Unser täglich Brot

Deutschland (Ost) 1949 Spielfilm

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Heinz17herne
Heinz17herne
Berlin 1946. Trümmerfrauen stapeln Ziegelsteine, die sie vom Speis befreit haben, für den Wiederaufbau. U-Bahnen und Tramwaggons quillen über von Menschen wie die ankommenden Züge. Junge Leute mit Rucksäcken und großen Taschen strömen zu ihren Angehörigen – wie Niki, die bei der Familie Webers untergekommen ist und vom „Hamstern“ im Brandenburgischen heiß begehrte Lebensmittel mitbringt.

Karl Webers, der mit seiner zweiten Gattin Martha noch einmal Vater von Zwillingsmädchen geworden ist, hat 20 Jahre als Kassenverwalter in der im Krieg zerstörten Maschinenfabrik Renner & Company gearbeitet. Der Wohnungsnot in der zerbombten einstigen Reichshauptstadt geschuldet, beherbergt er seine bereits erwachsenen Kinder aus erster Ehe, den älteren Sohn Ernst mit seiner schwangeren Frau Käthe, dessen Bruder Harry und beider Schwester Inge, sowie seine Nichte Mary in der großen Wohnung.

„Sammelplatz für Ausbombte“ ätzt Harry, der sich als etwas Besseres fühlt und wohl deshalb nicht ohne Zigarettenspitze anzutreffen ist: Um finanziell über die Runden zu kommen, sind die Webers auch auf das Kostgeld der beiden weiteren Untermieter angewiesen, der in sich gekehrten Nichte Ilse und besagter lebensfroher Niki. Jeder trägt mit Geld und Naturalien zur Gemeinschaft bei – mit Ausnahme von Ernst. Der überzeugte Sozialist arbeitet bei dem nun volkseigenen Betrieb Renner als rechte Hand des zum Leiter ernannten Maschinentechnikers Peter Struwe, erhält aber wie alle Arbeiter zunächst keinen Lohn.

Denn zunächst muss der Schutt beseitigt, müssen die Maschinen wieder in Betrieb gehen können, bevor mit Kochtöpfen und Essnäpfen aus Aluminium erste, noch ganz kleine Produktions-Brötchen gebacken werden können. „Geld regelt die Ordnung der Welt“: Was Ernst bei seinem konservativen Vater Hohn und Spott einbringt, der stets auf den erfolgreichen Bruder Harry verweist – ohne zu ahnen, dass der sein Geld mit Schwarzmarktgeschäften des windigen Händlers Fürbringer verdient, der sich nicht scheut, Mehl zur Herstellung lebenswichtiger Grundnahrungsmittel zurückzuhalten, um den Preis und damit seinen Profit zu erhöhen.

Alle kämpfen ums tägliche Brot: Inge als Sekretärin in einem Versicherungsbüro und kurzzeitig als Schlagcreme-Verkäuferin, Ilse als Steineklopferin auf Trümmergrundstücken, Niki als Verkäuferin in einer Bäckerei und Mary zusammen mit einer Freundin (Hannelore Minkus) als „Fräuleins“ spendabler US-Soldaten. Als Inge vom Schlagcreme-Budenbesitzer entlassen wird, weil sie einem unzufriedenen Kunden seine Mark zurückgegeben hat, kann sie bei Renner als Sekretärin des Chefs anfangen – den sie bereits aus zufälligen Begegnungen in der Tram kennt. Es geht langsam voran, erste Gehälter können gezahlt und täglich kann ein markenfreies Mittagessen ausgegeben werden.

Die Webers-Wohnung hat sich aufgrund der Unerträglichkeit des verbohrten Hausherrn erheblich geleert, sodass mit Bergstetter ein alleinstehender Ingenieur ein Zimmer beziehen kann. Der in der Nazizeit seine ganze Familie verloren hat: das Wort „Jude“ fällt kein einziges Mal, doch besteht kein Zweifel, dass Frau und Kinder im Konzentrationslager umgekommen sind. Als ein „Reisender“ namens Bölke (Freddy Barten) nach langem Werben Erfolg hat und den Ingenieur Thielicke zu den Fleischtöpfen des kapitalistischen Westens abwirbt, beginnt auch für Bergstetter ein neuer, erfüllter Lebensabschnitt. Als auch noch ein völlig desillusionierter, vom eigenen Sohn Harry überfallener Karl Webers als Buchhalter im VEB Renner einsteigt und die ersten Traktoren die Fabrik unter kollektivem Jubel verlassen, ist die Familienzusammenführung perfekt...

„Mehr Traktoren – mehr Brot“: Der im Studio Johannisthal und im noch weitgehend kriegszerstörten Berlin entstandene Aufbaufilm des gerade erst aus dem Schweizer Exil zurückgekehrten Regisseur Slatan Dudow zur energiegeladenen Musik Hanns Eislers ist ein einziger, ideologisch grundierter Appell an die Deutschen zwischen Kap Arkona und Elstergebirge, die Mühen des Aufbaus in Kauf zu nehmen für ein selbstbestimmtes Leben im Arbeiter- und Bauernstaat. Noch in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) konzipiert und gedreht ist „Unser täglich Brot“ der zweite Film, den die Deutsche Film AG nach Gründung der DDR am 7. Oktober 1949 herausbrachte.

Der auch bezüglich der eindeutigen Charakterisierung in Gut und Böse schwarz-weiße Film, am 4. November 1949 im Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz uraufgeführt, ist am 9. November 1949 in den DDR-Kinos gestartet und am 29. August 1955 im Versuchsprogramm des Fernsehzentrums Berlin, dem Vorläufer des Deutschen Fernsehfunks, erstausgestrahlt worden. 1950 gabs gleich drei DDR-Nationalpreise der III. Klasse für Regisseur Slatan Dudow, Kameramann Robert Baberske sowie die beiden Schauspieler Harry Hindemith und Irene Korb. Als westdeutsche Erstaufführung gilt die TV-Premiere am 21. März 1972 im „Dritten“ des Westdeutschen Rundfunks, in den 1970er Jahren lief „Unser täglich Brot“ aber auch in den Kinos, ich sah ihn Mitte November 1974 beim Studienkreis Film an der Bochumer Ruhr-Universität.

Pitt Herrmann

Credits

Director

Director of photography

Music

Cast

All Credits

Director

Assistant director

Script editor

Director of photography

Assistant camera

Still photography

Production design

Sound

Music

Unit production manager

Production assistant

Duration:
2856 m, 105 min
Format:
35mm, 1:1,33
Video/Audio:
s/w, Ton
Screening:

Uraufführung (DD): 04.11.1949, Berlin, Babylon

Titles

  • Originaltitel (DD) Unser täglich Brot

Versions

Original

Duration:
2856 m, 105 min
Format:
35mm, 1:1,33
Video/Audio:
s/w, Ton
Screening:

Uraufführung (DD): 04.11.1949, Berlin, Babylon