Inhalt
Die 17-jährige Paula wohnt mit ihrer Mutter Heike auf einem Bauernhof. Ihr Vater Rafael liegt seit fünf Monaten im Koma. Paula spricht nicht über seine Situation, sondern redet sich ein, dass alles wieder wie früher werden kann und ihr Papa zurückkommen wird, wenn nur sein Hof gut läuft.
Als Heike ihrer Tochter offenbart, dass sie den Bauernhof verkaufen müssen, kämpft Paula für den Hof, um dadurch ihren Vater zu retten. Doch während Paula verbissen die Hofarbeit bewältigt, verschlechtert sich Rafaels Gesundheitszustand. Als Reaktion darauf blendet Paula alles außer der Arbeit aus und blockt auch ihre Mutter ab, die sich mit der kritischen Situation auseinandersetzt.
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Natürlich leiden ihre schulischen Leistungen darunter, sie ist häufig unaufmerksam im Unterricht, wofür die Lehrerin Schulte sogar Verständnis hat in Kenntnis von Paulas angespannter familiärer Situation. Allerdings beschwört sie ihre Schülerin, unbedingt das Abitur zu machen, um sich für die Zukunft alle Optionen offenzuhalten. Paulas beste Freundin Elli hilft nach Kräften in der Schule und an manchen Wochenenden auch auf dem Hof. Beide kicken in der Frauen-Fußballmannschaft des FSV Freekenhorst, für die Paula kaum noch Zeit und Muße aufbringt.
Wenigstens der nur noch rund ein halbes Jahr auf dem Hof tätige Knecht Georg kann bei der witterungsbedingt unter großem Zeitdruck stehenden Ernte helfen – und Mona übernimmt in der Zeit, in der Heike bei ihrem Gatten in der Klinik weilt, das Sortieren und Verpacken der Kartoffeln. Aber Georg ist skeptisch, ob die beiden Frauen die Bewirtschaftung allein bewältigen können nach seinem Weggang.
Eine Frage, die sich für Mutter Heike bald nicht mehr stellt: Nach einem längst überfälligen Kassensturz bilanziert sie 200.000 Euro Schulden, die in absehbarer Zeit nicht erwirtschaftet werden können. Sie will den Hof verkaufen, in die Stadt ziehen und dort wieder in ihrem alten Beruf als Journalistin arbeiten. Hinzu kommt der erheblich verschlechterte Zustand ihres Mannes durch einen bakteriellen Infekt, der sich zu einer Lungenentzündung entwickelt hat. Sodass sie noch bei laufender Ernte über einen Makler (Mücahit Alkun) mit einem Investor (Neven Nöthig) verhandelt, der freilich nur am Land, nicht aber am Hof und der Fortführung der Viehwirtschaft interessiert ist.
Die nachts von alptraumartigen Erinnerungen heimgesuchte Paula, die nur unter größtem Drängen ihrer Freunde zum Disco-Abend des jährlichen Schützenfestes kommt, stürzt sich nur noch mehr in die Arbeit – bis zur physischen und psychischen Erschöpfung. Ihre Realitätsflucht nimmt toxische Ausmaße an: Sie weigert sich, ihren Vater in der Klinik zu besuchen und torpediert alle Versuche eines klärenden Gesprächs mit ihrer Mutter über ihre Zukunft und die des Bauernhofes. Und dann läutet die Totenglocke: der Pfarrer (Oliver Möller) muss den Vater ohne Anwesenheit der störrisch auf dem Traktor sitzenden Tochter unter die Erde bringen. Georg hatte ihr gesteckt, dass Heike zugestimmt hat, die lebenserhaltenden Geräte in der Klinik abzustellen. „Du Mörderin!“ schreit ihr Paula ins Gesicht.
Herbst, Bodennebel, Endzeit-Stimmung. Paula und die realistische Elli trösten sich gegenseitig, blicken wie einst Vater Rafael in die Sterne. In denen nach rund einer Stunde auch die Zukunft steht: Paula bringt ihrer Mutter immerhin, eine Hoffnung machende Geste der Versöhnung, etwas zu trinken ans Bett…
„Viel Nebel im November“ ist der Abschlussfilm der 1997 in Mülheim an der Ruhr geborenen Regisseurin Anna Lena Höhne an der Fachhochschule Dortmund, die dort Film mit Schwerpunkt Regie studiert hat. Nach der Uraufführung in Hof war ihm nur ein kurzes Leben in wenigen Arthaus-Kinos vergönnt, dabei vereint der Familienfilm Paulas Coming-of-Age-Geschichte mit dem Drama des Niedergangs mittelständischer Landwirtschaftsbetriebe auf sehr realistisch-authentische Weise.
Anna Lena Höhne im Cangerfilms-Presseheft: „Als ich zehn Jahre alt war, hatte mein Vater einen schweren Skiunfall und lag für mehrere Wochen im Koma. Der Unfall und alles, was danach passierte, hat die Beziehung zu meinen Eltern stark verändert und vor allem mein Bewusstsein für den Wert dieser Beziehung sensibilisiert. Diese Erfahrung diente mir als Inspiration für ‚Viel Nebel im November‘. Der Film handelt vom Loslassen mit der Angst, alles zu verlieren, dem Tragen von Verantwortung und der Aussöhnung mit den eigenen Eltern und sich selbst. Dabei spielt die fragile Beziehung zwischen Tochter und Mutter eine zentrale Rolle und es wird deutlich, dass es manchmal besser für einen selbst sein kann und mehr Stärke fordern kann, aufzugeben. Doch bis zum Ende des Films stellt sich die Frage, ob Paula es schaffen wird, loszulassen und Geborgenheit bei ihrer Mutter finden kann.“
Pitt Herrmann