Credits
Kamera
Schnitt
Produktionsfirma
Alle Credits
Dramaturgie
Drehbuch Sonstiges
Kamera
Schnitt
Ton
Beratung
Musik Sonstiges
Sprecher
Produktionsfirma
Produktionsleitung
Erstverleih
Länge:
521 m, 19 min
Format:
35mm
Bild/Ton:
s/w, Ton
Aufführung:
Erstaufführung (DD): 27.06.1956
Titel
- Originaltitel (DD) Vom Lebensweg des Jazz
- Weiterer Titel (DD) Eine kleine Lektion über Jazz
Fassungen
Original
Länge:
521 m, 19 min
Format:
35mm
Bild/Ton:
s/w, Ton
Aufführung:
Erstaufführung (DD): 27.06.1956
Kommentare
Sie haben diesen Film gesehen? Dann freuen wir uns auf Ihren Beitrag!
Jetzt anmelden oder registrieren und Kommentar schreiben.
Spirituals verbanden Hass, Verzweiflung und christlichen Glauben über Generationen hinweg bis zur Sklavenbefreiung nach dem Bürgerkrieg. Der folgende Terror der u.a. im Ku Klux Klan organisierten weißen Rassisten brachte mit dem Blues eine neue Musikrichtung hervor, bis New Orleans zum Hotspot der „Happy Music“ wurde, dem emotionalen Ausdruck der nachfolgenden Generationen. Mit europäischen Einflüssen kamen neue Töne zu den alten Geschichten und mit dem Dixieland zog der Jazz immer weiter nordwärts.
Wolfgang Bartsch und Lothar Kusche lassen in ihrem von Helga Göring und Erich Franz gesprochenen Kommentartext antiamerikanische Töne anklingen: Boogie Woogie und der 1945 mit den US-Soldaten nach Europa gebrachte Big-Band-Sound seien eine Pervertierung des Jazz – und „die musikalische Vorwegnahme des eigenen Zusammenbruchs“. Erst die um alle Gegenwartsbezüge zur damals aktuellen Jazz-Szene in der DDR gekürzte, mit neuen Sprechern und neuem Kommentar versehene 19-minütige Fassung hat es am 27. Juni 1956 in die Kinos geschafft als Begleitprogramm zum Hauptfilm.
Allerdings nur für gut ein halbes Jahr. Am 25. März 1957 wurde der „Jazz-Papst“ der DDR und künstlerische Berater des Defa-Teams, Reginald Rudorf, verhaftet und fünf Tage später vom Strafsenat des Bezirksgerichts Leipzig wegen „Boykotthetze, konterrevolutionärer Tätigkeit sowie Beleidigung hoher Funktionäre der SED und der FDJ“ zu einer zweijährigen Zuchthausstrafe verurteilt, die er u.a. im berüchtigten Gefängnis für „Politische“ im sächsischen Waldheim absaß. Später gelang ihm die Flucht nach Westdeutschland, wo er als Journalist u.a. bei der FAZ tätig war.
Rudolf, 1929 in Hamburg geborenes und in Leipzig aufgewachsenes SED-Mitglied, war Gründer des Jazzkreises Leipzig und, vor dem Hintergrund immer wieder aufflammender ideologischer Probleme, Rundfunk-Moderator mit Schwerpunkt Jazz. 1952 hatte das Staatliche Rundfunkkomitee der DDR den Jazz gänzlich aus den Programmen gestrichen, zwei Jahre später wieder zugelassen, um 1955 erneut ein Verbot auszusprechen.
Am 7. April 1955 diskutierte Reginald Rudorf in Berlin drei Stunden lang mit Vertretern des Ministeriums für Kultur, des Verbandes Deutscher Komponisten und Musikwissenschaftler (VDK) und anderen Kulturfunktionären über die Rolle des Jazz in der DDR. Der Komponist Jean Kurt Forest, einer der Gründungsmitglieder des VDK, entgegnete auf den Vorschlag Reginald Rudorfs, „Hot- oder Boogie-Woogie-Clubs zu bilden“, dass „in Deutschland nicht nach russischer oder Negermusik getanzt werden sollte, sondern nach deutscher Tanzmusik“. Seine Begründung: „Wir haben in Deutschland weder Clubs für russische Tänze, englische Tänze.“ Ab Mai 1956 strahlten Radio DDR, der Deutschlandsender und der Berliner Rundfunk insgesamt wieder neun Stunden Jazz pro Woche aus – bis zum erneuten Verbot Anfang 1957.
„Vom Lebensweg des Jazz“ war bereits im Katalog der Oberhausener Kurzfilmtage 1956 vertreten, als der Interministerielle Ausschuss für Ost-West-Filmfragen, der von 1953 bis 1966 insgesamt dreitausend Filme begutachtete und zensierte, die Aufführung untersagte. Das Verbot dieses im Kalten Krieg gegründeten politischen Gremiums erstreckte sich ausdrücklich auch auf die kommerzielle Auswertung in der Bundesrepublik.
Pitt Herrmann