem sie landen. Auf einer kleinen Insel mittendrin hat sich der coole Biber Benny Blauholz gemütlich eingerichtet. Chillen statt malochen lautet seine Devise, dabei ist das Rentenalter noch ganz weit weg. Wie das nächste Ufer, das Benny nur mit dem Surfbrett erreichen kann – als Nichtschwimmer! Er hilft Waldemar & Co wieder aufs Fahrrad, das mittels Luftpumpe zum Wasserrad mutiert und später, nach geplatzten Reifen, zum Schienenrad. Jedenfalls geht’s auf abenteuerlichen Wegen zurück nach Mullewapp.
Wo inzwischen eine ganze Wildschwein-Rotte das Sagen hat, nachdem Horst seinen drei nicht minder verfressenen Kumpanen das Tor öffnete. Den Versuch einer Gegenwehr unternehmen nur die kleinen, so frechen wie mutigen Ninja-Küken mit einer Guerillataktik der Nadelstiche. Weit kommen sie damit freilich nicht, sodass sich der Hunde-Veteran Bello dazu durchringt, den übermächtigen Okkupanten Zutritt zur Torte zu verschaffen. Allein der altersschwache Ritterkreuz-Träger (auch den ihre Kinder und Enkel begleitenden Erwachsenen wird einiges geboten!) hat die Kombination des Zahlenschlosses vergessen.
So kommt es nach gut einer Stunde bester, die Lachmuskeln ordentlich strapazierender Unterhaltung zum großen Showdown auf Mullewapp: David gegen Goliath. Wie dieser Kampf ausgegangen ist, weiß jedes Kind, auch wenn es ansonsten mit der Bibelfestigkeit hapern sollte. Nur dass diesmal beim hochspannenden Finale statt der Steinschleuder eine Tannenzapfenkanone zum Einsatz kommt...
Nun ist aber schon fast zuviel verraten von dem turbulenten Spaß für die ganze Familie, der auch in der 3-D-Version behutsam mit den Möglichkeiten der Stereoskopie umgeht. Der Look des Films ist nicht hyperrealistisch, sondern sehr cartoonartig. Was den Wiedererkennungswert beim jungen Publikum erhöht und eine direkte Beziehung zur Bilderwelt Helme Heines herstellt. Am Ende siegen die Guten, weil sie zusammenhalten und alle ihre Stärken einzubringen verstehen. Die Koproduktion mit Melusine Productions Luxembourg und dem Westdeutschen Rundfunk Köln ist am 20. Mai 2018 im Kinderkanal (Kika) erstausgestrahlt worden.
Pitt Herrmann