• Twitter
  • Facebook
  • Print
  • Forward

Frau Warrens Gewerbe

BR Deutschland Schweiz 1959/1960 Spielfilm

Inhalt

Ein so genannter Skandalfilm, basierend auf dem gleichnamigen Drama von George Bernard Shaw, über soziale Ungerechtigkeit und Scheinmoral: Die junge Akademikerin Vivie, die dank ihrer reichen Mutter eine umfassende Erziehung genossen und ein Studium in Cambridge absolviert hat, ist ein hochmoralischer Charakter. Doch als sie eines Tages hinter das Geheimnis ihrer Mutter kommt, die einst als Prostituierte in den Londoner Slums arbeitete und deren Vermögen sich als Verdienst aus Bordellbetrieben erweist, verändert sich das Verhältnis zu ihr radikal.

 

Kommentare

Sie haben diesen Film gesehen? Dann freuen wir uns auf Ihren Beitrag!

Falk Schwarz
Ein vollendeter Lump
Shaws Theaterstücke sind oft Konversationsstücke, die sich eine These vornehmen - hier: Geld kauft Moral - seine Figuren bestehen nicht aus Fleisch und Blut, sondern sind eher Ideenträger. Also eine echte Herausforderung für Schauspieler, Leben in diese Rollen zu bringen. Julia (brillant: Lilli Palmer) ist elegant, sprachgewandt, frivol und - wie sie selber sagt - „ein bisschen unmöglich“. Ihre unschuldige, selbstbewusste nichts-ahnende Tochter (anmutig: Johanna Matz) ist über den Lebenswandel ihrer Mutter empört. Doch der eigentliche Haupttäter bleibt Sir George (glänzend komödiantisch: O.E. Hasse), selber Oberschicht, aber ausschließlich an Geld interessiert, der sich diese junge Frau kaufen will: „Der einzig sichere Weg, wie eine Frau für sich sorgen kann, ist gut zu sein zu einem Mann, der es sich leisten kann, gut zu ihr zu sein“. Shaws Zynismus. Ein komödiantischer Höhepunkt, als Sir George, am Hühnerbein nagend, parodiert, wie eine Lady aus dem Hochadel sich von ihrem Mann erklären lassen will, was ein Bordell ist. Und der Mann dann antwortet: „Das habe ich in meinem Alter vergessen“. Händeringend verdruckst der Ex-Pfarrer (pendelnd zwischen Gier und Glauben: Rudolf Vogel), der Gottesworte gegen Lohn verkauft, und sein Taugenichts-Sohn (locker selbstbewusst: Helmuth Lohner), der seinen Alten für verderbt hält: „Ich mache keine Schulden, um Weiber zu bezahlen, wie Du das getan hast“. Da ist der Alte ausser sich. - Regisseur Akos von Rathony hat dieses Kammerspiel geschickt eingerichtet, setzt immer wieder Spiegel ein, mit deren Hilfe Kameramann Albert Benitz zeigt, wie sehr sich diese Leute selbst bespiegeln - ohne zu merken, was die Welt draussen dazu sagt. Shaws Lust, die Oberschicht vorzuführen, seine Freude an Zuspitzungen gipfelt dann in dem Satz, den die Tochter Sir George vorhält: „Sie sind ein vollendeter Lump als Zuhälter meiner Mutter“. Also - Männer sind bordellaffin, Frauen lieben das Geld, Pfarrer verkaufen Glauben und alle sehen nur sich selbst im Spiegel. Chapeau!

Credits

Alle Credits

Länge:
2807 m, 103 min
Format:
35mm, 1:1,66
Bild/Ton:
s/w, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 11.01.1960, 21466, ab 16 Jahre / nicht feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 12.01.1960, Hannover, Weltspiele

Titel

  • Originaltitel (DE) Frau Warrens Gewerbe

Fassungen

Original

Länge:
2807 m, 103 min
Format:
35mm, 1:1,66
Bild/Ton:
s/w, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 11.01.1960, 21466, ab 16 Jahre / nicht feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 12.01.1960, Hannover, Weltspiele