Northern Star

Deutschland 2002/2003 Spielfilm

Inhalt

Bereits dreizehn Jahre ist es her, dass sich der Vater der nun 18-jährigen Anke das Leben genommen hat, über seinen Tod ist sie jedoch nie hinweg gekommen. Ihr Leben kreist seither um ihr mit Erinnerungsstücken angefülltes Zimmer und den Hund des Vaters, der ihr bester Freund ist. Der Mutter gibt sie früh die Schuld am Selbstmord des Vaters, die Atmosphäre zwischen den beiden ist lange schon unterkühlt. Als die Mutter ihr Verhältnis mit dem Pfarrer offenbart, flieht Anke. Auf ihrem Weg trifft sie auf Ulf, der dabei ist, sich um den Nachlass seines kürzlich verstorbenen Vaters zu kümmern. Er bietet ihr an, bei ihm wohnen zu können, als Gegenleistung soll sie seine Motoryacht "Northern Star" wieder flott machen. Anke, die in dem Schiff das Boot erkennt, mit dem sich ihr Vater in die weite Welt hinausgeträumt hat, lässt es sich nicht entgehen, sich mit ihrem Hund in der Kajüte einzurichten. Langsam kommen sich auch Ulf und Anke näher, ein Glück allerdings von kurzer Dauer...

 

Kommentare

Sie haben diesen Film gesehen? Dann freuen wir uns auf Ihren Beitrag!

Heinz17herne
Heinz17herne
Die 18-jährige Schülerin Anke ist nie über den Tod ihres Vaters vor 13 Jahren hinweggekommen. Sie pflegt sein Grab und wacht eifersüchtig darüber, dass niemand sonst Hand anlegt. Ihr Zimmer ist vollgestopft mit Devotionalien, die an den Vater erinnern. Und sein alter Schäferhund ist Ankes ein und alles. Da Anke ihrer verzweifelt hilflosen, vom schlechten Gewissen geplagten Mutter die Schuld für den Selbstmord des Vaters gibt, herrscht seit langem eine Art Kleinkrieg zwischen den beiden. Aber auch zu ihren Lehrern, ja sogar zu ihren Mitschülern hat Anke ein gestörtes Verhältnis.

Als ihre Mutter Anke ihr heimliches Liebesverhältnis mit dem verheirateten Pfarrer offenbart, reagiert die Tochter mit ohnmächtiger Wut. Sie beschließt, alle Brücken hinter sich abzubrechen und schnellstmöglich die besonders im Winter triste Kleinstadt Cuxhaven an der Nordseeküste zu verlassen. Beim Trampen trifft Anke auf den einige Jahre älteren Ulf, einen exzentrischen jungen Mann, der seit einiger Zeit in Hamburg lebt und früher mit ihrer besten Freundin Insa ging. Ulf, das verwöhnte Einzelkind aus gutem Hause, ist nach Cuxhaven zurückgekommen, um den Nachlass seines verstorbenen, von ihm alles andere als geliebten Vaters, der sich vor kurzem ebenfalls das Leben genommen hat, zu regeln.

Seine beträchtliche Erbschaft gewährt ihm künftig ein sorgenfreies Leben, ohne dass er einem Broterwerb nachgehen müsste. Er bietet Anke an, in dem großen Haus zu wohnen, das er geerbt hat und schlägt ihr ein Geschäft vor: Anke soll das Boot, das im Garten liegt, wieder flott machen und sich so Kost und Logis verdienen. In der kleinen Motoryacht „Northern Star“ erkennt Anke das Schiff, mit dem sich ihr Vater in die weite Welt hinaus geträumt hat. Die Gelegenheit, mit dem Hund in die Kajüte einzuziehen und sich selbst dem Fernweh hinzugeben, nimmt Anke sofort wahr, zumal ihr „Freund“ Hannes gerade sein erstes Galopprennen gewonnen hat und vor einer Karriere im Pferdesport steht, die er ihretwegen nicht aufs Spiel setzen möchte. Anke und Ulf kommen sich näher, sie nimmt ihn sogar an das Grab ihres Vaters mit.

Im Gegenzug lädt Ulf sie ein, ihn auf seiner Schiffsreise zu begleiten. Allerdings: Den Hund darf sie nicht mitnehmen. Weil sie es nicht übers Herz bringen kann, den treuen Begleiter ihres Vaters im Tierheim abzuliefern, tötet Anke den Schäferhund mit Tabletten – aus Liebe zu Ulf. Die Abschiedsparty mit Freunden am Strand kann beginnen. Doch Insa lässt die Situation eskalieren: Anke erfährt, dass Ulf schon einmal den Plan, mit dem Boot auf große Reise zu gehen, platzen ließ. Entschlossen lässt Anke alle zurück und fährt mit dem Boot des Vaters allein dem Sonnenaufgang entgegen...

In Felix Randaus Spielfilmdebut zeigt Julia Hummer eine erschreckend kompromisslose Anke, die aus der Opferrolle eines um seine Kindheit betrogenen vaterlosen Mädchens nur durch eigene Gewaltausbrüche herauskommt und alle Hoffnungen auf den von ihr fälschlich als Leidensgenossen angesehenen Ulf setzt.

Zu den anrührendsten Momenten des Films gehört eine – charakteristische – Szene am Rande: Der Pfarrer hat sich von seiner Frau, Ankes Lehrerin und damit Kollegin ihrer Mutter, getrennt und ist zu letzterer gezogen. Was die Mitglieder der Kirchengemeinde offenbar für ein schlimmes Vergehen halten: Das Pfarrfest muss der Pfarrer ohne jede Hilfe vorbereiten, und am Abend tanzt er ganz allein mit Ankes Mutter zu Hannes Waders „Dat du mein Levsten bist“. Anke lässt sich nur kurze Zeit von der traurigen Stimmung mitreißen und greift zur Gitarre, dann setzt sie wieder ihre sture Miene auf und verlässt die beiden wortlos.

Pitt Herrmann

Credits

Regie

Drehbuch

Schnitt

Musik

Darsteller

Alle Credits

Dreharbeiten

    • 15.10.2002 - 19.11.2002: Cuxhaven, Bremen
Länge:
80 min
Format:
16mm - Blow-Up 35mm, 1:1,85
Bild/Ton:
Farbe + s/w, Dolby
Aufführung:

Uraufführung (DE): 24.09.2003, Hamburg, Filmfest;
Kinostart (DE): 09.12.2004;
TV-Erstsendung (DE): 25.07.2005, ZDF

Titel

  • Originaltitel (DE) Northern Star

Fassungen

Original

Länge:
80 min
Format:
16mm - Blow-Up 35mm, 1:1,85
Bild/Ton:
Farbe + s/w, Dolby
Aufführung:

Uraufführung (DE): 24.09.2003, Hamburg, Filmfest;
Kinostart (DE): 09.12.2004;
TV-Erstsendung (DE): 25.07.2005, ZDF

Auszeichnungen

Studio Hamburg Nachwuchspreis 2004
  • Bestes Drehbuch