Die Puppenfee

Österreich 1936 Spielfilm

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Falk Schwarz
Heit samma fesch!
Der 31. Dezember 1899. Ganz Wien steht Kopf. In allen Sälen, in allen Restaurants wird getanzt, werden Papierschlangen in die Luft geworfen, die Herren tragen Frack, die Frauen sind in lange, sorgfältig drapierte Kleider gehüllt, es wird geschoben, geschunkelt, geküsst, geschrien, gelacht, übermütig diese letzte Nacht eines ausgehenden Jahrhunderts ausgekostet. Man singt "Ich hab' dich und Du hast mich", "Ich bin heut' so gut aufgelegt", dazwischen begegnen wir der Sandrock Adele, die in ihrem Bassbariton donnert: "Ich denke nicht daran, das Glück meiner Nichte auf einem Hosenknopf aufzubauen". Was sie meint? Der Hörbiger Paul, mit dem sie filmisch verwandt ist, hat ihr gerade seine neueste Erfindung vorgeführt: einen Automaten, der Knöpfe annäht. Hoch geeignet für Junggesellen. "Und damit willst Du Geld verdienen?" Denn die Tante, die sich mit "Erlaucht" anreden lässt (wir sind ja in Österreich), sorgt sich, dass dieser Hallodri zwar mit ihrer Nichte eine Ehe eingehen möchte, aber nicht weiß, wovon sie eigentlich leben sollen. "Wir haben ja uns!" meinen sie. Ob das reicht? Denn der Hörbiger Paul ist Erfinder in diesem Film - er hatte schon mal einen Automaten zum Gradebiegen von Bananen konstruiert. Man trifft sich im Sacher, in der Oper und schaut dieses Ballett "Die Puppenfee" an (daher der Titel), streitet sich, mißversteht sich, heult, aber vor allem rennen alle herum. Keiner steht jemals still (ausser Tante Adele), alle werden von dieser Nacht bewegt und laufen vor sich davon. Man möchte dem Regisseur zurufen: Sorg' mal für Ruhe, erzähl' uns eine Geschichte, die nicht im Tohuwabohu untergeht! Aber er wird es nicht hören, dazu ist der inszenierte Rummel zu laut. Dann sitzen sich der Hörbiger Paul und der Albach-Retty Wolf stark angetrunken gegenseitig auf dem Schoss, busserln sich ab und wir wundern uns, weil doch alles bei Emo sonst so hochmoralisch abläuft. Aber die Beiden sollen wohl Film-Brüder sein und dann dürfen sie. Als nun die Schneider Magda ihren liebsten Wolf endlich in die nackten Arme schließen möchte, bleibt Emo ganz cool: jeder geht in sein Hotelzimmer. Was wir vermuten, ist allerdings, dass diese nebeneinander liegenden Hotelzimmer eine Verbindungstür haben. Aber das ist reine Fantasie und darüber zu spekulieren, steht dem erschöpften Zuschauer überhaupt nicht zu. Fasching in Wien und was morgen anbrechen könnte, kümmert uns im Heute nicht.

Credits

Alle Credits

Länge:
2343 m, 86 min
Format:
35mm, 1:1.33
Bild/Ton:
s/w
Prüfung/Zensur:

Zensur (DE): 11.06.1936, B.42612, Jugendverbot

Aufführung:

Uraufführung (DE): 19.06.1936, Berlin, Atrium

Titel

  • Originaltitel (AT) Die Puppenfee

Fassungen

Original

Länge:
2343 m, 86 min
Format:
35mm, 1:1.33
Bild/Ton:
s/w
Prüfung/Zensur:

Zensur (DE): 11.06.1936, B.42612, Jugendverbot

Aufführung:

Uraufführung (DE): 19.06.1936, Berlin, Atrium