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Die Hausfrau Roswitha, Mutter zweier Kinder, eröffnet eine Abtreibungspraxis, um ihren Mann bei der Ernährung der Familie zu unterstützen. Als ein Arzt, an den sie schwierige Fälle verweist, eines "Kunstfehlers" verdächtigt, muss Roswitha ihre Tätigkeit aufgeben. Nun beginnt Roswitha, sich politisch zu engagieren. In Flugblättern macht sie gegen die angeblich geplante Stilllegung des Betriebs, in der ihr Mann arbeitet, mobil – fälschlich, wie sich herausstellt. Daraufhin wird ihr Mann entlassen. Abermals macht sich Roswitha selbstständig: sie eröffnet einen Kiosk, an dem sie Würstchen an Fabrikarbeiter verkauft.
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Als die Polizei einer § 218-Anzeige nachgeht kommt heraus, dass ein gewisser Dr. med. Ernst Genée, an den Roswitha ihre komplizierten Fälle weiterreicht, einen ärztlichen Kunstfehler begangen hat. Für seine Gattin übernimmt Franz Bronski die Verantwortung – und den Gefängnisaufenthalt. Aus der Haft entlassen kann Franz nach bestandenem Examen in seinem Beruf als Chemiker arbeiten und nun für den Unterhalt der vielköpfigen Familie allein sorgen.
Roswitha sucht sich ein neues Betätigungsfeld und wird politisch aktiv – ausgerechnet in der Firma, in der ihr Mann arbeitet. Nachdem Gerüchte aufgekommen sind, diese werde nach Portugal verlegt, besteigt Roswitha ihren R 4, um sich vor Ort auf der Iberischen Halbinsel selbst ein Bild zu machen. Aber schießen kann sie keines – sie hat ihren Fotoapparat vergessen. Das ist so realistisch wie ihre Inspektion von Gastarbeiterwohnungen im Frankfurter Westend zusammen mit dem hessischen Landeskabinett des Ministerpräsidenten Albert Osswald.
Nachdem Roswitha ihre Erkenntnisse über Neubauten daheim publik gemacht hat, ändert das Unternehmen seinen Plan – und entlässt Franz Bronski aufgrund der Aktivitäten seiner Gattin fristlos. Die in der Schlusseinstellung wieder die Rolle der Ernährerin der Familie übernommen hat – als Würstchenverkäuferin. Roswithas Bude steht ausgerechnet vor dem Fabriktor der Firma Beauchamp & Co und sie wickelt die heiße, fettige Ware für die ehemaligen Kollegen ihres Gatten in ihre Agitprop-Flugblätter ein...
Eine Frau treibt die Kinder anderer Frauen ab, um die eigenen zu ernähren: Das ist absurd und verrückt auch in den Augen des Autors, Regisseurs und Produzenten Alexander Kluge. Der in einem Nachwort Roswithas Arbeit, gemessen an den Verhältnissen in einer hochindustriellen Gesellschaft wie der unsrigen, als vorindustriell und sklavenähnlich bezeichnet. Ihre gesellschaftliche Arbeitsweise hänge mit der spezifisch weiblichen Art, das Leben zu meistern, zusammen. Und diese Art werde von der männlich orientierten Leistungsgesellschaft als lächerlich und dümmlich wahrgenommen.
Dass Alexander Kluges am 7. Dezember 1973 in den Kinos gestartete 91-minütige Collage aus fiktionalen und dokumentarischen Teilen nach der Vorführung am 20. Mai 1974 beim Festival in Cannes ein überwiegend positives Echo fand, in Sorrent gar ausgezeichnet und vom deutschen „Zeit“-Kritiker Wolf Donner als „eine der wichtigsten deutschen Produktionen des letzten Jahres“ geadelt wurde, ist nur aus der bewegten Zeit der 1970er Jahre heraus zu erklären.
So schrieben die feministische Filmemacherin Helke Sander, die Neuköllner Grundschullehrerin Marlies Kallweit und die Rundfunk-Mitarbeiterin beim Sender Freies Berlin, Magdalena „Mädi“ Kemper, in „Frauen und Film“ (Nr. 3, 1974): „Was bringt eine bürgerliche frau dazu, sich als abtreiberin auszubilden, welche gedankliche auseinandersetzung geht dem voraus, wie werden die erfahrungen in diesem beruf ausserhalb des berufs verarbeitet, wie reagiert man als potentiell politische abtreiberin des jahres 1973 in frankfurt auf die aktion 218?“
Das Kritikerlob ist auch als Reaktion auf politischen Druck gegen Alexander Kluge zu verstehen, der 175.000 Mark an Drehbuchprämie zurückzahlen sollte, weil der fertige Film zwei Jahre später als „nicht förderungswürdig“ eingestuft wurde. Ein einmaliger und sogleich als Skandal empfundener Fall in der bis dahin zehnjährigen Geschichte der Filmförderung durch das Bundesinnenministerium, das auf die Rückforderung schließlich verzichtete.
Probleme gab es auch zwei Jahre später: Kameramann Thomas Mauch hat das halbe Jahr aus dem Leben der Familie Bronski in nüchternen und sehr zurückhaltenden Schwarzweiß-Bildern festgehalten, was jedoch nicht verhinderte, dass bei der Erstausstrahlung am 12. Dezember 1975 in der ARD die lange, stumme Abtreibungs-Sequenz bis zur Unkenntlichkeit „entschärft“ wurde.
Im Sommer 1975 übrigens erschien Alexander Kluges Band „Gelegenheitsarbeit einer Sklavin. Zur realistischen Methode“ in der Frankfurter Edition Suhrkamp mit Drehbüchern, Entwürfen und der Zusammenfassung seiner zuvor geäußerten bzw. teilweise auch publizierten Diskussionsbeiträge zur Theorie des sog. Jungen deutschen Films.
Pitt Herrmann