Vom 9. bis 17. Februar 2026 findet zum zwölften Mal die Woche der Kritik in Berlin in der Akademie der Künste am Pariser Platz und im Hackesche Höfe Kino statt.
Die Woche der Kritik lädt jedes Jahr parallel zur Berlinale dazu ein, eine Woche lang gemeinsam über Filme, Kritik und das Kino als kulturellen Raum nachzudenken. Die Woche der Kritik fordert heraus, genau hinzusehen und den eigenen Blick neu kennenzulernen.
Das Filmprogramm beginnt am Dienstag, den 10. Februar im Hackesche Höfe Kino und präsentiert aufregende, frei kuratierte Filme der aktuellen Festivalsaison.
Der Regisseur Adilkhan Yerzhanov ist ein Meister darin, Genrekino gegen Genrekonventionen zu inszenieren. 2014 rief er gemeinsam mit sechs weiteren Filmschaffenden das Partisanen Kino aus: Sie veröffentlichten ein Manifest und schworen sich darauf ein, mit unabhängigen Filmen neue Wege zu beschreiten. Sein neuer Film "Turgaud" steht in der Tradition dieses Manifests und wird getragen von Blicken, Pausen, Verfremdungen und musikalischen Interventionen. Im Zentrum steht ein verschwiegener Mann, der den Anführer eines Verbrechersyndikats mit dem eigenen Leben schützen will. Das ist auch nötig, denn eine mysteriöse Frau und ihr Kind wollen den Gangster tot sehen. Gewalt ist vorprogrammiert, doch sie zeigt sich auf rätselhafte Weise. In einem mythischen Action-Setting entwickelt der Regisseur eine politische Allegorie auf die Gegenwart.
Die multidisziplinäre Künstlerin Carolyn Lazard verweist in ihrem Kurzfilm "Fiction Contract" auf eindringliche, fast surreal anmutende Weise auf die Situation Schwarzer Frauen in den USA, die deutlich häufiger bei der Geburt sterben als andere soziale Gruppen. Ein Team aus mehreren Schwarzen Ärzt*innen, Krankenschwestern und Hebammen geht bei einer medizinischen Simulation in den Notfallmodus. Bei "Worry Time" spielen sich die Notfälle am Filmset eines Sci-Fi-Splatterfilms ab, bei dessen Dreh nichts nach Plan läuft. Scharfsinnig und doppelbödig erzählen Tom Brennan und Emma Paetz von einer Künstlerin zwischen Selbstfindung und Selbstzerstörung, die versucht, endlich ihren ersten eigenen Film zu drehen. Ein mysteriöses Werk zwischen Drama und Gore, das um Angst, Missbrauch, Schwangerschaft und Hass kreist; aber auch um Licht, Farbe, Kunstblut, Sex, Wahnsinn und ein Unbehagen vom Körper bis zum Geist.
Dorian Jespers sind anscheinend weder Gerichtsdramen noch Traumsequenzen heilig. In seinem Kurzfilm "Loynes" bricht er mit viel Inszenierungsfreude zahllose Regeln des Erzählkinos und wählt einen zeitlosen Gerichtssaal als Schauplatz für eine kafkaeske Farce. Seit seinem mit Preisen überhäuften Abschlussfilm "Sun Dog" ist der junge Regisseur in aller Munde und wir sind gespannt, was er über seine Filme zu sagen hat. Bei der Woche der Kritik trifft er auf Teresa Villaverde, die seit den 1990er Jahren regelmäßig zu Gast bei internationalen Filmfestivals ist. In "Justa" erzählt sie in einem poetisch-rätselhaften, mitunter konfrontativen Stil ausgehend von fünf Schicksalen von den Folgen der verheerenden Brände in Portugal von 2017.
Seit über zwanzig Jahren testet die österreichische Künstlerin Maria Petschnig mit ihren selbstironischen und experimentellen Kurzfilmen die Grenzen von Humor und gutem Geschmack aus. Ihr erster langer Spielfilm "Beautiful and Neat Room" erzählt vom Zusammenleben auf engstem Raum in New York und ist eine beißend-absurde Komödie über Künstler*innenklischees und Kauzigkeiten. Die bei Petschnigs Film fehlenden "Hugs & Kisses" beschwört schließlich der Musiker und Sampling-Experte Marc Richter alias Neue Deutsche Kunst – und zwar mittels KI. Richter hat es sich zum Ziel gesetzt, Videogeneratoren mit absurden, poetischen und überlangen Befehlen an ihre Grenzen zu treiben. Zwischen Entfremdung und Zuneigung lässt sein Film farbenfrohe Gegenstände und Körper ineinanderfließen und verwischt dabei die Grenzen zwischen menschlicher Kreativität, künstlicher Intelligenz und dem Zufall.
Alle Filme des Programms im Überblick:
"Arguments in Favor of Love"
R: Gabriel Abrantes, PT 2025, 9 Min.
"Beautiful and Neat Room"
R: Maria Petschnig, AT/US 2025, 118 Min. – Deutschlandpremiere
"Desire Lines" ("Linije želje")
R: Dane Komljen, RS/BA/NL/HR/DE 2025, 107 Min. – Deutschlandpremiere
"Fiction Contract"
R: Carolyn Lazard, US 2025, 9 Min. – Europäische Premiere
"Hinterlegte Nummern"
R: Farina Mietchen, DE 2025, 20 Min. – Weltpremiere
"Hugs & Kisses"
R: Neue Deutsche Kunst/Marc Richter, DE 2025, 11 Min.
"If You Don’t Like It, Look Away" ("Au bain des dames")
R: Margaux Fournier, FR 2025, 30 Min. – Deutschlandpremiere
"Israel Palestine on Swedish TV" 1958-1989 ("Israel Palestina på Svensk TV" 1958-1989)
R: Göran Hugo Olsson, SE 2024, 206 Min.
"Justa"
R: Teresa Villaverde, PT/FR 2025, 108 Min. – Deutschlandpremiere
"Loynes"
R: Dorian Jespers, BE/FR/MK/GB 2025, 25 Min.
"Mag Mag" ("禍禍女")
R: Yuriyan Retriever, JP 2025, 112 Min.
"One Minute Is an Eternity for Those Who Are Suffering" ("Um minuto é uma eternidade para quem está sofrendo")
R: Fábio Rogério, Wesley Pereira de Castro, BR 2025, 62 Min. – Deutschlandpremiere
"Turgaud"
R: Adilkhan Yerzhanov, KZ 2025, 123 Min. – Weltpremiere
"Worry Time"
R: Tom Brennan, GB 2025, 89 Min. – Weltpremiere
Quelle: www.wochederkritik.de