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Verfilmung des gleichnamigen Romans von François Lelord. Im Mittelpunkt steht der leicht exzentrische Londoner Psychiater Hector, der an seinem Beruf und seiner Beziehung zu zweifeln beginnt und eines Tages beschließt, sein Leben grundsätzlich zu ändern. Er packt seinen Rucksack und tritt eine ereignisreiche Reise um die ganze Welt an. In fernen Ländern und bei teils fremden Kulturen hofft er eine Antwort auf die Frage zu finden, was "wahres Glück" ist.
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So beginnt der von Ralf Pannowitsch ins Deutsche übertragene und im Piper-Verlag herausgekommene Roman „Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück“. Und so beginnt Peter Chelsoms Leinwand-Adaption, die am 5. September 2017 in der ARD als Free.-TV-Premiere gezeigt worden ist: Herr und Hund sitzen im Doppeldecker-Flugzeug. Weil der Zweibeiner Spaß haben will und einen Überschlag nach dem anderen vollführt, wird der Vierbeiner aus dem Sitz geschleudert. Mit bitteren Folgen nicht nur für den Hund...
Als der Londoner Psychiater Hector aus diesem Alptraum erwacht, muss sich erst 'mal seine so treue wie fürsorgliche Freundin Clara um den verschwitzten kleinen Jungen an ihrer Seite kümmern. Was kein Problem für die Erfinderin verkaufsfördernder Namen für neue Medikamente ist: der charmante weibliche Workaholic steht, wenn es sein muss auch rund um die Uhr, Gewehr bei Fuß. Beruflich wie privat, schließlich ist das große Kind Hector vielleicht ein bisschen exzentrisch, welcher anständiger Brite ist das nicht, aber im Grunde in seiner grenzenlosen Naivität einfach liebenswert. Hector wird eigentlich nur mit einem Problem nicht fertig: er kann seine Patienten, in den meisten Fällen freudlose Ehemänner und frustrierte Ehefrauen, nicht glücklich machen. Dabei gibt er sich wirklich die größte Mühe, zumal wenn es sich um so einen interessanten Fall wie den von Madame Anjali handelt: die Hellseherin hat ihre Fähigkeit, die Zukunft vorauszusagen, von einem auf den anderen Tag verloren.
Oder doch nicht ganz, denn als Madame ihrem Psychiater aus der Hand liest, liegt sie goldrichtig: „Sie machen eine Reise in ferne Länder.“ Was Hector sogleich kategorisch von sich weist: Reisen in unbekannte Gefilde sind für ihn der reinste Horror. Auf der anderen Seite: Patienten, denen er nicht helfen kann, schreckliche Partys der Pharmafirmen, für die Clara tätig ist – da ist dann noch eine Menge zusammengekommen. „Ich möchte wissen, was die Menschen glücklich macht“: Eines Tages nimmt Hector seinen ganzen Mut zusammen, packt seine Sachen wie ein Pfadfinder in einen Rucksack und nimmt die erstbeste Maschine, die von London aus in die weite Welt fliegt. Ausgestattet mit geradezu kindlicher Neugier und einem noch jungfräulich leeren Tagebuch, das ihm Clara für die Reise ins Unbekannte mitgegeben hat.
Dass das Abenteuer auf der ersten Station im exotisch-fremden China in für ihn noch erträglichem Rahmen bleibt, dafür sorgt sein zunächst sehr genervter, weil gestresster Sitznachbar im Flieger, der Investmentbanker und Multi-Millionär Edward. Für den skurrilen, anfangs von ihm belächelten, ja bemitleideten Hector unterbricht er seine Jagd nach der nächsten Million und zeigt dem Glücks-Sucher das wahre China – einschließlich eines besonderen studentischen Zimmer-Services der schönen Ying Li (Ming Zhao) im Hyatt-Luxushotel in Shanghai und der Weisheiten eines alten Mönches (Togo Igawa) in Chengdu in der fernen Provinz Sichuan. Hector und Edward lernen, mit der harten Wirklichkeit abseits der hochglanzpolierten Geschäftszonen und der touristischen Routen konfrontiert, wie relativ der Glücks-Begriff ist – und werden am Ende dicke Freunde.
