Symposium "Work in Progress – Repräsentationen von Arbeit im Dokumentarfilm" in Köln

Unter dem Titel "Work in Progress" untersucht die dfi Dokumentarfilminitiative am 15. und 16. Januar 2026 im Filmhaus Köln in ihrem Jahressymposium Repräsentationen von Arbeit im Dokumentarfilm.

 

Arbeit strukturiert unser Leben: Sie formt Alltagspraktiken, prägt Identitäten und konstituiert soziale Verhältnisse. Doch viele Arbeitsrealitäten sind uns fremd und bleiben unsichtbar, verborgen in Produktionshallen, digitalen Räumen, privaten Haushalten oder prekären Nischen. Der Dokumentarfilm überschreitet in seinem Interesse an der Beobachtung, Archivierung und kritischen Befragung von Wirklichkeit kontinuierlich diese Schwellen der Sichtbarkeit, um das ins Bild zu rücken, was sich unserem Blick gewöhnlich entzieht: Arbeitskontexte, -praktiken und -prozesse sowie die Strukturen und Machtverhältnisse, in die sie eingebettet sind.

In der Vielfalt der Arbeitswelten, die der Dokumentarfilm dabei betritt und sichtbar macht, spiegelt sich auch die Vielfalt seiner Themen und ästhetischen Ansätze: von der zurückhaltenden Beobachtung traditioneller Handwerksberufe, die im Zuge von Globalisierung und Automatisierung dem Verschwinden anheimgegeben sind, über Darstellungen körperlicher Arbeit, die in ihrer physischen wie psychischen Belastung unmittelbar erfahrbar gemacht wird, oder der Problematisierung von Arbeitsmigration, digitaler Prekarisierung und den Ausbeutungsmechanismen der "New Economy", in der Arbeitsverhältnisse zunehmend entindividualisiert und entmenschlicht werden. In etlichen Filmen verdichten sich die Beobachtung von hierarchisierten Arbeitsabläufen und -strukturen in Fabriken, Bürokratien oder Dienstleistungssektoren zu Institutionen-Porträts. Sowohl feministische Perspektiven, die unsichtbare, unentlohnte und unverzichtbare Care-Arbeit ins Blickfeld rücken und deren gerechte Entlohnung fordern, als auch aktivistische Filme begreifen die Kamera als Werkzeug des Widerstands, das nicht nur dokumentiert und abbildet, sondern als Brandbeschleuniger in sozialen Kämpfen wirkt. Reflexive Praktiken hinterfragen schließlich die sozialen und ökonomischen Bedingungen der Filmproduktion und analysieren, wie diese die Repräsentationen von Arbeit beeinflussen.

Das zweitägige Symposium, welches die dfi dokumentarfilminitiative wieder in Kooperation mit der Kunsthochschule für Medien Köln veranstaltet, erkundet in gemeinsamen Sichtungen, Werkstattgesprächen, Vorträgen und informellen Diskussionsformaten die ästhetischen, ethischen und politischen Dimensionen der dokumentarischen Praxis in den Spannungsfeldern von Arbeit: Welche Strategien entwickelt der Dokumentarfilm, um unsichtbare oder marginalisierte Arbeitsformen sichtbar zu machen? Wie zeigt er Arbeit im Wandel – von traditionellen Berufen bis zu neoliberalen Arbeitsideologien – und wie trägt er zu ihrer Archivierung bei? Aus welcher Position heraus blickt er auf oder spricht er über Arbeit? Welche sozialpolitischen Potenziale entfaltet er im Kontext seiner Entstehungszeit und aus heutiger Perspektive? Wie dekonstruiert er als Medium des Widerstands und der gesellschaftlichen Transformation ihre hegemonialen Bilder, um neue Narrative zu entwerfen? Und inwiefern werden Fragen der Repräsentation, die eigene dokumentarische Arbeit und ihre Produktionsbedingungen zum Gegenstand filmischer Reflexion?

Die Veranstaltung bietet Raum für theoretische Auseinandersetzung, praktischen Austausch und interdisziplinäre Vernetzung und richtet sich an Dokumentarfilmschaffende, Produzent*innen, Film- und Sozialwissenschaftler*innen sowie den filmischen und akademischen Nachwuchs, Journalist*innen, Aktivist*innen und alle, die sich für das Verhältnis von Arbeit, Gesellschaft und Dokumentarfilm interessieren.

