Werkschau Werner Penzel im Filmmuseum München

Vom 10. Januar bis 21. Februar zeigt das Filmmuseum München eine Reihe mit Werken des 2024 verstorbenen Filmemachers Werner Penzel.

 

Werner Penzel (1950 – 2024) war ein radikal unabhängiger Filmemacher. Er interessierte sich zeitlebens für nomadische Lebensformen und Kollektive. Mit seiner essayistischen, klang- und rhythmusbezogenen, experimentellen Filmsprache prägt er bis heute die nachfolgenden Filmemachergenerationen. In den 1960er Jahren kam er als Jugendlicher mit der Beat-Avantgarde-Szene in Köln in Kontakt und fand im essayistischen filmischen Erzählen eine Ausdrucksmöglichkeit, die performative Texte, Experimentalmusik und Improvisation mit filmischer Beobachtung und Schnittkomposition verdichtete. Charakteristisch für sein Werk sind lange, rhythmisierte Einstellungen, ein Beobachten statt Erklären, das genaue Hören von Raumklängen und eine Montage, die sich an musikalischen Strukturen orientiert.

Penzels Stil war insbesondere dort innovativ, wo er improvisierte Musik und filmische Improvisation zusammendachte – als "Zelluloid-Improvisation" oder "Cinepoem". Damit schuf er, insbesondere mit seinem "Cinenomad"-Regie- und Produktionspartner Nico Humbert, eine Form des dokumentarischen Kinos, die Freiheit, Unterwegssein, Bewegung und Rhythmus sinnlich erfahrbar macht. 

Seine ersten Filme sind Adaptionen der Werke rebellischer Autoren: Der Kurzfilm "Nellis Laden" (1971) basiert auf einer Kurzgeschichte von Dylan Thomas, der Kurzfilm "Heiße Luft" (1972) auf einer Kurzgeschichte von Charles Bukowski. In "Vagabunden-Karawane" begibt er sich mit der Krautrockband Embryo auf eine achtmonatige Reise von München aus über die Türkei, den Iran und Afghanistan bis nach Indien. Der Film ist ein Manifest eines freien, grenzüberschreitenden Unterwegsseins und erinnert heute schmerzlich an eine unwiederholbare Epoche offener Routen. Werner Penzel bleibt ein Reisender und begibt sich nach Nicaragua auf der Suche nach gesellschaftlichen Utopien, die ihn sein Leben lang interessieren. Er dreht dort "Adios al odio - Abschied vom Hass" (1987) über Priester, die der Befreiungstheologie als Stimme der Armen und Ausgebeuteten anhängen.

Zusammen mit seinem Kommilitonen von der HFF München, Nico Humbert, drehte er den vielfach ausgezeichneten experimentellen Musikfilm "Step Across the Border" (1990), der dem Multiinstrumentalisten Fred Frith durch Europa, Amerika und Japan folgt. In ihrem Cinepoem "Middle of the Moment" (1995) untersuchen die beiden den Zustand des Nomadischen und vermitteln diesen durch ein komplexes Mosaik von Beobachtungen nomadischer Lebensweisen in der Sahara und im europäischen Straßenzirkus, von Minimalpoesien Robert Lax', der Musik von Fred Frith und von atmosphärischen Umgebungsgeräuschen. Die Musik interessiert Penzel und Humbert auch in "Null Sonne No Point" (1997). Hier ergründen sie die Vorbereitungen des "Art Ensemble of Chicago", in "Brother Yusef" (2005), dem Abschluss ihrer gemeinsamen Arbeit, zeichnen sie ein intimes Porträt des 90-jährigen Jazz-Saxophonisten Yusef Lateef. Gemeinsam mit seiner Frau, der japanischen Fotografin Ayako Mogi und im Austausch mit anderen Künstlern gründet Penzel das kollektive Projekt "Laboratoire Village Nomade". Penzel und Mogi ziehen in die Schweiz, später auf eine kleine japanische Insel. In dieser Zeit interessierte Penzel die Entwicklung kollektiver Lebens- und Kunstformen mehr als das Filmemachen. Zwei Filme entstehen in Co-Regie mit Mogi: "Zen for Nothing" (2015), in dem die Schauspielerin Sabine Timoteo beobachtet wird, die mehrere Monate in einem japanischen Zen-Kloster lebt. "'Zen for Nothing' zeigt, wie weit dokumentarisches Kino gehen kann, wenn es die Welt nicht abbilden, sondern miterleben will." (Filmbulletin) Penzel und Mogi machen die spirituelle Atmosphäre der Ruhe und Kargheit sinnlich erfahrbar. Der zweite Film "While We Kiss The Sky" (2016) handelt von einem inklusiven Kunst- und Lebensprojekt in Japan, das Penzel sehr beeindruckte und dass die dort ansässige perkussive Band "otto & orabu" in den Mittelpunkt stellt. "Als er im Dezember 2024 starb, blieb etwas unvollendet, das eigentlich nicht zu vollenden ist, sondern immer weiterleben wird: der Glaube an den Geist der Freiheit." (Nicolas Humbert)

Quelle und alle Termine der Reihe: www.muenchner-stadtmuseum.de/film