In der „Holzklasse“ geht es für Hector weiter nach Südafrika, wo er seinen alten Freund Michael besuchen will, der in der Umgebung von Johannesburg als Arzt in einer Klinik für Arme tätig ist. Auf dem beschwerlichen Weg dorthin macht er die Bekanntschaft mit dem kolumbianischen Drogenboss Diego, der seine Geschäfte auf den Schwarzen Kontinent ausgedehnt hat und erst 'mal keinen Spaß versteht. Doch der Glückssucher entpuppt sich als Glückskind: durch einen Zufall steht Diego in seiner Schuld und so kann Hector den bevorstehenden Abenteuern mit weitaus größerer Gelassenheit entgegensehen. Und einen Süßkartoffel-Eintopf genießen, der ihn wie von seiner Sitznachbarin (Rebecca Davis) im Flieger versprochen, glücklich macht.
Die größte Herausforderung aber steht Hector noch bevor: er will in Los Angeles seine erste große Liebe Agnes wiedersehen. Auf dem Flug dorthin lernt er mit Djamila (Tessa Jubber) eine schwerkranke Frau kennen, der er in vorbildlicher Weise Beistand leistet und die sich mit folgender Weisheit revanchiert: „Leute, die Angst vor dem Tod haben, haben Angst vor dem Leben.“ Und auch dieser: „Zuhören ist ein Ausdruck von Liebe.“ Hector trifft sich mit Agnes, die jetzt als Psychologiedozentin und bald dreifache Mutter mit ihrem Gatten Alan (Chad Willett) ein glückliches Leben in Kalifornien führt, an einer ganz bestimmten Strandhütte der Küstenwache, mit der für beide viele Erinnerungen verbunden sind. Agnes lässt keinen Zweifel daran, was sie von Hectors Glückssuche hält: er soll nach Hause zurückkehren. Doch noch kann er sich nicht zu einer Liebeserklärung für Clara durchringen. Zunächst bewährt sich Hector als idealer Proband für die Untersuchungen des Glücksforschers Professor Coreman: sein Gehirn schlägt bedeutende Wellen auf dem Bildschirm des Wissenschaftlers...
Mit seinem längst nicht von allen Lesern als kurzweilig empfundenen Roman „Le voyage d'Hector ou la recherche du bonheur“ gelang Francois Lelord ein Weltbestseller. 1953 geboren, studierte er Medizin und Psychologie und wurde Psychiater, schloss jedoch seine Praxis, um zu reisen und sich und seinen Lesern die wirklich großen Fragen des Lebens zu beantworten. Lelord lebt mit seiner Frau in Paris und Thailand. 2004 eroberte er sich mit „Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück“ auch in Deutschland ein Millionenpublikum. Vier weitere „Hector“-Bücher und zahlreiche andere Publikationen folgten.
Die Verfilmung des britischen Regisseurs Peter Chelsom („Darf ich bitten?“, „Funny Bones“) glänzt nicht nur mit einem Starensemble, das für spielerisch-leichte Kabinettstückchen sorgt, sondern unterhält mit witzigem Erzähler-Kommentar, kleinen ironischen Making-of-Passagen und farbsatten Bildern des in Berlin geborenen Kameramanns Kolja Brandt. Wem der rund 180-seitige Roman zu langweilig erschienen ist, sollte sich den Film unbedingt ansehen – und die Fans von Francois Lelord schon gar. Und wo, bitte, geht’s zum Glück? Professor Coreman weiß die Antwort: „Man muss das Glück der Glücks-Suche genießen.“
Pitt Herrmann