Mitwirkende:
Alejandro Bachmann (Professor für Filmgeschichte und Filmtheorie/Kunsthochschule für Medien Köln), Mirjam Baumert (freie Film- und Kulturvermittlerin), Serap Berrakkarasu (Filmemacherin, Produzentin und Migrationssoziologin), Christoph A. Büttner (Film- und Medienwissenschaftler/Universität Bayreuth), Nicolas Gourault (Künstler und Filmemacher), Felice Kaufmann (Studierende/KHM), Michelle Koch (dfi-Leitung), Stefan Koutzev (Filmemacher und Studierender/KHM), Alexandra Manske (Soziologin, Professur i.V./Universität Duisburg-Essen), Henrike Meyer (Filmemacherin), Kim Münster (Regisseurin und Produzentin/Treibsand Film), Lara Neuhaus (Studierende der Medienwissenschaft/Universität zu Köln), Volker Pantenburg (Professor für Filmwissenschaft/Universität Zürich), Katharina Pethke (Filmemacherin), Simon Quack (Dokumentarfilmer, Editor und Kameramann), Bernd Schoch (Dokumentarfilmer), Heide Schlüpmann (Philosophin und emerit. Professorin für Filmwissenschaft/Goethe-Universität Frankfurt/M), Ekaterina Thor (Tänzerin und Kulturanthropologin), Valentin Thurn (Produzent und Regisseur/ThurnFilm), Serpil Turhan (Regisseurin und Autorin), Kai von Westerman (Kameramann).

Filme:
- "Anophtalmus" (DE 2005, Katharina Pethke, 7 min)
- "Rhythm" (US 1957, Len Lye, 1 min)
- "Jeder ein Berliner Kindl" (BRD 1966, Harun Farocki, 4 min)
- "Valley Pride" (AT/DE 2023, Lukas Marxt, 15 min)
- "Olanda" (DE 2019, Bernd Schoch, 154 min)
- "Ekmek parası – Geld für's Brot" (DE 1994, Serap Berrakkarasu, 100 min)
- "Lehrfilm über die Rekonstruktion von Stasi-Akten" (DE 2000, Anke Limprecht, 12 min)
- "Their Eyes" (FR 2025, Nicolas Gourault, 23 min)
- "In Dir muss brennen" (DE 2009, Katharina Pethke, 64 min)
- "Angelika Urban, Verkäuferin, verlobt" (BRD 1970, Helma Sanders-Brahms, 28 min)
- "Invisible Hands" (AT 2021, Lia Sudermann, Simon Nagy, 13 min)
- "O! Fortuna! work in progress I–VI" (AT 2017, Karin Berger, 12 min)
- "Molkarin" (IN 1981, Yugantar, 25 min)
- "Ein Film über den Arbeiter" (DE 1998, Stefan Hayn, 18 min)
- "To Be an Extra" (DE 2024, Henrike Meyer, 71 min)

Am Abend vor dem Symposium (Mittwoch, 14.01.2025) präsentiert die dfi in Kooperation mit der Duisburger Filmwoche um 19 Uhr "Olanda" im Filmhaus Kino. Der Film ist am ersten Tag des Symposiums (15.01.) Gegenstand eines vertiefenden Werkstattgesprächs mit dem Regisseur Bernd Schoch und dem Kameramann Simon Quack sein. Für angemeldete Teilnehmer:innen des Symposiums ist der Eintritt kostenlos, optional wird ein zeitlich limitierter Online-Screener von "Olanda" zur Verfügung gestellt.

Teilnahmebeitrag: 2 Tage: 55 € / 35 € ermäßigt | 1 Tag: 35 € / 20 € ermäßigt | 1/2 Tag: 20 € / 12 € ermäßigt
Anmeldung über das Anmeldeformular

Das detaillierte Programm findet sich hier.

Eine Veranstaltung der dfi Dokumentarfilminitiative im Filmbüro NW e.V.; Förderung: Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, Kulturamt der StadtKöln, VFF – Verwertungsgesellschaft der Film- und Fernsehproduzenten; In Kooperation mit AG DOK Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm, Arsenal – Institut für Film und Videokunst e.V., Duisburger Filmwoche, Filmhaus Köln, Kunsthochschule für Medien Köln, Köln im Film, Netzwerk Filmkultur NRW, Werkleitz Gesellschaft e.V.  

Quelle: www.dokumentarfilminitiative.de