Summary
Outside Time
A small town in East Germany after reunification. Everything is changing, the railway station, including the bar, is being closed down, and someday soon the trains won′t stop any more. The place and the inhabitants have been left "outside time". Former allies, the Russian soldiers, have left
One of them, Sergei, wants to stay in Germany and hides himself in an abandoned barracks. On one of these nightly forays he meets Sophie, the young station superintendent. Initial shyness grows into love which, however, threatens to destroy the harmony of Sophie′s little family. Her mother and older brother Georg feel disturbed by Sergei, although both of them in their own way feel strongly attracted to and develop a relationship with the quiet stranger. Juvenile jealousy and the fear of change drive Georg to kill the intruder, hoping to save the happiness of the familiy. But the opposite happens. Sophie leaves the unhappy place, mother and brother staying behind "outside time".
Source: German films Service & Marketing GmbH
Comments
You have seen this movie? We are looking forward to your comment!
Login or register now to write a comment.
Die Familie ist die Keimzelle der Handlung: Die Mutter und ihre beiden Kinder, Sohn Georg und Tochter Sophie, haben sich selbst zurückgezogen in den unsicheren Zeiten in Folge der politischen und ökonomischen Wende. Der Bahnhof der Kleinstadt irgendwo an der Strecke nach Berlin wird geschlossen wie die Bahnhofskneipe, bisher gesellschaftlicher Mittelpunkt der Gemeinde. Wenn hier nur noch Fernzüge durchrauschen, wird es für Sophie keine berufliche Zukunft mehr geben. Wie auch für ihre Mutter, bisher Wirtin der Mitropa-Bahnhofsgaststätte, die sich schon jetzt nur mit Nebenjobs durchschlägt, als Putz- und Friseurhilfe, als Heimarbeiterin an der Nähmaschine.
Georg ist offenbar geistig gestört und hat nichts rechtes gelernt. Er schlägt sich als Hilfsarbeiter auf einem Schrottplatz durch. So kleben die Drei mit ihrer ungewissen Zukunft eng aneinander, schließen sich von der Außenwelt ab. Erst als Sophie mit Sergej einen jungen Deserteur der Sowjetarmee kennen- und lieben lernt (Leinwanddebüt für den russischen Schauspielstudenten Michael Poretschenkow), begreift sie die familiäre Zurückgezogenheit als Gefängnis und ist bereit, dem verlockenden Ruf in die Hauptstadt zu folgen.
In den Nebensträngen der beiden Haupthandlungen werden brisante Probleme der Zeit nur klischeehaft angerissen: Russenmafia, Gewaltkriminalität im Bereich der abziehenden Sowjetstreitmacht, öde Leere im Alltagsleben der dörflichen Provinz. Auch die Lebensgeschichte der Mutter, die tröpfchenweise offenbar wird, riecht allzu sehr nach Konstruktion: Sophies Vater, ein Lehrer, hat sich auf dem Dachboden des Hauses, dem nun eine breite Autostraße vorgesetzt werden soll, welche die beschauliche Idylle beendet, erhängt, nachdem er, wahrscheinlich aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt, mitbekommen hat, dass seine Frau ein Verhältnis mit einem russischen Offizier hatte.
Dieses üppige Bündel von Motiven hält Andreas Kleinert reichlich mystifizierend bis zum Schluss in der Schwebe wie auch das Binnenverhältnis zwischen der Mutter und ihren beiden Kindern: Inzest schwebt stets im Hintergrund mit, ohne dass der Verdacht erhärtet würde.
„Neben der Zeit“ in ein Ensemblefilm in etwas zu biederer Bildschirm-Ästhetik, der im Rahmen des 1993 von den ARD-Sendern Ostdeutscher Rundfunk Brandenburg, Westdeutscher Rundfunk und Saarländischer Rundfunk ausgelobten Drehbuchwettbewerbs „Ein Tag in Deutschland“ entstand, bei dem unkonventionelle Sichtweisen auf das Thema Deutschland nach der Wiedervereinigung gefragt waren. Die Publikumspreise beim Festival um den Max-Ophüls-Preis in Saarbrücken wie auch beim Film-Kunst-Festival in Schwerin resultieren, so zumindest meine Spekulation, weniger aus der Story als der feindifferenzierten Spielweise der Protagonisten, dabei im Mittelpunkt die zarte Liebesgeschichte zwischen der jungenhaft wirkenden Sophie und dem machohaften Armeedeserteur, der sich auf dem Fliegerhorst eines aufgelassenen Kasernengeländes der Sowjetarmee verborgen hält.
Aber auch zwischen Sophies Mutter und Sergej gibt es zarte Bande wie zwischen Sergej und Georg, Georg und Sophie oder Georg und seiner Mutter. Andreas Kleinert entführt mit seinem dritten Spielfilm, der mit einem geradezu lächerlichen Budget von 1,3 Millionen D-Mark auskommen musste, in eine intime, ganz von der Außenwelt abgeschottete Gemeinschaft, die jedoch die Zeitenwende nicht überdauern kann. Michael Poretschenkow, 1969 in Leningrad geborener Student der Akademie für Theaterkunst in St. Petersburg, kehrte nach den Dreharbeiten in seine Heimat zurück.
Andreas Kleinert im ARD-Presseheft: „Viel mehr als um konkret ostdeutsche Befindlichkeit ging es mir um eine klassische Geschichte, die vor hundert Jahren genauso hätte funktionieren können wie hundert Jahre später: Ich wollte die Sehnsucht nach Veränderung und gleichzeitig die Angst davor darstellen. Was in der Familie an Verdrängungen, an Lebenslügen, an Selbstbetrug passiert, löst letztlich die Katastrophen der Gegenwart und der Zukunft aus. Wer es dort nicht gelernt hat, mit Problemen umzugehen, Alternativen zu suchen, muss letztendlich scheitern.“
Pitt Herrmann