Credits
Regie
Drehbuch
Kamera
Schnitt
Musik
Darsteller
- Christian Wulff
- Bettina Wulff
- Sprecherin Petra Diroll
- Martin Heidemanns
- Nikolaus Harbusch
- Lothar Hagebölling
- Olaf Glaeseker
- Kai Diekmann
- Journalistin
- Journalistin
Produktionsfirma
Produzent
Alle Credits
Regie
Regie-Assistenz
Continuity
Drehbuch
Drehbuch-Mitarbeit
Vorlage
Kamera
Kameraführung
Kamera-Assistenz
Standfotos
Kamera-Bühne
Szenenbild
Außenrequisite
Innenrequisite
Maske
Garderobe
Schnitt
Musik
Darsteller
- Christian Wulff
- Bettina Wulff
- Sprecherin Petra Diroll
- Martin Heidemanns
- Nikolaus Harbusch
- Lothar Hagebölling
- Olaf Glaeseker
- Kai Diekmann
- Journalistin
- Journalistin
- Chefredakteur ARD Hauptstadtstudio Müller
Produktionsfirma
im Auftrag von
Produzent
Redaktion
Produktionsleitung
Dreharbeiten
- 14.10.2013 - 08.11.2013
Länge:
89 min
Format:
16:9
Bild/Ton:
Farbe, Stereo
Aufführung:
TV-Erstsendung (DE): 25.02.2014, Sat.1
Titel
- Originaltitel (DE) Der Rücktritt
Fassungen
Original
Länge:
89 min
Format:
16:9
Bild/Ton:
Farbe, Stereo
Aufführung:
TV-Erstsendung (DE): 25.02.2014, Sat.1
Auszeichnungen
Bayerischer Fernsehpreis 2014
- Blauer Panther, Bester Schauspieler
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Weshalb man von einer der ersten Produktionen Nico Hofmanns unter dem neuen Dach-Label „Ufa Fiction“ durchaus von einem Schnellschuss sprechen kann. Obwohl sich Thomas Schadt, der auch das Drehbuch geschrieben hat unter beratender Begleitung des „Spiegel“-Journalisten Jan Fleischhauer, um einige kritische Distanz bemüht hat zu den Quellen, die ihm zu so frühem Zeitpunkt bei noch laufenden juristischen Verfahren zur Verfügung standen, darunter vor allem die Enthüllungsstory „Affäre Wulff“ der beiden „Bild“-Journalisten Martin Heidemanns und Nikolaus Harbusch. Die im Film längst nicht so gut wegkommen wie zwischen den eigenen Buchdeckeln.
Was nicht weiter verwundert, hat dieser sog. investigative Journalismus doch nicht nur die Familie Wulff ins Bodenlose stürzen lassen, Kollateral-Schaden des täglichen Zwanges, mit dicken Schlagzeilen Auflage zu produzieren. Warum sollte es dem Bundespräsidenten auch anders gehen als zahllosen Bürgern in der Vergangenheit und wohl auch in der Zukunft? Die Enthüller haben mit ihrer Hetzjagd, die Kreise weit über den publizistischen Bereich hinaus gezogen haben, dem Amt des Staatsoberhauptes und damit dem Staat selbst größten Schaden zugefügt.
Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland haben Staatsanwälte die Aufhebung der Immunität des Staatsoberhauptes beantragt, was, so die klare Aussage von Thomas Schadts Dokudrama, ohne die mediale Schmutz-Kampagne und die politische Unterstützung durch ihren Dienstherrn, des der SPD angehörenden Innenministers von Niedersachsen, nicht denkbar gewesen wäre. Die „Affäre Wulff“, das zeigten seinerzeit gleich mehrere juristische Verfahren, war längst zu einer Medien-Affäre geworden, was in einem Rechtsstaat, für den sich Deutschland immer noch hält, nicht weiter schlimm wäre. Wenn im Internet-Zeitalter nicht jeder Schmierfink unter dem Rubrum Pressefreiheit anonym unter die Leute bringen könnte, was er will.
Christian Wulff hat sich zu lange nur von seinen Getreuen im Bundespräsidialamt, darunter vor allem Amtschef Lothar Hagenbölling, der Sprecherin Petra Diroll und dem Chef des Protokolls (Ingo Hülsmann), beraten – und letztlich beruhigen lassen. Als „Erster Mann“ des Landes hat er sich in seinem repräsentativen Elfenbeinturm an der Spree nicht vorstellen können, dass führende Journalisten wie der „Bild“-Chef Kai Diekmann nichts auf ihr Geschwätz von gestern geben, dass die „Dritte Gewalt“ in einer parlamentarischen Demokratie parteipolitische Interessen über die des Gemeinwohls stellt.
Die „Affäre Wulf“, und das deutlich zu machen ist das eigentliche Verdienst des Dokudramas, war längst zur Rechtsstaat-Affäre mutiert. Die Verfahren gegen Wulff und seinen einstigen Sprecher Olaf Glaeseker wurden aus reiner politischer Willkür weitergeführt u.a. durch immer neue Anträge der Staatsanwälte, kein wesentlicher Punkt der Anklage hat sich auch nur annähernd bewahrheitet. Ein politisches Verfahren also, im Film ist von alten Rechnungen der SPD-Genossen aus der Zeit, in der der CDU-Politiker Christian Wulff Ministerpräsident Niedersachsens war, die Rede, das man eher in einer mittelamerikanischen Bananenrepublik erwartet hätte.
„Der Rücktritt“ wirft überdies ein recht grelles Schlaglicht auf die politische Elite unseres Landes generell. Zuallererst natürlich auf die Verführbarkeit der Macht bei Christian Wulf selbst und seiner zweiten Gattin Bettina, die zuvor selbst im Mediengeschäft tätig gewesen ist. Sie hätte wissen müssen, wie der Boulevard-Hase läuft. Ein Glamour-Paar hält Hof – und lebt weit über seine Verhältnisse. Was vor allem ein menschliches Drama ist, das aber durch das Amt des Bundespräsidenten ganz automatisch politische Dimensionen erhält.
Indem die Fiction-Szenen beinahe nahtlos in historische Dokumentaraufnahmen übergehen, wird man plötzlich, um nur ein besonders krasses Beispiel zu nennen, mit einer Andrea Nahles konfrontiert, die als Oppositionspolitikerin ihr parteipolitisches Süppchen kocht. Und das auf der größten aller möglichen Brandherd-Flammen. Um zwei Jahre später kreuzbrav neben Bundeskanzlerin Angela Merkel, welche nun auch die ihre geworden ist, am Kabinettstisch zu sitzen. Wundert es noch jemanden, dass die Politikerverdrossenheit inzwischen gefährliche Ausmaße für die Demokratie angenommen hat?
Pitt Herrmann